MarktTreff und Kirche: starke Teams für die ländlichen Räume

Kiel MT 11.10.04 – Die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche ist seit 14. August 2004 offizieller Partner des landesweiten Projektes MarktTreff. Die Flensburger Pröpstin Jutta Gross-Ricker erläutert in einem Interview Motive, Ideen und Ziele der Zusammenarbeit.


Frage:
Was war die Motivation der Kirche, dieses Projekt zu unterstützen?


Gross-Ricker: Ich persönlich kenne MarktTreffs schon eine Weile und sehe darin einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der ländlichen Regionen. Die Kirche ist mit ihren vielfältigen Einrichtungen und Angeboten in nahezu jeder Gemeinde des Landes vertreten. Wir kümmern uns von kleinen Kindern bis zu älteren Menschen um die Belange der Bevölkerung. Gemeinsam mit den anderen Verbänden im Land streben wir eine stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit an. Letztlich geht es uns allen doch um das Gleiche: mehr Lebensqualität. Hier ist MarktTreff ein ganz wichtiges Zentrum.

Frage:
Sie sprachen kürzlich von einem „neuen Heimatgefühl“?

Gross-Ricker:
Gerade in der jetzigen Zeit großer Umbrüche stehen wirtschaftliche Fragen oft im Vordergrund. Übrigens auch bei der Kirche. Aber es geht doch um mehr. Lassen Sie uns gemeinsam die Lust wecken, dass sich noch mehr Menschen konkret in ihren Gemeinden engagieren. Über alle Generationen hinweg etwas zusammen tun, miteinander erleben, Neues ausprobieren, Mut machen: Dann entwickeln wir das, was ich mit „neuem Heimatgefühl“ meine.

Frage: Sehen Sie einen Aufbruch hin zu einer neuen Zusammenarbeit der Institutionen im ländlichen Raum?

Gross-Ricker:
Ganz so neu ist es ja nicht. Es gibt viele Beispiele für gemeinsame Aktionen. „Sport gegen Gewalt“ ist eines davon. Da arbeiten Sportvereine, Kommunen, Kirche und weitere erfolgreich zusammen.

Doch eines ist wohl bei allen neu: Lange Zeit haben wir mit Abgrenzung und Schubladensystemen gearbeitet. Das ist vorbei. Ich wünsche mir noch viel mehr gemeinsame Projekte. Kirche ist offen dafür und hat Ideen.

Frage:
Was stellen Sie sich da vor?

Gross-Ricker: Zunächst einmal: Wir sollten bei den Bedürfnissen und Gegebenheiten vor Ort beginnen. Darauf aufbauen, was schon da ist. Dieser Prozess dauert vielleicht etwas länger, aber er hat größere Erfolgschancen.

Mit positiven Beispielen werben und dadurch zeigen: Es geht, Engagement bewirkt etwas. Ich fand die Präsentation vom MarktTreff Munkbrarup auf der Beiratsgründung fabelhaft und mutmachend.

Wir sind bereits heute in einzelnen Regionen aktiv dabei, das gemeindliche Leben aufzufrischen. Natürlich stehen die Versorgung und der Einkauf meistens im Mittelpunkt. Aber Veranstaltungen, Cafés, regionale Produkte, Tauschbörsen, all das ergänzt das Angebot – und macht MarktTreffs letztlich in der Kombination so attraktiv.

Ein ganz besonderes Anliegen sind mir die Kinder. Kulturelle Bildung, soziales Miteinander, Freude am sinnlichen Gestalten, das sind doch lebenswichtige Grundlagen und ein präventiver Beitrag gegen jede Form von Gewalt. Hier sollten wir die Wirtschaft ansprechen und als Partner gewinnen.

Und wer weiß: vielleicht wird ja bald aus dem ersten Gemeindehaus ein MarktTreff.