• MarktTreff hat ein Herz für alle Kundinnen und Kunden

25 Jahre MarktTreff Schleswig-Holstein:
25 Jahre innovative Nahversorgung 

Schleswig-holsteinisches Projekt prägt seit über zwei Jahrzehnten bundesweit Nahversorgung in ländlichen Gemeinden

K i e l MT 20.06.2024 – Kurz vor der Jahrtausendwende hat sich die damalige schleswig-holsteinische Landesregierung einer besonderen Herausforderung ländlicher Gemeinden angenommen: Wie wirken wir der zunehmenden Schließungen von Dorfläden, von Bankfilialen und Treffpunkten auf dem Land entgegen? Wie bündeln wir neue Kräfte – und wie entwickeln wir ein tragfähiges Nahversorgungs-Modell für die Zukunft? Unter diesen Fragestellungen wurde in einem gemeinsamen Prozess mit namhaften Verbänden und Institutionen der ländlichen Räume ein Projekt entwickelt, das bis heute bundesweit für Furore sorgt: MarktTreff Schleswig-Holstein.

Seit 25 Jahren: Vielfalt und Individualität als Stärke
Minister Werner Schwarz besucht den MarktTreff in Glasau
Minister Werner Schwarz besucht den MarktTreff in Glasau (Kreis Segeberg)

Mit ihrem multifunktionalen Ansatz und der Bündelung verschiedener Angebote „unter einem Dach“ sichern MarktTreffs in Gemeinden bis 2.500 Einwohner:innen das „gute Leben auf dem Land“. In den 25 Jahren seines Bestehens ist das Konzept immer wieder an neue Herausforderungen angepasst worden. „Die Grundlage stimmt und die stete Innovationskraft zeichnet MarktTreff besonders aus“, sagt Schleswig-Holsteins Minister für die ländlichen Räume Werner Schwarz zum Jubiläum. „Das Land gratuliert allen Akteuren vor Ort – und ist den Lieferanten und Partnern dankbar für die langjährige gute Zusammenarbeit.“ Mit Blick auf die Zukunft sieht Schwarz die über vierzig MarktTreff-Gemeinden im nördlichsten Bundesland stabil aufgestellt. „Wir sind als Schleswig-Holstein stolz darauf, dass mit Fördermitteln von EU, Bund und Land sowie den Eigenanteilen der Gemeinden Projekte mit einem Investitionsvolumen von insgesamt mehr als 42 Millionen Euro in unseren Dörfern initiiert werden konnten."

Erfolgreiches Modell ruht auf drei Säulen

Nahversorgung für alle Generationen: zum Beispiel in Brodersby-Goltoft
Nahversorgung für alle Generationen: zum Beispiel in Brodersby-Goltoft (Kreis Schleswig-Flensburg)

Seit mehr als zwanzig Jahren basiert das MarktTreff-Modell auf drei Säulen – gebündelt unter einem Dach: Säule Nr. 1 mit Grundversorgung wie Einkaufen und / oder Gastronomie, Säule Nr. 2 mit vielfältigen Dienstleistungen wie Post, Lotto, Annahmediensten, Bürgerbüro, Tourismus-Info, Physiotherapie-Praxis, E-Ladestation und Säule Nr. 3 mit einem Treffpunkt: Mal ist dies eine kleine Kaffeeecke, mal ein Veranstaltungssaal mit Bühne. Die Initiative für einen MarktTreff geht immer von der Gemeinde aus. Der Mix der Angebote orientiert sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort und ist somit standortspezifisch – es entsteht eine Immobilie als multifunktionales Dorfzentrum.
In der Regel passt dieser „klassische Bottom-up-Ansatz“ zu Kommunen, die wirtschaftlich in einem kritischen Umfeld agieren. Meist ist der letzte Laden oder Gasthof in der Existenz bedroht, findet keine Nachfolge oder hat bereits den Betrieb aufgegeben. In diesem Fall ist ein kluger Förderweg gefragt.
Dabei gilt: Gefördert wird die Errichtung oder die Modernisierung der Infrastruktur, aber nicht der laufende Betrieb. Die wirtschaftliche Verantwortung liegt allein in den Händen der jeweiligen MarktTreff-Betreiber:innen: Kaufleute, Gastronom:innen oder Genossenschaften.

