Erfahrungsaustausch der MarktTreff-Betreiber
mit neuen Impulsen +++
Wiedereröffnung in Kirchbarkau mit Bürgergenossenschaft

W i t z w o r t / K i r c h b a r k a u   MT 06.10.2016 – Für das Tagungshaus war es eine Premiere: Im ehemaligen „Gasthof Tönnsen“ im nordfriesischen Witzwort fand das diesjährige Herbsttreffen der MarktTreff-Betreiber statt. Nach vielen Jahren des Leerstands hatte die Gemeinde kürzlich im Zuge der Wohnungssuche für Flüchtlinge das Gasthaus gekauft und in Eigenregie drei Wohnungen und die Gastsäle saniert.

 

So roch es noch leicht nach frischer Farbe, als ein launiger Bürgermeister Willi Berendt die Teilnehmer aus vielen bestehenden und geplanten MarktTreffs zum Erfahrungsaustausch begrüßte: „Wir hatten mal sechs Gaststätten in Witzwort. Jetzt haben wir noch eine, die nur bei Bedarf öffnet. Die ländlichen Gemeinden müssen ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. Wir sind jedenfalls froh, dass wir dieses Haus und unseren MarktTreff haben – und mit dem Kaufmann sind alle sehr zufrieden.“

 

Dabei hat der Betreiber des EDEKA-Marktes in Witzwort - Marco Pioch führt den Laden gemeinsam mit seinem Bruder Michael – noch viel vor im MarktTreff-Projekt: „Energiekosten werden uns künftig noch stärker als Kostenfaktor bedrängen. Da müssen wir aktiv werden. Am liebsten würde ich eine Einkaufsgemeinschaft für MarktTreffler gründen.“ Holger Petersen vom MarktTreff in Sehestedt nahm diesen Gedanken engagiert auf und sprach sich für eine praktische Umsetzung aus – so wurde ein Konzept für gemeinsame Einkäufe bis zur nächsten Tagung im Frühjahr 2017 verabredet.

 

Den längsten Anfahrtsweg der rund 30 Teilnehmer hatte Gastreferent Mathias Rump, Verkaufsleiter bei der REWE Markt GmbH. Erstmals stellte sich ein Vertreter der REWE bei einer MarktTreff-Erfa vor. Schwerpunkt von Rumps Ausführungen war das „nahkauf“-Modell, aktuelle Themen wie die Tengelmann-Verhandlung und das Gemeinschaftsunternehmen von coop und REWE klammerte er bewusst aus.

 

 
Die Betreiber bestehender und zukünftiger MarktTreffs aus ganz Schleswig-Holstein trafen sich in Witzwort im ehemaligen „Gasthof Tönnsen“ zum intensiven Erfahrungsaustausch.

 

     
Witzworts Bürgermeister Willi Berendt berichtete aus der langjährigen Geschichte des MarktTreffs in seiner Gemeinde.
  Mathias Rump von der REWE Markt GmbH stellte insbesondere das „nahkauf“-Konzept seines Unternehmens vor.

     
Tauschten sich zum ersten Mal aus: MarktTreff-Betreiberin Berit Thomsen aus Delve und Oliver Ohm von der BBE Handelsberatung.

  Gaben wichtige Impulse in die Runde: die MarktTreff-Betreiber Marco Pioch, Volker Stiefel und Berit Thomsen (v. l. n. r.).


   
Eifrig diskutiert wurde in Witzwort von den Teilnehmenden des Erfahrungsaustauschs der MarktTreff-Betreiber.

  Ernst Schuster und Andrea Prahl (rechts) von den Nordbauern Schleswig-Holstein stellten ihr Belieferungskonzept vor.

     
Fachsimpelten im MarktTreff Witzwort: Mathias Rump (REWE Markt GmbH; links) und Manfred und Britta Langer aus Heidgraben.

  Edekaner unter sich: Marco Pioch (Garding und Witzwort) und Sven Lück (Leck und Stadum; rechts).

     
Die Teilnehmenden nahmen den Laden des MarktTreffs Witzwort fachmännisch unter die Lupe.

  Experten unter sich: Oliver Ohm (BBE Handelsberatung; links) und Kaufmann Volker Stiefel (Hohn und Tetenhusen).

     
Über viele Aspekte der Nahversorgung wurde auch im Witzworter Laden beim Rundgang diskutiert.

  Gyde Thönnessen (BBE Handelsberatung) tauschte sich mit Mathias Rump (REWE Markt GmbH) über Fachfragen aus.

     
Vor dem ehemaligen Gasthof wehte die MarktTreff-Fahne.

  Wie bestellt: Passend zum Ladenrundgang wurde Ware angeliefert.

