MarktTreff-Arbeitstreffen:
Wie bringen wir Jugend und MarktTreff stärker zusammen?
K i e l MT 02.09.2026 – Junge Menschen leben gern auf dem Land und machen mit in Vereinen, bei der Jugendfeuerwehr, beim Jugendrotkreuz. Als alltäglicher Treff dient ihnen häufig der Sportplatz, ein eigener Jugendraum, die nächste Bushaltestelle – oder der MarktTreff. Aber wie können sich Junge aktiv am Dorfgeschehen beteiligen? Gibt es gute Beispiele für Jugendbeteiligung, wie steht es um eine Ausbildung vor Ort, welche Schritte versprechen ein stärkeres Zusammengehen? Diese Fragen wurden beim Arbeitstreffen „Jugend und MarktTreff“ in der Zentrale des DRK-Landesverbands in Kiel diskutiert.
„Wir sind gern Gastgeberin dieses Treffens“, begrüßte Nele Giesen vom DRK SH die Teilnehmenden. „Engagement und Jugendarbeit gehören zu unserer DNA.“ Vertreter:innen vom Landjugendverband, von der Sportjugend, vom DRK sowie aus verschiedenen MarktTreff-Gemeinden und dem Ministerium für ländliche Räume (MLLEV) folgten der Einladung und brachten sich aktiv ein.
Hintergrund des Workshops ist die auf drei Jahre angelegte MarktTreff-Werkstatt „Jugend und MarktTreff“. Dabei reicht das Aufgabenspektrum von Befragungen über Arbeitstreffen bis zur Umsetzung von konkreten Pilotprojekten an MarktTreff-Standorten sowie einem begleitenden Leitfaden. Ziel ist es, mehr junge Menschen für eine Mitwirkung und möglicherweise für eine Ausbildung in MarktTreffs zu gewinnen. Im vergangenen Jahr wurden bereits MarktTreff-Betreiber:innen, -Bürgermeister:innen, Expert:innen und Partner um eine Einschätzung und neue Ideen gebeten. Diese Ergebnisse bildeten die Basis des Arbeitstreffens.
„Heute schon sind Kinder und Jugendliche an vielen MarktTreff-Standorten als Kundin oder Kunde dabei“, führte Freimut Tiesmeyer-Roller vom Projektteam ein. Zudem gäbe es häufig eine Nutzung der Treffbereiche vor Ort. „Bei der Mitwirkung fehlen sie hingegen – noch. Zum Beispiel als Funktionsträgerin in einer Genossenschaft oder beim digitalen Mithelfen für Internetauftritt oder Social Media. Viele der von uns befragten MarktTreff-Akteure fänden das allerdings wünschenswert.“
Eine direkte Befragung junger Menschen vor Ort habe auf der Landesebene mit ihren 47 MarktTreff-Gemeinden nicht stattgefunden: „Das wird eine Aufgabe, die gut in den jeweiligen Standorten durchgeführt werden kann – zum Beispiel im Rahmen der Entwicklung neuer MarktTreffs, dann individuell zum Ort passend.“ Frühes Einbeziehen der Wünsche und Bedarfe stärke die Identifikation mit dem „eigenen“ Ort, dem „eigenen“ MarktTreff – und das über alle Generationsstufen hinweg. Diese Anregung stieß direkt auf Interesse bei den Workshopteilnehmenden aus Freienwill: Die 1.600-Einwohner-Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg hat erst vor wenigen Monaten den Förderbescheid für ihren MarktTreff-Neubau erhalten und entwickelt jetzt ihre konkreten Angebote.
In zwei Workshop-Gruppen wurden Antworten gesucht, die auf Herausforderungen, Chancen und Rahmenbedingungen eingingen. Neben der örtlichen Befragung junger Menschen sollten feste Ansprechpartner und regelmäßige gemeinsame Runden für mehr Miteinander sorgen. Die „digitale Welt“ wurde als bedeutender Konkurrent um knappe Freizeit gesehen, zugleich wurde ein Trend zu niedrigschwelligen, zu kreativen handwerklichen Angeboten festgestellt. „Es braucht die realen Treffpunkte im Alltag“, in denen sich die Jungen „echt willkommen fühlen“, so mehrfach genannt im Plenum. Dies sollten die MarktTreff-Akteure vor Ort gemeinsam mit den Jugendlichen ausgestalten. Ein festes finanzielles Budget für junge Leute und ihre Ideen sei hilfreich; in puncto Ausbildungsplatz sei noch Überzeugungsarbeit zu leisten – der notwendige Ausbilderschein stehe häufig im Weg. Mehrere MarktTreff-Betriebe schaffen bereits unterschiedliche Tätigkeitsfelder für junge Menschen: von der Schüleraushilfe über den Freiwilligendienst bis zur Marktleitung. Die „wohnortnahe Beschäftigungsmöglichkeit“ sei einer der Pluspunkte im Werben um Nachwuchs.
Erfreut zeigte sich Ina Alter vom MLLEV über das Interesse von gleich vier MarktTreff-Akteuren, in eine konkrete Umsetzung einzusteigen. In Brekendorf, Kirchbarkau (MarktTreff Barkauer Land), dem Ländlichen Kultur-, Bildungs- und Erlebniszentrum Hof Viehbrook (Gde. Rendswühren) plus am neuen Standort Freienwill soll es zeitnah losgehen: „Diese Liste ist nicht abgeschlossen, wir sind offen. Mit modellhaften Entwicklungen wollen wir Erfahrungen sammeln, die dann allen weiteren MarktTreffs zur Nachahmung dienen können.“
Erste Anregungen zu einem Leitfaden und zu einer Checkliste für „Jugend und MarktTreff“ brachte im Vorfeld bereits der Landesjugendring Schleswig-Holstein ein: Die Themen reichen von Partizipation und Mitgestaltung über Nutzungsmöglichkeiten und Gemeinschaft bis zu professioneller Begleitung und Unterstützung. Diese Vorschläge fließen in die konkrete Umsetzung ein.
