Der Strukturausschuss des Bauernverbandes Schleswig-Holstein und seine Gäste besuchten jetzt in Kirchbarkau auch den Laden des MarktTreffs Barkauer Land. MarktTreff-Leiterin Dagmar Thiele-Gliesche (vorne links) informierte  die Teilnehmenden. Mit dabei: Jürgen Blucha aus dem Innenministerium (l.), Bauernverbands-Vizepräsident Klaus-Peter Lucht (6. v. l.), Ausschussvorsitzende Karen Franzen (9. v.l.), Susanne Schniete und Annika Risse von der DVS (5. v. r., 2. v. r.) und Torsten Sommer, Geschäftsführer der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins (5. v. r.).

 MarktTreff-Partner Bauernverband: Strukturausschuss tagte in Kirchbarkau

K i r c h b a r k a u MT 03.05.2019 – Der Bauernverband Schleswig-Holstein – seit Jahren offizieller Partner des MarktTreff-Projektes – tagte mit seinem Fachausschuss für Strukturfragen jüngst an einem besonderen Standort: in Kirchbarkau vor den Toren Kiels, wo die Teilnehmenden unter Leitung der Ausschussvorsitzenden Karen Franzen auch den MarktTreff Barkauer Land besuchten: ein erfolgreiches schleswig-holsteinisches Nahversorgungsprojekt, das stark auf Vernetzung setzt – ein Thema, mit dem sich auch der Strukturausschuss intensiv beschäftigte. 

MarktTreff-Leiterin Dr. Dagmar Thiele-Gliesche schilderte den Gästen, zu denen Klaus-Peter Lucht (Vizepräsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein), Jürgen Blucha (stellvertretender Abteilungsleiter Landesplanung und ländliche Räume im Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration [MILI]), Thorsten Sommer (Geschäftsführer der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins [ALR SH]) sowie Susanne Schniete und Annika Risse von der Deutschen Vernetzungsstelle dvs zählten, die wechselvolle Geschichte des MarktTreffs. Nach eineinhalb Jahrzehnten sei der MarktTreff von Gemeinde, Bürgerinnen und Bürgern durch schwierige Zeiten zu einer großen Akzeptanz geführt worden. Heute steht hinter dem MarktTreff eine Bürgergenossenschaft mit 180 Mitgliedern.Im Laden selbst sind 10 (Teilzeit-)Mitarbeitende und 18 Ehrenamtliche tätig. Der Lebensmittelmarkt, der von regionalen bis zu Discountprodukten anbiete, werde durch Getränkemarkt mit Anlieferung, Paketannahme und Geldautomat ergänzt. Ganz gezielt werde nicht verkaufte Frischware vor dem Verfall verwertet: So ist der Suppen-Tag in Kirchbarkau mittlerweile ein Markenzeichen des MarktTreffs Barkauer Land, der der Treffpunkt im Dorf ist.

„MarktTreffs haben ein wirtschaftliches Kerngeschäft, in der Regel den Lebensmittel-Einzelhandel, einen Dienstleistungsbereich und sind Treffpunkt für die Menschen im Ort - doch jeder MarktTreff ist anders“, erklärte Jürgen Blucha aus dem Kieler Innenministerium als Fördermittelgeber. 2016 war der MarktTreff 15 Jahre nach der Eröffnung gründlich renoviert worden und eine Bürgergenossenschaft ins Leben gerufen worden, die den MarktTreff betreibt. Heute sei er gut vernetzt im Barkauer Land, das mache auch einen Teil des Erfolges aus, betonte Thiele-Gliesche.

