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    MarktTreff-Bauarbeiten auf Hallig Hooge

 Mit Schwung und einer Denkpause:
MarktTreffs vielerorts im Aufbruch

H a l l i g   H o o g e / S t e i n f e l d   MT 14.03.2019 – Zahlreiche Gemeinden in Schleswig-Holstein beschäftigen sich derzeit mit neuen, ganz individuell gestalteten MarktTreffs. So sind Hallig Hooge (Kreis Nordfriesland) und Rickling (Kreis Segeberg) derzeit dabei, ihre MarktTreff-Bauvorhaben zu realisieren. Die Gemeinde Wittenborn (Kreis Segeberg) geht im April mit ihrem Antrag in den landesweiten Wettbewerb um Fördergelder für ihr MarktTreff-Projekt, Brekendorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) startet gerade mit ihrer Machbarkeitsstudie. Und Glasau (Kreis Segeberg) und Groß Vollstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wollen solche Studien jetzt in Auftrag geben. In Steinfeld (Kreis Schleswig-Flensburg) dagegen wird nach zwei Jahrzehnten eine vorübergehende MarktTreff-Denkpause eingelegt.

Ein MarktTreff auf einer Hallig im Wattenmeer: das ist schon ein besonderer Standort, der mit speziellen Herausforderungen zu kämpfen hat. Ursprünglich sollte bereits im vergangenen Jahr dort der neue MarktTreff Hallig Hooge eröffnet werden. Aber Sturmschäden und logistische Probleme verzögerten den Zeitplan – wenn Baumaterial nicht angeliefert werden kann, kann nicht weiter gebaut werden. Bürgermeisterin Katja Just und Projektleiterin Annemarie Lübke sind jedoch zuversichtlich, dass im Mai das Gebäude auf der Hanswarft offiziell eröffnet werden kann. Zum MarktTreff-Gebäude gehören des Weiteren eine Krankenpflegestation, ein Kulturtreff mit Lese-, Informations-, Veranstaltungs- und Sitzungsraum und drei Dauerwohnungen mit integriertem Schutzraum für Bewohnerinnen und -bewohner von Hooge. EDEKA-Kaufmann Ove Lück, der sein Hauptgeschäft in Niebüll führt, wird dann mit dem Hallig-Laden in den MarktTreff umgezogen sein. Somit wird es einen MarktTreff-Betreiber mehr in der Familie Lück geben: sein Bruder Sven, mit Hauptgeschäft in Leck (Kreis Nordfriesland), führt bereits den MarktTreff in Stadum.

Eigentlich wollte auch Rickling schon früher mit der Umsetzung ihres MarktTreffs im ehemaligen Schulgebäude mitten im Ort begonnen haben. Doch die Baukonjunktur bremste die Gemeinde zunächst aus: Die Gesamtkosten aufgrund der Gewerkepreise stiegen unerwartet, es musste neu gerechnet und kalkuliert werden. Dann entpuppten sich Balken des Dachstuhls als marode. Aber die Ricklinger ließen sich nicht aus der Bahn werfen. So ist Bürgermeister Keno Jantzen jetzt sehr zufrieden, dass die Bauarbeiten in Nachbarschaft zu der heutigen Grundschule in vollem Gange sind. Ein Ort der kulturellen und sozialen Begegnung entsteht nun in Rickling, zum Jahresende hofft man auf die Eröffnung. Zwei große Räume im Erdgeschoss bilden das Zentrum mit Kiosk / Café oder Ähnlichem. Zur Straßenseite hin werden große Glasfenster und Schiebetür eingesetzt, davor sind Terrasse und Spielplatz geplant. Zudem will die Diakonie Altholstein dort Angebote in eigenen Räumen vorhalten. Im Obergeschoss wird bereits der teilbare Multifunktionsraum ausgestaltet: für Volkshochschule, kommunales Kino, als Sitzungssaal der Gemeindevertretung, großer Veranstaltungsraum, Ausstellungsfläche, Kulturtreff. Ebenfalls ins Gebäude integriert: eine Wohnung für Hausmeister, Quartiersmanager oder Netzwerker. Das Dachgeschoss bietet schließlich einen Tagungsraum, zudem kann aus der ehemaligen Dachwohnung Platz für das Archiv oder eine kleine Bücherei entstehen. 