Ziel der nahkauf-Aktivitäten sei eine verstärkte Präsenz im Norden, gerade in Schleswig-Holstein, erläuterte Rump. Im Segment Nahversorgung wolle die REWE künftig ganz oben mitmischen. Dazu stellte Rump einen umfassenden Katalog an Leistungen vor. Vom marktgerechten Sortiment über attraktive Mehrwertdienste bis zur Warenwirtschaft, von der fachlichen Beratung, Rückvergütungs- und Leistungsaustausch-Modellen bis zur Mitgliedschaft in der eingetragenen Genossenschaft - denn die REWE hat genossenschaftliche Wurzeln seit der Gründung im Jahr 1917.

 

Für die Kunden werde eine Vielzahl unterschiedlicher Eigenmarken angeboten – ein Schwerpunkt sei die „Regionalität“. Anstelle fester Größen in puncto Ladenfläche und Mindestumsatz verwies Rump auf die individuelle Prüfung: „Aber, wie bei Mitbewerbern auch, gilt: Es muss sich langfristig rechnen. Wir sind nur an vernünftigen Geschäftsbeziehungen interessiert.“ Für den betreuenden Außendienst werde derzeit ein weiterer Mitarbeiter für den Norden gesucht.

 

Als weitere Gäste wurden Ernst Schuster und Andrea Prahl, beides Vorstände des Nordbauern Schleswig-Holstein e. V., begrüßt. Die Nordbauern stellten ihre neue Logistikplattform für regionale Produkte mit Namen „Marktplatz“ vor. Eine Vernetzung mit MarktTreffs werde angestrebt – nun suche man geeignete Standorte für Startprojekte: „Die ersten festen Lieferantenbeziehungen werden dem ganzen Logistik-System neue Impulse geben.“ Die Nordbauern seien offen für jeden Kontakt.

 

Die Präsentation der betriebswirtschaftlichen Jahresergebnisse von der alljährlich im Sommer stattfindenden Bereisung der 36 MarktTreff-Standorte stellte erstmals einen Vergleich ausgewählter Kennzahlen vor. Volker Stiefel, Betreiber aus Tetenhusen, begrüßte diese Möglichkeit der besseren Einordnung der erzielten Leistungen: „So weiß man besser, wo der eigene Laden im Vergleich mit ähnlichen Objekten steht.“ Details könnten dann gut im persönlichen Austausch mit den Kollegen vertieft werden.

 

Im Rahmen einer Diskussion über Werbemittel und Aktionen wies Marco Pioch auf eine von seinem Unternehmen durchgeführte Baumpflanz-Aktion hin: „Wir pflanzen auf einer gemeinschaftlichen Fläche Apfelbäume und bauen Möhren an. So können die Kinder besser den Umgang mit heimischen Lebensmitteln lernen und sie werden selbst aktiv.“ Ein Gedanke, der beim obligaten Ladenrundgang weiter für Gesprächsstoff sorgte.

 

 

MarktTreff in Kirchbarkau neu aufgestellt

 

Hochbetrieb im Laden herrschte nach längerer Umbauphase jetzt im MarktTreff in Kirchbarkau. Noch am Vortag waren viele hilfreiche Hände dabei, Marktleiterin Dagmar Thiele-Gliesche intensiv zu helfen, damit alles für den Wiedereröffnungstag bereit war. Das Besondere in Kirchbarkau: Der MarktTreff mit Laden und Cafébereich wird von einer Bürgergenossenschaft betrieben. „Das ist eine Premiere im nördlichsten Bundesland“, betonte in seiner Eröffnungsrede Jürgen Blucha, Referatsleiter ländliche Entwicklung im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Kiel. Zwar gebe es bei den bisher 36 MarktTreffs in Schleswig-Holstein bereits zwei Bürgergenossenschaften, die sich darauf konzentriert hätten, bei den Investitionen für die Innenausstattung – wie zum Beispiel Regale – zu helfen.

 

Das MarktTreff-Gebäude in Kirchbarkau gehört der Gemeinde im Kreis Plön und liegt mitten im über 800 Einwohner zählenden Ort. 160 Mitglieder hat die neugegründete Genossenschaft schon. Davon kämen 25 Prozent nicht aus dem Dorf am Bothkamper See, sondern aus den umliegenden Gemeinden, sagte Frank Jedicke, einer der beiden Vorstände der Bürgergenossenschaft. Deshalb werde der Laden nun auch nicht mehr MarktTreff Kirchbarkau, sondern MarktTreff Barkauer Land heißen. Das entsprechende neue Schild müsse allerdings noch montiert werden. Ansonsten ist der Umbau abgeschlossen – inklusive Neugestaltung des Ladens, moderner Kühlungstechnik und Solarpanelen auf dem Dach. Gefördert wurden das neue Konzept und die Realisierung durch das Land mit rund 300.000 Euro. Frank Jedicke appellierte an die Eröffnungsgäste: „Wir stimmen jetzt mit den Füßen ab!“ Die Nachhaltigkeit müsse durch das Verhalten der Menschen aus Kirchbarkau und Umgebung gesichert werden.