Von Neuplanungen über Jugendbeteiligung bis zu Alltagsrassismus
MarktTreff-Erfahrungsaustausch bei der Akademie für die Ländlichen Räume
K i e l MT 16.12.2025 – Eine Fülle neuer Impulse kennzeichnete den jüngst durchgeführten Erfahrungsaustausch von MarktTreff-Gemeinden und -Betreiber:innen. Zusammengekommen waren die rund 30 Teilnehmenden in Flintbek bei der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins (ALR SH), einem Projektpartner der ersten Stunde.
„Neben den unterschiedlichen Planungen für vier neue Standorte, haben wir eindrucksvoll die starke soziale Seite von MarktTreff kennengelernt“, sagt Ina Alter vom einladenden Ministerium für ländliche Räume des Landes. „Wie die MarktTreff-Gemeinden Schwesing und Freienwill heute schon Jugendliche einbinden, ist beispielhaft.“
In einem gebündelten Themenblock lernten die Teilnehmenden zuvor vier MarktTreffs in Planung kennen. Die begleitenden Projektbüros gingen in ihren Präsentationen auf die jeweils geplanten Angebote zur Nahversorgung, zu Dienstleistungen und Treffpunkten ein – und betonten die Besonderheiten am jeweiligen Standort.
Ute Ermgassen von B2K Architekten und Stadtplaner präsentierte den Entwurf eines MarktTreffs für Groß Vollstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Die 1.000-Einwohner-Gemeinde hat zur Zeit eine funktionierende Nahversorgung und plant einen MarktTreff-Neubau mit Drei-Säulen-Angebot am Rande eines künftigen Siedlungsgebiets. Ermgassen gab für die Planung eine Reihe alltagspraktischer Hinweise: „Achten Sie frühzeitig auf die Trennung der Kreisläufe und Zähler für Strom, Wasser und Heizung. Klären Sie mögliche Saalgrößen: Ab 100 Plätzen und ab 200 Plätzen gelten jeweils andere Verordnungen. Planen Sie gezielt die Flächen für die Anlieferung der Lieferanten ein, denn dafür werden große LKW vorfahren. Und sorgen Sie im gesamten Prozess für ausreichend Input und Austausch mit allen Beteiligten.“
Klaus Mensing von CONVENT Mensing hat bereits Erfahrung mit einigen MarktTreff-Machbarkeitsstudien. Aktuell begleitet er die Gemeinde Ellerhoop im Kreis Pinneberg: „Denken Sie an ausreichend Zeit für Planungen, Abstimmungen und Ausschreibungen“, so einer seiner Hinweise.
Ebenso betonte Mensing die Wichtigkeit klarer Zuständigkeiten in der Gemeinde. „Wir haben als festen Termin den Förder-Call im April 2026 zum Ziel. Dafür müssen die Grundlagen geschaffen werden.“ Mensing zeigte sich optimistisch, dass diese Vorgabe erreicht werden könne.
Die Gemeinde Hollingstedt (Kreis Schleswig-Flensburg) hat 2024 den Planungs- und Beteiligungsprozess in der 1.000-Einwohner-Gemeinde an der Treene gestartet – begleitet von Olaf Petersen, von der CIMA GmbH „Neben einer Lenkungsgruppe, wurden die Bürger:innen per Onlinebefragung (100 Teilnehmende) sowie in einer Bürger-Werkstatt (50 Teilnehmende) in den Entwicklungsprozess eingebunden“, so Petersen.
Für die Machbarkeitsstudie einschließlich Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die Gemeinde müsse mit circa einem dreiviertel Jahr Laufzeit gerechnet werden; als Rat gab Petersen „maximale Transparenz“ der Vor-Ort-Aktivitäten aus.
Ulrich Bähr von der CoWorkLand eG stellte seine Arbeit für die Gemeinde Stocksee (Kreis Segeberg) am Radfernweg Mönchsweg vor. Im historisch-gewachsenen Ortskern entwickelt Bähr mit der Gemeinde, mit Bürger:innen und Expert:innen derzeit Konzepte für neue, künftige Angebote – von geteilter Mobilität bis zu einem Cafe mit Dienstleistungen und Treff. Der Dorfladen ist bereits in der „Pop-up-Testphase“, was in diesem Fall nicht förderschädlich ist und was von den Kund:innen gut angenommen werde.
Bährs Ansatz: „Einfach Ausprobieren.“ Sein Rat war, man solle parallel „das Haus und die Gemeinschaft planen“.
