KI wird kleine Nahversorger wie MarktTreff beflügeln – Björn Kuhlenkamp von der Stiftung Digitale Chancen hilft dabei
K i e l MT 18.02.2026 – Die Stiftung Digitale Chancen setzt sich seit 2002 für den chancengleichen Zugang aller Menschen zum Internet ein. In Schleswig-Holstein fördert sie derzeit mit dem Projekt „DiKomBi 60+" die Medienkompetenz älterer Menschen. Die Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von zwei Bundesministerien.
Jetzt bereitet Projektmanager Björn Kuhlenkamp alltagspraktische Online-Seminare für alle MarktTreff-Gemeinden und Interessierte zu den Chancen und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) vor: „Wir erleben gerade große Umwälzungen durch die KI. Wichtig ist es darüber aufzuklären und praktische Zugänge zu eröffnen.“
Wie er die Möglichkeiten für Nahversorger wie MarktTreff sieht, welche Erfahrungen er bereits in Schleswig-Holstein gemacht hat und wie seine Arbeit als Fußball-Trainer ihm dabei hilft, erläutert Kuhlenkamp im Gespräch.
MarktTreff: Herr Kuhlenkamp, Sie arbeiten für eine Stiftung, die den Begriff „digitale Chancen“ bereits im Namen trägt. Welche Chancen bietet denn die KI speziell im ländlichen Kontext?
Björn Kuhlenkamp: Gerade im ländlichen Raum kann Künstliche Intelligenz eine Erleichterung sein. Dort, wo Zeit, Personal oder Fachwissen knapp sind, kann KI helfen, Aufgaben einfacher und effizienter zu erledigen.
Wichtig ist uns als Stiftung dabei immer: KI soll unterstützen, nicht ersetzen. Sie ist ein Werkzeug, das Menschen entlastet und Teilhabe erleichtert. Sie ist kein Ersatz für das Denken und das Zusammenkommen.
Sie sind für die Stiftung Digitale Chancen seit fünf Jahren in Schleswig-Holstein aktiv. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihren Projekten gemacht? Welche Angebote machen Sie aktuell?
Kuhlenkamp: In Schleswig-Holstein erleben wir, dass Angebote dann gut angenommen werden, wenn sie alltagsnah und niedrigschwellig an konkrete Bedürfnisse anknüpfen. Das gilt für den Einstieg in die digitale Welt und von vornherein auch für den Umgang mit KI.
Wir qualifizieren im Projekt ,,DiKomBi'' Digital-Lotsinnen und -Lotsen, die ihr Wissen praxisnah weitergeben: Wie buche ich etwas online? Wie erkenne ich Betrug? Und jetzt eben auch: Wie kann KI mir den Alltag erleichtern? Außerdem haben wir im Projekt ,,Ich Digital'' 30-minütige Online-Kurzangebote zum Thema.
Skizzieren Sie einmal das Spektrum von Künstlicher Intelligenz (KI) für Anfänger, für Fortgeschrittene und für Profis?
Kuhlenkamp: Für Anfänger:innen geht es vor allem ums Verstehen und Ausprobieren: Was ist KI? Was kann sie und was nicht? Zum Beispiel einfache Texte schreiben lassen oder sich etwas erklären lassen.
Fortgeschrittene nutzen KI gezielter, etwa für Planung, Organisation oder Kommunikation. Zum Beispiel bei Veranstaltungsankündigungen, Protokollen oder der Ideenfindung.
Profis integrieren KI-Agenten systematisch und automatisiert in Prozessen, etwa in Verwaltung, Marketing oder Analyse. Hier können Datenmengen schnell ausgewertet werden und Arbeitsabläufe wiederkehrend von der KI durchgeführt werden.
Wir als Stiftung holen die Menschen dort ab, wo sie stehen und geben ihnen so viel KI an die Hand, wie sie selbstbestimmt und sicher nutzen können.
Was heißt das konkret: Wie können zum Beispiel MarktTreffs mit ihren drei Säulen die KI nutzen und was bringt das für Vorteile?
Kuhlenkamp: KI hilft im wirtschaftlichen Betrieb bei Angebotsbeschreibungen, Aushängen, Preislisten oder Social-Media-Texten. Auch Erklärtexte zu Dienstleistungen, die Unterstützung bei Formularen oder die Teamorganisation lassen sich vereinfachen. Und nicht zuletzt kann KI im sozialen Bereich Ideen für Veranstaltungen liefern, Einladungen formulieren oder Infos barriereärmer aufbereiten.
