MarktTreffs – erfolgreich gegen den Trend

BBE-Experte Grunewald: Wirtschaftlichkeit einfach im Griff behalten

"Wir müssen uns immer wieder klar machen: MarktTreffs stemmen sich gegen den generellen Trend zu Konzentration und Ladensterben", sagt Hermann-Josef Thoben aus dem Innenministerium Schleswig-Holstein. Was Thoben beschreibt, hat das Fachmagazin "Der Handel" jüngst zum Anlass einer bundesweiten Bestandsaufnahme genommen – mit einem positiven Fazit für das Projekt MarktTreff.


Wie intakt ist derzeit noch die Versorgung in den ländlichen Regionen? Wohin geht die Entwicklung in den nächsten Jahren? Was gibt es für erfolgreiche Zukunftsmodelle? Alles Themen, die deutschlandweit bearbeitet und diskutiert werden: bei großen Lebensmittel-Filialisten, Landesplanern – und natürlich auch in Gemeinden und bei Kunden vor Ort.

Ein Blick nach Baden-Württemberg bringt es auf den Punkt: "In Baden-Württemberg wird es laut Einzelhandelsverband in wenigen Jahren keine Gemeinde mehr unter 3500 Einwohnern geben, die über einen Lebensmittelmarkt verfügt – betroffen wären davon fast die Hälfte der Kommunen im Ländle", so eine Einschätzung des Einzelhandelsverbandes Baden-Württemberg. Ähnliches droht in Nordrhein-Westfalen: Wie "Der Handel" berichtet, stufen dort drei Viertel der Städte ihre Nahversorgung als gefährdet ein. Und ganz dramatisch stellt sich die Lage in einigen der Neuen Bundesländer dar. Dies hat man mittlerweile auch in Berlin erkannt und arbeitet beim Bund verstärkt an neuen Konzepten für die ländlichen Regionen.

Das Modell "MarktTreff" gilt hier mittlerweile als wegweisend. Dies bestätigen auch die Anfragen und Einladungen zu Kongressen und Fachveranstaltungen. So gibt es bereits Kontakte zu einigen Landesministerien, die eine Übertragbarkeit prüfen.

"Bei aller Bestätigung und Anerkennung, die in erster Linie den Betreiberinnen, Betreibern und Gemeinden gebührt – wir müssen noch intensiver an der wirtschaftlichen Entwicklung arbeiten, d. h. Rentabilitätsreserven nutzen, die Betriebskosten auf einem niedrigen Niveau halten und konsequent die Angebotskraft ausbauen", sagt Thomas Grunewald von der BBE, die im MarktTreff-Projektteam mitarbeitet. "Nur wer professionalisiert, Betriebsabläufe standardisiert und trotzdem seine regionale Identität behält, wird auch morgen noch gut dastehen. Das bestätigen uns auch die ganz Großen der Branche."

Wie das im Detail aussehen kann und wie die MarktTreffs künftig noch zielgerichteter unterstützt werden, schildert BBE-Experte Grunewald im Interview.

Frage:
Wie behält man die Wirtschaftlichkeit bei einem MarktTreff von Anfang an im Griff?

Grunewald:
Jeder MarktTreff ist zwar auf die individuellen Bedürfnisse der Gemeinde zugeschnitten. Das Kerngeschäft bildet das wirtschaftliche Fundament eines MarktTreffs. Hier kommen Einzelhandel (in der Regel Lebensmittel-Einzelhandel), Gastronomie oder eine Direktvermarktung in Frage. Die vier MarktTreff-Modelle S, M, L und XL bieten Hilfestellung, das Kerngeschäft – in Abhängigkeit vom Umsatzpotenzial – richtig zu dimensionieren. Gehen Sie an das Thema Wirtschaftlichkeit systematisch an. Deshalb empfehlen wir: 1. Umsatzpotenzial und grundsätzliche Standorteignung durch Standort-Grund-Check ermitteln lassen. 2. Betreibermodell und Trägerstruktur ausarbeiten. 3. Tragfähigkeit des Gesamtkonzeptes prüfen lassen. 4. Einrichtung von Steuerungsinstrumenten sowie intensives, umfassendes und kontinuierliches Kosten-, Rentabilitäts- und Liquiditätscontrolling.