„Beim Arbeitstreffen selbst“, ergänzt Alter, „ist uns mitgegeben worden: ,Echte, ernstgemeinte Kinder- und Jugendbeteiligung ist ein anstrengender Prozess.‘ Und eine MarktTreff-Bürgermeisterin hat uns ihre Erfahrungen rückgespiegelt: ,Bei jungen Menschen ist es wichtig Dranzubleiben. Einige fühlen sich schnell unter Druck gesetzt‘. Alter weiter: „Bei den Landesverbänden, ihren Jugendorganisationen, den Kreis- und Ortsvereinen setzen wir auf Synergien. Heute schon ein großer Dank an die MarktTreff-Partnerorganisationen und die ‚MarktTreffler‘ in ganz Schleswig-Holstein.“
Video-Statements zum MarktTreff-Arbeitstreffen
Levke Wieben, 1. stellv. Vorsitzende, Landjugendverband SH
Carsten Bauer, Geschäftsführer, Sportjugend SH
Weitere Stimmen zum MarktTreff-Arbeitstreffen
Dr. Jürgen Grohmann, Gemeinde Freienwill (MarktTreff in Umsetzung):
„Wir haben schon bei den Kindern und Jugendlichen im Ort und in den Nachbargemeinden das Interesse für unseren künftigen MarktTreff wecken können, dank der großartigen Unterstützung durch unseren Amtsjugendpfleger. Nach diesem ersten Schritt gilt es jetzt, sie weiter ‚reinzuholen‘ ins Projekt und die konkrete Planung. Wir freuen uns, dass wir dabei als Gemeinde professionell begleitet werden durch das MarktTreff-Netzwerk und seine Partner. Der MarktTreff soll schließlich eine neue Ortsmitte für wirklich alle Generationen werden.“
Rainer Mertens, Bürgermeister der MarktTreff-Gemeinde Brekendorf:
„Wir haben bereits mehrere ,Jugendrunden‘ im Ort durchgeführt. Dabei haben die jüngeren Einwohner ihre Sicht und Forderungen eingebracht und wir haben geschaut, was umsetzbar ist. Zum Beispiel: In Brekendorf haben wir viel Jugendsport. Als eine der Maßnahmen wurde also die „Sportbox‘ am Sportplatz entwickelt, eine Ausleihe-Möglichkeit von Spiel- und Bewegungsgeräten für alle. Von der Beschäftigung mit dem Thema ,Jugend und MarktTreff‘ wünsche ich mir, solche einfachen, praktischen – und offenen – Angebote auf unseren MarktTreff zu übertragen. Ein eigener Jugendraum zum Selbstentfalten ist eine der Ideen, die immer mal wieder geäußert wurden.“
Jugend und MarktTreff – starke MarktTreff-Partner seit über zwei Jahrzehnten
Der Landjugendverband Schleswig-Holstein ist – wie die weiteren hier vorgestellten Institutionen – bereits seit Anfang der 2000er-Jahre Partner des Landesprojekts MarktTreff Schleswig-Holstein. Bei der Landjugend sind rund 8.400 junge Menschen in über 85 Ortsgruppe, elf Kreisverbänden und dem Landesverband organisiert. Aktive Freizeitgestaltung, Weiterbildung und gesellschaftspolitisches Engagement für den ländlichen Raum und vieles mehr steht auf dem Programm.
Weitere Infos: www.landjugend-sh.de (externer Homepage-Link)
Die Sportjugend Schleswig-Holstein (sjsh) ist der eigenständige Jugendverband im Landessportverband Schleswig-Holstein. Insgesamt bilden rund 360.000 junge Menschen bis 27 Jahren in 2.450 Sportvereinen und -verbänden des Landessportverbands die Sportjugend SH. Ziel der Sportjugend ist u. a. eine zeitgemäße, sinnvolle Freizeitgestaltung für junge Menschen – die Mitbestimmung von Jugendlichen wird großgeschrieben.
Weitere Infos: www.sportjugend-sh.de (externer Homepage-Link)
Der Landessportverband Schleswig-Holstein ist Partner des Projekts MarktTreff.
Weitere Infos: www.lsv-sh.de (externer Homepage-Link)
Der DRK-Landesverband Schleswig-Holstein ist ebenfalls Partner des Projekts MarktTreff. Der Verband vertritt rund 70.000 Mitglieder in 368 Ortsvereinen und zahlreichen Einrichtungen im Land.
Weitere Infos: www.drk-sh.de (externer Homepage-Link)
Das Jugendrotkreuz Schleswig-Holstein (JRKinSH) ist der Zusammenschluss von jungen Menschen innerhalb des Deutschen Roten Kreuzes in Deutschlands nördlichstem Bundesland. Hier engagieren sich rund 4.700 junge Mitglieder im Alter von 6 bis 27 Jahren für Gesundheit, Umwelt, Frieden und internationale Verständigung.
Weitere Infos: www.sh.jrk.de (externer Homepage-Link)
Informationen zu Gründung und Betrieb eines MarktTreffs
Bei Interesse an der Gründung eines neuen MarktTreffs nehmen Sie bitte Kontakt auf mit dem Projektmanagement unter:
gruendung@markttreff-sh.de
Detaillierte Informationen zum Projekt MarktTreff mit vielen Arbeitshilfen und aktuellen Tipps finden Sie unter:
www.markttreff-sh.de
Das Projekt MarktTreff wird gefördert durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER), mit Mitteln des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK).
Fotos: MarktTreff SH / ews group