Monika Dürrer vom Handelsverband Nord:
„Vieles verkauft sich mit einem Lächeln besser
als mit einem Bildschirm“

K i e l   MT 20.09.2016 – Der Handelsverband Nord (HV Nord) ist seit Anfang 2013 Partner des Nahversorgungsprojektes MarktTreff. Die Partnerschaft wurde beim HV Nord in Kiel von Geschäftsführerin Monika Dürrer betreut. Nun verlässt sie den hohen Norden und wechselt zum 1. Januar 2017 nach Hannover an die Spitze des dortigen Landes- und Regionalverbandes der bundesweiten Einzelhandelsorganisation. Zeit, ein kurzes Zwischenresümee zu ziehen und in die Zukunft zu schauen. Im Interview erläutert die 48-jährige Volkswirtin, Wirtschaftsgeographin und PR-Expertin ihre Sicht von MarktTreff, erläutert die Herausforderungen der ländlichen Regionen und gibt einen Ausblick zu den Entwicklungen im Online-Handel.

 

Frage: Anfang 2013 haben Sie im Rahmen der Grünen Woche in Berlin die Partnerschaft von Handelsverband und MarktTreff unterzeichnet. Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

 

Dürrer: Die schleswig-holsteinischen MarktTreffs sind ein mittlerweile bundesweit beachtetes Konzept für den ländlichen Raum. Der demografische Wandel und der Online-Handel sind zwei große Herausforderungen für den Handel – vor allem im ländlichen Raum. Die MarktTreffs sind ein Ansatz, um hier gezielt gegenzusteuern. Allerdings dürfen dabei die (markt-)wirtschaftlichen Aspekte einerseits und die landesplanerischen Ziele anderseits nicht auseinanderdriften. Meines Erachtens ist man hier auf gutem Weg, dies in Einklang zu bringen. Das erfordert ständiges Nachjustieren.

 

Frage: Viele Gemeinden in ländlichen Räumen sind mit Fragen der Nahversorgung konfrontiert. Tante Emma oder Große Fläche – wohin geht aus Ihrer Sicht die Entwicklung?

 

Dürrer: Der Handel experimentiert mit allen Formaten, Größen und innovativen Techniken an allen Standorten. Da tut sich eine ganze Menge. Eine große Vorgabe gibt es dabei allerdings: es muss sich rechnen! Das gilt auch für die Nahversorgung im ländlichen Raum. Aber auch hier sind innovative Ansätze denkbar – zum Beispiel im Hinblick auf Ladenöffnung, Kooperationen mit Gastronomie und Handwerk, als Lieferservice oder Abholstation für den Online-Handel.

 

Frage: Der Online-Handel verzeichnet in bestimmten Segmenten weiter hohe Zuwächse. Worauf müssen sich die MarktTreffs in Zukunft einstellen?

 

Dürrer: Zunächst einmal: Es gibt keine Standardlösung. Jeder Händler muss eine eigene Strategie für seinen Bereich entwickeln. Vermutlich wird man sich als kleiner Laden keine aufwändige digitale Lösung leisten können. Aber nicht im Internet stattzufinden, kann man sich auch nicht mehr leisten. Wo bin ich, was biete ich und wann bin ich für meine Kunden da - das wollen die Kunden wissen, bevor sie sich zu Ihnen auf den Weg machen.

Man muss sich klar positionieren und immer wieder ausprobieren. Mittelmaß ist tödlich. Der stationäre Handel hat ganz viele Pluspunkte, die die Kunden nach wie vor schätzen. Ein wichtiger Pluspunkt ist zum Beispiel gutes und freundliches Personal – vieles verkauft sich mit einem Lächeln besser als mit einem Bildschirm.

 

Frage: Welche Themen lagen Ihnen noch am Herzen?

 

Dürrer: Generationenfreundliches Einkaufen ist mir ein ganz wichtiges Anliegen. Mit unserem Qualitätszeichen zeichnen wir Geschäfte aus – wie zum Beispiel die MarktTreffs in Tetenhusen, Wester-Ohrstedt und Rantrum –, die den Einkauf für Kunden jeden Alters, mit und ohne Handikap so bequem und angenehm wie möglich machen. Dabei bewerten wir unter anderem breite Gänge, helle, angenehme Beleuchtung, rutschfeste Böden, gut lesbare Schriften, Übersichtlichkeit, eine gute Orientierung im Geschäft sowie Ablageflächen an Bedientheken und im Kassenbereich. Die Kunden sollen sich doch wohlfühlen, der Einkauf zum Erlebnis werden. Nur so hat der stationäre Einzelhandel eine Chance gegen die Bequemlichkeit von Onlineangeboten.

 

Frage: Am Dienstag, 27. September 2016 sind Sie in Lübeck noch einmal beim „Tag des Norddeutschen Handels“ dabei. Was sind die zentralen Themen?

 

Dürrer: Die Veranstaltung steht unter dem Titel „Jobs im Handel: Kosten- oder Erfolgsfaktor?“ Für jeden Händler ist das Personal mit seiner Kundenorientierung, Kompetenz und Freundlichkeit ein ganz wesentlicher Erfolgsbaustein. Wir wollen in mehreren Workshops Beispiele geben, wie man die richtigen Mitarbeiter findet und bindet, was gute Mitarbeiterführung ausmacht – und wir werden auf rechtliche Aspekte eingehen. Dazu werfen wir einen Blick auf den „Glücksatlas Deutschland“, in dem Schleswig-Holstein bekanntlich auf Grund seiner reizvollen Lage sowie einer hohen Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger seit einigen Jahren an der Spitze steht. Mit Holger Stanislawski haben wir zudem einen besonderen Referenten: Viele kennen ihn als Fußballtrainer und launigen TV-Experten. Wenige wissen, dass er im Alltag in Hamburg einen Supermarkt führt. Das wird sicher ein mitreißendes Bekenntnis für den Faktor Leidenschaft. 

 

Frage: Nun werden Sie persönlich in absehbarer Zeit das „Glücksland“ Schleswig-Holstein verlassen und nach Hannover wechseln. Fällt Ihnen diese Standortveränderung leicht?

 

Dürrer: Handel und Wandel gehören zusammen und Veränderungen zu meiner beruflichen Biografie. Ich habe in Aachen, in Freiburg und insgesamt zwölf Jahre in Berlin beim Handelsverband Deutschland (HDE) gearbeitet. Nun sind vier schöne Jahre im „echten“ Norden dazu gekommen, die mir persönlich viel gebracht und die mir gut gefallen haben. Ich habe den Norden, seine Landschaft und seine Leute kennen- und auch ein wenig lieben gelernt. Und so ganz weit weg liegt Hannover ja nicht – dann komm‘ ich endlich mal hoch, um nur Urlaub zu machen! 

 

Frau Dürrer, das MarktTreff-Team dankt Ihnen für die stets hervorragende Zusammenarbeit und Unterstützung. Wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute und hoffen doch, Sie im Norden häufig wiederzusehen.