All das soll die Arbeit vereinfachen und die Zeit für diesen Bereich reduzieren, sodass wir mehr Kapazitäten für das Miteinander und den persönlichen Austausch haben.
Womit sollten MarktTreff-Betreiber:innen oder -Bürgermeister:innen einfach starten?
Kuhlenkamp: Der wichtigste Tipp ist: klein anfangen. Ein guter Startpunkt ist die Frage ,,Was kostet mich im Alltag gerade am meisten Zeit?''. Hier kann KI vermutlich helfen, die Zeit im Büro zu reduzieren: Texte schreiben, Infos aufbereiten, Dokumente zusammenfassen, sich wiederholende Fragen beantworten. Wir können in den Austausch mit Texten gehen. Damit schafft KI Zeit für die Kund:innen im MarktTreff oder den persönlichen Austausch in den Treffpunkten.
Gerade für kleine Läden oder kommunale Akteure ist das auch wirtschaftlich interessant, weil keine großen Investitionen nötig sind. Basisfunktionen sind sogar kostenlos. Oft reichen ein paar gute Einstiegsimpulse und konkrete Beispiele. Genau das bieten wir mit unseren kompakten Lernangeboten.
Sie sind ja seit Jahren im Ehrenamt Fußballtrainer. Auf welche Taktik würden Sie bei der KI setzen?
Kuhlenkamp: Erstmal einfach starten. Im Fußball wäre es das 4-4-2. Und im Fußball wie bei der KI gilt, Technik allein gewinnt keine Spiele. Man muss keine Angst haben, Fehler zu machen. Wir lernen durch das Ausprobieren.
Fangen Sie einfach an. Machen Sie mit bei der Eingeloggt!-Woche SH. Wir bieten im Rahmen der Aktionswoche vom 16. bis 22. März 2026 kostenfrei Online- und Vor-Ort-Kurzseminare an. Und dann werden wir im Frühsommer 2026 das MarktTreff-Projekt mit Online-Kurzseminaren und einem ersten Arbeitstreffen in Präsenz begleiten.
Herr Kuhlenkamp, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Veranstaltungshinweis
Jetzt beteiligt sich die Stiftung Digitale Chancen mit Beiträgen an der ersten landesweiten
Eingeloggt!-Woche in Schleswig-Holstein. Ziel ist es, Menschen in der digitalen Welt zu begleiten. Machen Sie mit bei nützlichen Online-Seminaren – die Teilnahme ist selbstverständlich kostenfrei:
- Mittwoch, 18.03.2026, 17:00 bis 18:00 Uhr:
Online-Seminar zu Digitalen Gesundheitsanwendungen
Weitere Infos: Veranstaltung im Online-Programm (sh.eingeloggt.net; externer Homepage-Link)
Anmeldung per E-Mail unter: dikombi@digitale-chancen.de (E-Mail-Link) - Freitag, 20.03.2026, 12:30 bis 13:00 Uhr:
Online-Seminar zu Social Media und Fake News
Weitere Infos: Veranstaltung im Online-Programm (sh.eingeloggt.net; externer Homepage-Link)
Anmeldung per Online-Formular unter: www.ich-und-digital.de/anmeldung-ich-digital-live
(externer Homepage-Link)
Das Ministerium für ländliche Räume, das auch MarktTreff verantwortet, fördert das Projekt Eingeloggt! SH.
Aktuell finden Sie die mehr als 110 Veranstaltungen der Aktionswoche online unter:
sh.eingeloggt.net/programm (externer Homepage-Link)
Informationen zu Gründung und Betrieb eines MarktTreffs
Bei Interesse an der Gründung eines neuen MarktTreffs nehmen Sie bitte Kontakt auf mit dem Projektmanagement unter:
gruendung@markttreff-sh.de
Detaillierte Informationen zum Projekt MarktTreff mit vielen Arbeitshilfen und aktuellen Tipps finden Sie unter:
www.markttreff-sh.de
Das Projekt MarktTreff wird gefördert durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER), mit Mitteln des Bundes und des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK).
Fotos: Björn Kuhlenkamp / Stiftung Digitale Chancen; MarktTreff SH / ews group