Dienstleistungen – wie die Deutsche Post – gehören zu den Frequenzbringern
Dienstleistungen – wie die Deutsche Post – gehören zu den Frequenzbringern
MarktTreff: seit vielen Jahren beliebt als Treffpunkt
MarktTreff: seit vielen Jahren beliebt als Treffpunkt


25 Jahre MarktTreff – die Fakten

  • Laufzeit des Vorhabens: seit 1999 – gestartet als „Ländliche Dienstleistungszentren (LDZ)“; seit 2003 unter Marke und Logo MarktTreff; bisher 46 Standorte eröffnet
  • Förderung mit Mitteln der EU, des Bundes oder des Landes Schleswig-Holstein
    Fördervolumen bisher: mehr als 20,5 Millionen Euro Fördermittel
  • Rahmenbedingungen: konzentriert auf Gemeinden bis 2.500 Einwohner:innen und ohne ausreichende Grundversorgung; Förderung darf keinen Wettbewerber wirtschaftlich gefährden; Förderung der Infrastruktur – nicht des laufenden Betriebs; Zweckbindung für geförderte Kommunen: 12 Jahre
  • Projektablauf / Beteiligte: Basisinformation in interessierten Gemeinden; Vorprüfung zur Eignung; Machbarkeitsstudie inklusive Partizipation der Dorfbevölkerung, Wettbewerbsbetrachtung und Wirtschaftlichkeit; Förderantrag der Gemeinde beim Landesamt für Landwirtschaft und nachhaltige Landentwicklung (LLnL); Neubau / Umnutzung oder Modernisierung; Lieferanten- und Betreiber:innen-Suche; Eröffnung


MarktTreff-Familie: von Bürgermeister:innen über Kaufleute und Gastronom:innen zu Lieferanten und Genossenschaften

Tägliche Frische aus der Region: zum Beispiel in Kirchbarkau
Tägliche Frische aus der Region: zum Beispiel in Kirchbarkau (Kreis Plön)

Die langjährige Erfahrung zeigt: Bürgermeisterinnen und Bürgermeister spielen bei der Entwicklung und dem Betrieb von MarktTreffs eine wichtige Rolle. Sie kennen in „ihrer“ Gemeinde am besten die Stimmung, die Kund:innen-Nachfrage und die Akteure. Das Modell und insbesondere die Förderung von Infrastruktur sollte echt gewollt sein – denn die Gemeinde geht mit der zwölfjährigen Zweckbindung für die erhaltenen Fördergelder eine langfristige Verpflichtung ein.
Ist eine Betreiberin oder ein Betreiber – Kaufleute oder Gastronom:innen – erst einmal gefunden und hat den Laden / die Gastronomie eröffnet, braucht es regelmäßige Erinnerungen der Menschen im Dorf, diesen auch zu nutzen. Wird der Betrieb von einer Genossenschaft geführt, verteilt sich die Verantwortlichkeit auf mehreren Schultern, aber auch hier ist das Werben für das Nutzen durch Kund:innen erfahrungsgemäß eine Daueraufgabe – passend zum Motto „Mein Einkauf bleibt im Dorf.“

Präsente erhalten die Freundschaft: einfach bestellt im MarktTreff
Präsente erhalten die Freundschaft: einfach bestellt im MarktTreff

Gerade in kleinen Gemeinden sind Kaufleute und Gastronom:innen wichtig für ein aktives Gemeindeleben. Wo Einkaufen in der Nähe möglich ist, verbunden mit einem kleinen Schnack, fühlt sich der Mensch wohl und heimisch.
Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den im Land bedeutenden Lebensmittel-Großhändlern – Bartels-Langness (Bela), EDEKA, REWE – ist von unschätzbarem Wert. Dies gilt für die alltägliche Belieferung, die Sortimentsberatung bis zu wertvollen Anregungen auf Erfahrungsaustauschgruppen der MarktTreff-Betreiber und möglichen „Kriseninterventionen“. Denn der Markt ist einer hohen Dynamik ausgesetzt: Konkurrenz der Discounter, zunehmende Digitalisierung und neue Logistikwege prägen das Klima.