Glasau – ganz im Südosten des Kreises Segeberg gelegen – geht nun an den Start, um eine MarktTreff-Machbarkeitsstudie auszuschreiben. Intensiv haben sich Gemeinde und engagierte Bürgerinnen und Bürger damit auseinandergesetzt, wie grundsätzlich eine Nahversorgung – kombiniert mit weiteren Angeboten – auch zukünftig für die Menschen in Glasau am besten gesichert werden können. In einer Bürgerbefragung sprach sich eine deutliche Mehrheit für einen MarktTreff aus. „Die Gemeindevertretung hat jetzt entschieden, dass wir dies nun im Detail mit einer Machbarkeitsstudie umsetzungsreif herausarbeiten wollen“, sagt Bernhard Horstmann, 2. stellvertretender Bürgermeister und derjenige, der sich federführend um das Projekt in Glasau kümmert. „Wir denken, dass wir zu Beginn des kommenden Jahres unsere Feinplanung präsentieren und in den Wettbewerb um Fördergelder gehen können.“

Mitten im Dorf, direkt neben dem Haus der Vereine und Verbände, soll auf einem 1.500 Quadratmeter großen Grundstück nach Möglichkeit der MarktTreff Brekendorf entstehen. Unmittelbar östlich der A7 im Kreis Rendsburg-Eckernförde gelegen, beginnt die Gemeinde nun nach reiflicher Überlegung mit der Machbarkeitsstudie für ihren MarktTreff – mit Unterstützung der Kommunalberaterin Eva Müller-Meernach, geleitet von Rainer Mertens als Vorsitzendem der Lenkungsgruppe und stellvertretendem Bürgermeister. In der Vorphase holten sich die Brekendorfer auch Know-how aus der „MarktTreff-Familie“ in ihren Ort: auf einer großen Dorfversammlung stellte Frank Jedicke, Bürgermeister der Gemeinde Kirchbarkau (Kreis Plön) und Vorstand der Bürgergenossenschaft Barkauer Land, seine Erfahrungen bei der Gestaltung, beim Betrieb und der Unterstützung eines MarktTreffs vor sowie das Modell der Bürgergenossenschaft, die maßgeblich mit zum Erfolg in Kirchbarkau beigetragen hat. So zeigte sich Brekendorfs Bürgermeister Gerhardt Guthardt zufrieden, dass auf der Versammlung rund die Hälfte der Teilnehmenden signalisiert hätten, sich an einer entsprechenden Genossenschaft beteiligen zu wollen.

Das Startsignal Richtung Machbarkeitsstudie für einen MarktTreff hat jetzt auch die Gemeinde Groß Vollstedt von der AktivRegion Mittelholstein erhalten. Sie wird die Studie fördern, die zum Ziel hat, Nahversorgung und weitere Angebote in der rund 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde zu bündeln und die Zukunftsfähigkeit des Dorfes zu stärken. Seit mehreren Jahren treibt der 2014 gegründete MarktTreff-Verein Groß Vollstedt die Idee voran und hat jetzt gemeinsam mit der Gemeinde das weitere Vorgehen auf den Weg gebracht.

Spannend ist es derzeit für die Gemeinde Wittenborn: Sie hat ihren Antrag für den landesweiten Wettbewerb um Fördergelder für einen MarktTreff abgegeben und hofft auf eine positive Entscheidung im April/Mai. Oliver Fürst, stellvertretender Bürgermeister und führender Kopf des Wittenborner MarktTreff-Teams, setzt auf die Überzeugungskraft der besonderen Lösung in seinem Dorf: der ehemalige Gasthof an einem Platz direkt an der Bundesstraße B206 soll zu neuem Leben erweckt, durch sechs Gästezimmer aufgewertet und durch zahlreiche Angebote der kulturellen und sozialen Art zum neuen Dorfmittelpunkt werden. Seit August 2017 wurde das Konzept entwickelt, das als Partner unter anderem die Volkshochschule Bad Segeberg, die KreisMusikschule Segeberg und die Wittenborner Pflegevisite einbindet. Letztere findet im direkten um- und neugebauten Nachbargebäude ihren Sitz: Dort entstehen in einem erweiterten ehemaligen Stallgebäude 13 Wohnungen für altersgerechtes Wohnen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner sei es natürlich äußerst attraktiv, dass gleich nebenan im MarktTreff Möglichkeiten für Geselligkeit, kulturellen und sozialen Austausch geboten würden.

Der erste MarktTreff, der 1999 in Schleswig-Holstein ins Leben gerufen wurde, verordnet sich derzeit eine Denkpause: Nachdem in Steinfeld der Laden als Dreh- und Angelpunkt trotz Betreiberwechsel nicht mehr ausreichend angenommen wurde, hat sich die Gemeinde entschlossen, das Ladengebäude zu veräußern. Laut Bürgermeister Hinz werde nun überlegt, ob und wie der MarktTreff-Gedanke im Dorf erhalten werden könne. Die Gemeinde sei offen für neue Ideen. 

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