Wie können wir mehr Jugendliche an MarktTreff beteiligen?
Was müssen wir ändern, damit mehr Jugendliche in einem MarktTreff ausgebildet werden?
Weiterer Schwerpunkt der „Erfa“ war das Thema Jugend und Soziales. „Wie können wir mehr Jugendliche an MarktTreff beteiligen? Was müssen wir ändern, damit mehr Jugendliche in einem MarktTreff ausgebildet werden?“ lauteten die Eingangsfragen. Dazu stellte Dieter Witasik, MarktTreff-Projektmanagement,
erste Ergebnisse einer Online-Befragung von MarktTreff-Betreiber:innen und -Bürgermeister:innen vor – ergänzt um aktuelle Studien der Bertelsmann Stiftung zum Medienverhalten und Demokratieverständnis junger Menschen. „Die Gruppe der 14- bis 27-Jährigen nutzt heute schon die drei Säulen von MarktTreff“, so Witasik. „In 2026 wollen wir gemeinsam mit jungen Menschen an weiteren Entwicklungen arbeiten.“
Dr. Jürgen Grohmann aus der Gemeinde Freienwill, wies als einen Faktor erfolgreicher Jugendbeteiligung auf „den Amts-Jugendpfleger“ hin. So eine Vertrauensperson sei hilfreich, denn „junge Menschen müssen Sie aktiv ansprechen“. In seiner 1.600 Einwohner-Gemeinde seien rund 350 junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren. Die Entwicklung des Jugendzentrums sei von den Jungen selbst geplant worden. „Und wir haben in unserem Jugendzentrum zwischen 30 und 90 Junge pro Woche.“ Künftig ergänze der geplante MarktTreff den starken Ortskern mit Dorfkrug und Jugendzentrum.
Heiko Lohr aus der MarktTreff-Gemeinde Schwesing plädierte in Hinblick auf Jugendbeteiligung für „Begleiter und mehr Gelassenheit“. In Schwesing habe man gute Erfahrungen gemacht mit einem Jugendgemeinderat. Großes Interesse fand sein Beitrag zum Umgang mit Alltagsrassismus. Die Gemeinde habe hier „Flagge gezeigt“. Im Februar des Jahres habe ein Regionales Beratungsteam (weitere Informationen: www.rbt-sh.de; externer Homepage-Link) im MarktTreff eine präventive Schulung durchgeführt, die auf großes Interesse gestoßen sei. Im Ergebnis sei niemand allein, um die Demokratie zu schützen.
Die Akademie (ALR SH) ist langjähriger MarktTreff-Partner und unterstützt Gemeinden in Schleswig-Holstein mit Veranstaltungen, innovativen Projekten und echten Hilfen – mit Förderung des Landes. Aus den ersten Dorfkümmerern habe sich mittlerweile ein starkes Netzwerk von fünfzig Aktiven gebildet, wie Otto Beeck, Dorfkümmerer aus Hennstedt (Kreis Dithmarschen) berichtete: „Das Interesse ist groß, die Aufgaben sind vielfältig und sie sind je Gemeinde individuell.“ Er führe regelmäßig Sprechstunden im MarktTreff durch und sei auch so gesuchter Ansprechpartner im Ort bei vielen Fragen – Einsamkeit sei ein zunehmendes Thema.
Torsten Sommer, Geschäftsführer der Akademie, stellte als weitere Instrumente für Gemeinden das Dörpsmobil – „mittlerweile gibt es für diese Form der geteilten Mobilität mehr als fünfzig Vereine im Land“ – sowie den StadtLand.Funk (bisher DorfFunk) und die Vereinscloud vor. „Wenn sich eine Gemeinde für diese Instrumente interessiert, schaut sie am besten auf unsere Homepage unter www.alr-sh.de oder spricht uns an.“
Informationen zu Gründung und Betrieb eines MarktTreffs
Bei Interesse an der Gründung eines neuen MarktTreffs nehmen Sie bitte Kontakt auf mit dem Projektmanagement unter:
gruendung@markttreff-sh.de
Detaillierte Informationen zum Projekt MarktTreff mit vielen Arbeitshilfen und aktuellen Tipps finden Sie unter:
www.markttreff-sh.de
Das Projekt MarktTreff wird gefördert durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER), mit Mitteln des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK).
Fotos: MarktTreff SH / ews group