Erfolg durch Vernetzung war auch ein Thema des Strukturausschusses des Bauernverbandes. Susanne Schniete und Annika Risse berichtete über die Arbeit der Deutschen Vernetzungsstelle in Bonn. Die DVS informiert bundesweit über Fördermöglichkeiten im Rahmen der 2. Säule der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik), unterstützt LEADER (in Schleswig-Holstein: AktivRegionen) und EIP-Projekte (Europäische Innovationspartnerschaft) in der Landwirtschaft und bietet zahlreiche Veranstaltung an, um Best-Practice-Vorhaben in die Breite zu tragen. Deutlich wurde, dass Schleswig-Holsteins Landwirtschaft bei den EIP-Projekten ganz vorn mit dabei ist.

ALR-Geschäftsführer Torsten Sommer erläuterte, wie die Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins beispielsweise gemeinsam mit dem Gemeindetag und dem Bauernverband eine Studie zur Zukunftsfähigkeit des ländlichen Wegenetzes angeschoben habe.

Jürgen Blucha, auch Referatsleiter ländliche Entwicklung im MILI, sieht den ländlichen Raum vor großen Herausforderungen, insbesondere durch den demographischen Wandel. Zwar werde die Bevölkerungszahl Schleswig-Holsteins weniger dramatisch schrumpfen als in anderen Regionen, die Menschen aber dennoch „älter und weniger“ werden.

Sein Referat sei zuständig für die Umsetzung der Maßnahmen der Integrierten Ländlichen Entwicklung des EU-Landwirtschaftsfonds ELER und der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) in Schleswig-Holstein.Dazu gehöre die Fachaufsicht für die Flurbereinigung, die Modernisierung ländlicher Wege, den Breitbandausbau oder die AktivRegionen. Auch die Förderung der MarktTreffs ist in seinem Referat angesiedelt, ebenso der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. 

Blucha machte darauf aufmerksam, dass sich für die kommende EU-Förderperiode große Änderungen ergeben würden, weil Brüssel einen nationalen Strategieplan verlange. Bisher habe jedes Bundesland sein Förderprogramm direkt an die EU-Kommission geschickt. Nun müsse man dafür Sorge tragen, sich im Nationalen Plan wiederzufinden. Er rechne damit, dass der Strategieplan nicht vor dem Jahr 2023 in Kraft treten werde. Daher sei es jetzt wichtig, einen verlässlichen und klaren Übergang zwischen den Förderperioden zu finden – auch was den Finanzrahmen angehe.

Zur GAK berichtete Blucha von intensiven Diskussionen über eine Grundgesetzänderung. Diese soll ermöglichen, dass die ländliche Entwicklung unabhängiger von den Themen Agrarstruktur und Küstenschutz gefördert werden könne Der Ausschuss diskutierte, dass die GAK-Finanzmittel bei einer Ausweitung der Aufgaben entsprechend erhöht werden müssten. Blucha sagte, dass die Landesregierung der Sichtweise folge. Thorsten Sommer von der ALR sieht die Diskussion kritisch, gegebenenfalls Mittel auf strukturschwache Regionen zu konzentrieren. Ausschussmitglieder wiesen darauf hin, dass die Bedeutung der Landwirtschaft in der GAK sinken werde. Der Fokus der GAK müsse auch in Zukunft darauf liegen, die Wirtschaft im ländlichen Raum zu stärken.

Bauernverbandsvizepräsident Klaus-Peter Lucht berichtete über die Ergebnisse einer Masterarbeit an der Christian-Albrechts-Universität, ob die Umwandlung der EU-Direktzahlungen in eine Gemeinwohlprämie für die Betriebe sinnvoll sein kann. Demnach würden Leistungen der Betriebe für Natur und Umwelt mit Punkten bewertet und entsprechend entlohnt. Der Vizepräsident des Bauernverbandes kritisierte, ein Schwachpunkt solcher Modelle sei, dass die Tierhaltung und ihre Nährstoffströme bisher ausgeblendet würden.

Die Vorsitzende Karen Franzen wies zum Abschluss der Sitzung in Kirchbarkau darauf hin, dass viele der diskutierten Themen den Ausschuss in der Zukunft weiter beschäftigen würden.

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