SHGT: MarktTreffs machen Gemeinden lebens- und liebenswert

K i e l  MT 10.05.2005 – Der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag (SHGT) unterstützt und begleitet das landesweite Projekt MarktTreff von dessen Beginn im Jahr 1999 an. Jörg Bülow, seit Mitte 2004 Geschäftsführer des SHGT, erläutert im Interview, warum MarktTreffs notwendig und wertvoll sind, wie sie Lebensqualität in ländlichen Gemeinden steigern und wo sich der SHGT Verbesserungen wünscht.

 

Jörg Bülow, Geschäftsführer des
Schleswig-Holsteinischen Gemeindetags
und Mitglied des MarktTreff-Beirats 

Der SHGT ist der kommunale Landesverband kreisangehöriger Gemeinden, Ämter und Zweckverbände und versteht sich als deren Repräsentant und Anwalt. Im Gemeindetag sind allein 1.069 Gemeinden organisiert.

Frage:
Wie beurteilt der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag das Modell MarktTreff?

Bülow:
Viele Gemeinden haben in den vergangenen Jahren die Entwicklungen im Einzelhandel und der Gastronomie zu spüren bekommen: Konzentration, Ladensterben, Schließungen. Die Bündelung von Angeboten und Dienstleistungen unter einem Dach – dem des MarktTreffs – ist hier die richtige Antwort.

Frage:
Worin sehen Sie die wesentlichen Vorteile?

Bülow:
Das MarktTreff-Konzept ist innovativ und flexibel: Gemeinde, Bürger und Betreiber wirken zusammen und entwickeln das in ihrem Ort passende Modell. Das fördert das gemeinsame Engagement in der Kommune. Dazu kommt die attraktive Marke mit einer Reihe von Arbeitshilfen. Und die Betreuung durch die Ämter für ländliche Räume während der Planungs- und Entstehungsphase hat sich als überaus hilfreich bewährt. In Schleswig-Holstein leben immerhin rund 1,3 Millionen Menschen in ländlichen Gemeinden, das ist knapp die Hälfte der Gesamtbevölkerung. Diese Bürgerinnen und Bürger haben ein Anrecht auf qualitätvolle Versorgung.

Frage: Was ist dabei noch zu verbessern?

Bülow: Für viele Gemeinden und Bürgermeister ist die sogenannte Bindefrist von zehn Jahren ein großes Problem. Solange müssen sie sich verpflichten, den Betrieb des MarktTreffs sicherzustellen; gelingt dies nicht, laufen sie Gefahr, Fördermittel zurückzahlen zu müssen. Dieser Zeitraum ist zu lang und für Gemeinden nicht überschaubar. Hier sollte das Land so flexibel wie möglich vorgehen und diesen Rahmen noch einmal überdenken.
Weiter ist für mich nicht hinnehmbar, dass sich große Dienstleister aus der Fläche zurückziehen – und damit ein gutes Konzept wie MarktTreff geradezu torpedieren. Ich möchte hier ganz besonders das aktuelle Beispiel der Post ansprechen, weil es viele Menschen bewegt. Wir als Gemeindetag haben zwar eine Reihe von Postfilialschließungen verhindert, aber natürlich nicht alle. Der SHGT hält die Post-Entscheidung für überaus kurzsichtig. Ich bin sicher, regionale Verantwortung und regionales Engagement werden sich langfristig auszahlen.

Frage:
Welche Rolle wird bürgerschaftliches Engagement künftig in Gemeinden spielen?

Bülow:
Die Eigeninitiative und das Ehrenamt spielen heute schon eine große Rolle in den Gemeinden. Und das wird eher zunehmen. Auf dem Land sind Verankerung und Verbundenheit mit dem Lebensumfeld stärker spürbar als in den Städten. Ich erlebe bei den Bürgern eine große Bereitschaft zur Mitwirkung. Unbürokratische Lösungen, schlanke Verwaltung und schnelle Entscheidungen werden vielfach auf den Dörfern heute schon vorgelebt.
Hinzu kommt: Gemeinden suchen kreative Lösungen auch in Kooperation. Unter dem Stichwort interkommunale Zusammenarbeit haben sich in den vergangenen Jahren viele Kooperationen im Land entwickelt. Warum sollen nicht mehrere Gemeinden gemeinsam einen MarktTreff aufbauen? Ich sehe noch viel Potenzial für kreative Zusammenarbeit und neue Wege. Wir unterstützen das sehr.
Aber: Ganz wichtig ist, dass die Politik die Gemeinden finanziell nicht ausbluten lässt. Sonst kann sich nichts bewegen. Schließlich kommen kommunale Investitionen wieder der ansässigen Wirtschaft zugute.

Frage:
Wie sehen Sie die Zukunft von MarktTreff?

Bülow:
Freundlichkeit, mehr Service, die Treffpunkt-Idee – das sind für mich wesentliche Stärken. Wenn diese Mischung stimmt, sind vielleicht ein paar Cent mehr beim Einkauf im MarktTreff kein Hindernis für einen dauerhaften Erfolg.