Innovativ. Digital. Inklusiv. Der Mensch im Mittelpunkt

MarktTreff setzt im sich ändernden Wettbewerb immer wieder Akzente. Gemeinsam mit den Betreiber:innen, den Lieferanten und Partnern hat das Land ein „lernendes Projekt“ geschaffen. Von den ersten Vorgaben zur Nutzung des Internets im Jahr 2000 über Möglichkeiten mobiler Nahversorgung oder Lieferboxen bis zu heutigen hybriden Ladenkonzepten mit Selbst-Scan-Kassen gilt es Antworten zu geben auf den zunehmenden Fachkräftemangel und Rentabilitätsdruck.
Zugleich wird im Rahmen der landesweiten Strategie „mehr Inklusion“ angestrebt. Die neuesten MarktTreffs achten noch stärker auf behindertengerechte Ausstattungen und wollen Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zur Mitwirkung bei der Planung und dem Betrieb eröffnen. Das Land honoriert diese Bestrebungen mit Extra-Punkten bei der Projektauswahl im Förderverfahren.
Denn bei aller Euphorie für digitale Entwicklungen: Der Mensch ist und bleibt im Mittelpunkt von MarktTreff.

Neustart, wenn‘s mal hakt

Bis heute hat sich das MarktTreff-Modell als überaus widerstandsfähig erwiesen. Vor Ort wurden Krisen gemeistert, Betriebsnachfolgen wurden geregelt, neue Ansätze für den wirtschaftlichen Betrieb gefunden. In der Corona-Zeit hat das Land die Kaufleute und Gastronom:innen mit schnellen Hilfen für einen möglichst sicheren Betrieb unterstützt – und zwar flexibel und unbürokratisch. 
Und wenn mal „die Chemie“ zwischen Gemeinde und Betreiber:in nicht stimmt, aktivieren die großen Lieferanten ihre Netzwerke und helfen mit, nach passenden Nachfolgen zu suchen. Als besonders erfolgversprechend hat sich dabei die Prüfung eines Filialmodells erwiesen: Ein etablierter Lebensmittelmarkt aus der Region bespielt einen weiteren kleinen MarktTreff und nutzt entsprechende Synergien.

Landesweite Partner sorgen für Verankerung und Impulse

Regelmäßige Fachgespräche und Treffen mit Landesverbänden und Organisationen mit starkem Bezug zu den ländlichen Räumen bilden einen wichtigen Erfolgsfaktor. Seit 2002 ist so ein stabiles Netz aufgebaut worden, das für Verankerung sorgt – vom Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag, dem LandFrauenVerband über den Bauernverband bis zur Industrie- und Handelskammer (IHK). So fließen stets aktuelle Informationen und Anforderungen in die Weiterentwicklung ein: seien es Aspekte der gesundheitlichen Versorgung, Fragen der Mobilität oder fachspezifische Themen wie Regionalität und Warenlogistik.
Häufig gehen von MarktTreff-Veranstaltungen Impulse aus, denn Strategien für ein aktives Ehrenamt sowie Lösungen für demographische Herausforderungen betreffen alle großen Verbände. 

Als enger Partner eingebunden ist der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag (SHGT). Vorstand Jörg Bülow liefert die Begründung, denn rund neunzig Prozent der Landesfläche Schleswig-Holsteins zählen zu den ländlichen Räumen: „Der Gemeindetag ist seit 1999 verlässlicher Partner des MarktTreff-Projektes. Im Interesse unserer 1.100 Gemeinden verfolgen und begleiten wir die Neuerungen der Nahversorgung. Das ist wichtig für die Attraktivität unserer Dörfer und für die Lebensqualität der Bürger:innen.“
Dabei stellt sich der SHGT auch Zukunftsfragen: Wie entwickelt sich die Nahversorgung bis 2030? Welche guten Beispiele gibt es in anderen Regionen und Ländern? Wie blickt die Wissenschaft auf das Thema? Welche Rolle spielt regionale Wertschöpfung für starke Regionen?

Für Schleswig-Holsteins Minister für die ländlichen Räume Werner Schwarz steht fest: „Die digitale Komponente wird weiter an Bedeutung gewinnen. Zeitgleich gilt es, den Zusammenhalt – das Miteinander – in den Gemeinden weiter zu stärken.“ Schwarz weist zudem auf die im Grundgesetz festgeschriebene „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse“ in Stadt und Land hin. Mit dem MarktTreff-Modell verfüge das Land über einen erfolgreichen und wichtigen Baustein dazu.