 

Frage: Was ist das Ziel der umfassenden Tragfähigkeitsprüfung?

Grunewald:
Dadurch können wir feststellen, ob mit dem erarbeiteten Konzept tatsächlich eine ausreichende Rentabilität zu erzielen ist. Denn alle Beteiligten müssen die mit dem Konzept verbundenen Risiken und Folgekosten kennen, damit notwendige Korrekturen in das Realisierungskonzept eingebracht werden können. Die Tragfähigkeitsprüfung – ohne die ein MarktTreff nicht mehr realisiert werden kann – soll verhindern, dass MarktTreffs entstehen, die dem Wettbewerb nicht gewachsen sind.

Frage:
Worauf ist nach der Realisierung im laufenden Betrieb zu achten?

Grunewald:
Gemeinsam mit dem Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein wurde ein umfassendes Betreuungsprogramm entwickelt, das speziell auf die Bedürfnisse der MarktTreff-Betreiber abgestimmt ist: MarktTreff PLUS. Die anfallenden Betreuungskosten können vom Land gefördert werden. MarktTreff PLUS baut auf drei Hauptelemente:

1. ein jährlicher Erfolgs-Check
, bei dem die Umsatzentwicklung genauso berücksichtigt wird wie Frische und Präsentation des Warenangebotes. Aber auch angebotene Serviceleistungen, die Entwicklung und Umsetzung verkaufsfördernder Maßnahmen und die betriebswirtschaftliche Planung und Organisation fließen in den Erfolgs-Check mit ein. Damit ist der Erfolgs-Check Ansporn für die Betreiber, die unternehmerischen Aktivitäten planerisch und zielorientiert zu verbessern.

2. kontinuierliches Kosten- und Rentabilitätscontrolling, um Fehlentwicklungen frühzeitig aufzudecken und böse Überraschungen zu vermeiden. So behalten die Betreiberinnen und Betreiber die betriebswirtschaftliche Entwicklung des MarktTreffs hinsichtlich der Rentabilität und der Liquidität jederzeit fest im Griff.

3. der regelmäßige Erfahrungsaustausch mit anderen MarktTreffs und Experten: Dies führt dazu, dass Erfolgskonzepte anderer übernommen und eigene Fehler vermieden werden.

Frage: Wo gibt es Hilfestellungen und Tipps für das richtige Vorgehen gerade im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit?

Grunewald: Da kann ich den MarktTreff-Leitfaden nur wärmstens empfehlen. Er zeigt auf, wie am besten und systematisch vorgegangen wird. So lässt sich das Ziel "MarktTreff in ruhigerem Fahrwasser" erreichen und eventuelle Klippen können sicher umschifft werden. Den MarktTreff-Leitfaden finden Sie im Internet auf der Website www.markttreff-sh.de unter Arbeitshilfen als downloadbare pdf-Datei .

Darüber hinaus werden den MarktTreff-Betreiberinnen und -Betreibern computergestützte Planungs-, Steuerungs- und Auswertungshilfen zur Verfügung gestellt, die das Ziel einer dauerhaften Wirtschaftlichkeit in das Zentrum des unternehmerischen Handelns rücken. In der Handhabung dieser Hilfen werden die Betreiberinnen und -Betreiber in den ersten drei Jahren von den Experten der BBE unterstützt. So wird im Kerngeschäft ein Maß an Professionalität erreicht, das weit über den Standard in ländlichen Lebensmittelmärkten hinausgeht. Vielmehr wird ein Niveau erreicht, dass man bisher nur von den Großen der Branche kennt.

Das Thema "Professionalisierung im Kerngeschäft" wird Schwerpunkt der ERFA-Tagung am 11. März 2004 in Neuwittenbek sein.