25 Jahre MarktTreff – 20 Jahre MarktTreff-Beirat

  • Start des landesweiten Partner-Netzwerks 2002; Gründung des jährlich tagenden Beirats 2004 – unter Vorsitz des / der jeweils amtierenden Ministers / Ministerin für ländliche Räume

  • Aufgabe: inhaltliche Begleitung und Verankerung des Modells in Politik und Gesellschaft sowie Verbänden und Initiativen; aktuell über zwanzig landesweite Partner-Institutionen

  • Siehe: Die MarktTreff-Partner auf www.markttreff-sh.de/partner


MarktTreff hat ein Herz für alle Kundinnen und Kunden
MarktTreff hat ein Herz für alle Kundinnen und Kunden

MarktTreff begeistert bundesweit Entscheidungsträger

Über all die Jahre haben die jeweils Verantwortlichen im Land das MarktTreff-Projekt begleitet und gestärkt. Von der damaligen Ministerpräsidentin Heide Simonis über die Innenminister Klaus Buß und Hans-Joachim Grote bis zu Sabine Sütterlin-Waack sowie dem ehemaligen Landwirtschaftsminister Robert Habeck. 
Selbst mitten im Weltnaturerbe Wattenmeer, auf der Hallig Hooge, gibt es einen MarktTreff.
Ministerpräsident Daniel Günther sagte zur Eröffnung vor fünf Jahren: „Der MarktTreff ist eine wichtige Einrichtung, um Menschen zusammenzuführen, einen Ort der Begegnung zu schaffen. Einen Ort, wo man Lebensmittel einkaufen kann, wo man Kultur genießen kann, wo man sich einfach auch treffen kann, wo man medizinische Versorgung sicherstellt.“
Minister für die ländlichen Räume Werner Schwarz, in dessen Verantwortung das Projekt aktuell liegt, sagte jüngst, es gelte das Projekt weiter so „innovativ, und gleichzeitig bodenständig umzusetzen“ – um so für die Menschen „im Alltag wirklich praktische Bezugsorte“ in den ländlichen Gemeinden zu schaffen.
Der heutige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck kennt das Projekt – in seiner aktiven Zeit im Landeskabinett Schleswig-Holstein war er verantwortlich für das MarktTreff-Modell – und sieht hier die Lösung für dörfliche Nahversorgung: Erst würde die Post schließen, dann die Sparkasse und am Ende das Café. Wenn eine der Institutionen, in der Regel der Supermarkt, die anderen einbinde in seine Struktur, werde ein MarktTreff geschaffen. Dazu diene der gezielte Einsatz von Fördermitteln.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich bei einem Schleswig-Holstein-Besuch derart begeistert: „Ist das MarktTreff-Modell nicht eine Idee, die sich gut in andere Bundesländer transferieren lässt?“

Aktiver Austausch – engagiertes Projektmanagement

Diesen Transfer beflügeln die regelmäßig durchgeführten Treffen auf europäischer, bundesweiter und regionaler Ebene mit Politik, Verwaltung und Wissenschaft. Sei es die Projektvorstellung bei EU-Gremien in Brüssel, die Präsentation auf der Grünen Woche in Berlin oder der Austausch mit Expert:innen aus zum Beispiel Österreich, Belgien, Dänemark oder Finnland.
Der enge Kontakt wird genauso nach innen gepflegt: regelmäßige Erfahrungsaustauschtreffen der angeschlossenen Kaufleute und Gastronom:innen, die kontinuierliche Information interessierter und bestehender MarktTreff-Gemeinden, der Dialog mit Expert:innen aus Wirtschaft und Landentwicklung spannen das gewachsene Kontakt- und Kooperations-Netz im ganzen Land. 
Diese Netzwerkarbeit wird von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landwirtschaftsministeriums (MLLEV), des Landesamts für Landwirtschaft und nachhaltige Landentwicklung (LLnL) und dem landesweiten Projektmanagement gepflegt. Viele Bundesländer schätzen das Zusammenwirken dieser großen „MarktTreff-Familie“ als beispielgebend ein und sehen darin ein Argument für das 25-jährige erfolgreiche Bestehen und Weiterentwickeln.

Informationen zu Gründung und Betrieb eines MarktTreffs

Bei Interesse an der Gründung eines neuen MarktTreffs nehmen Sie bitte Kontakt auf mit dem Projektmanagement unter: 
gruendung@markttreff-sh.de

Detaillierte Informationen zum Projekt MarktTreff mit vielen Arbeitshilfen und aktuellen Tipps finden Sie unter:
www.markttreff-sh.de

Das Projekt MarktTreff wird gefördert durch den europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER), die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) und das Land Schleswig-Holstein.

Fotos: MarktTreff SH / ews group

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