Aktuelles MarktTreff-Geschehen:
Abrissbirne, Neustart und Erfahrungsaustausch

K i e l  MT 03.03.2016 – Das Projekt MarktTreff zeichnet sich durch ständige Veränderung und Weiterentwicklung aus – sowohl bei Elementen der Grundidee als auch in den einzelnen Gemeinden, die gerade MarktTreffs konzipieren oder die bereits ein multifunktionales Nahversorgungszentrum besitzen. So sind aktuelle Stichworte Abrissbirne, Betreiberwechsel, Erfahrungsaustausch und geglückter Start.

 

In Sehestedt am Nord-Ostsee-Kanal wird es ernst – und die Freude darüber ist groß: Der weit über die rund 850 Einwohner zählende Gemeinde hinaus bekannte Kanal-Imbiss ist den Abrissmaschinen zum Opfer gefallen. Damit hat er Platz gemacht für den neuen MarktTreff, der gastronomisches Angebot, kleine Einkaufsmöglichkeit und Treffbereich vereinen wird – in traumhafter Lage im Kreis Rendsburg-Eckernförde, direkt an der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt für Seeschiffe.

 

Nahtlos ist in Negernbötel ein erneuter Betreiberwechsel über die Bühne gegangen. Benjamin Trautmann ist Nachfolger von Gisela Bornhöft, die ein Jahr lang den MarktTreff in der 1.066 Einwohner großen Gemeinde im Kreis Segeberg führte. Trautmann will renovieren und behutsam mit veränderten Öffnungszeiten starten. Der 37-Jährige, der hauptberuflich als Elektroinstallateur tätig ist, gilt als gut vernetzt, arbeitet mit einem Catering-Service zusammen und hofft, wieder mehr Familienfeiern in den MarktTreff „Hambötler Huus" ziehen zu können. Trautmanns Mutter Doris leitet seit vielen Jahren den Trägerverein „Hambötler Huus", der sich dafür engagiert, den MarktTreff vielseitig zu nutzen.

 

Quelle: Ernährungsreport 2016 /BMEL

 

Der Dorfladen in Delve (Kreis Dithmarschen) – als erster Schritt zu einem umfangreichen MarktTreff-Projekt – hat einen guten Start hingelegt. Die Einkaufsmöglichkeit in dem ehemaligen Schulgebäude wird gut angenommen und hat sich bereits zum neuen Dorftreffpunkt entwickelt. Ladenbetreiberin Berit Thomsen setzt insbesondere auf regionale Produkte – ein Produktbereich, der voll im Trend liegt: Laut jüngst veröffentlichtem „Ernährungsreport 2016" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft finden es 76 Prozent der Bundesbürger wichtig, dass Produkte aus ihrer Region kommen (für den Report hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.000 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt; www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Ernaehrungsreport2016.pdf).

 

Verstärkt zu einem Treffpunkt entwickelt sich der Einkaufsladen von Iris Köpke in Probsteierhagen (Kreis Plön), die im vergangenen Jahr das Geschäft in der knapp über 2.000 Einwohner großen Gemeinde übernommen hat. Probsteierhagen ist auch der MarktTreff-Standort, an dem die MarktTreff-Betreiber aus dem gesamten nördlichsten Bundesland am 6. April 2016 zum Erfahrungsaustausch zusammenkommen, um über aktuelle Entwicklungen zu diskutieren.

 

Der bisherige Standort des MarktTreffs in Christiansholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist verkauft worden. Die bereits in der 245 Einwohner großen Gemeinde aktive Jugendeinrichtung „Aparte Gruppe" hat „De Holmer Kroog" erworben, um ihre Aktivitäten in einem weiteren Haus auszuweiten und es für Kinder und Jugendliche mit schulischen und sozialen Problemen zu nutzen. Das über 100 Jahre alte Gebäude war 1910 als Gaststätte in Nähe des gerade gebauten Bahnhofs eröffnet worden (Christiansholm hatte damals eine Station an der neuen Bahnlinie von Rendsburg nach Husum erhalten). Die Idee des MarktTreffs, so die Meinung der Gemeindevertretung, soll aber in Christiansholm an anderer Stelle weiter gelebt werden. Das kulturelle und gesellschaftliche Leben im Dorf werde nach dem Verkauf nicht leiden müssen. Gemeinsam würden Wege gefunden werden. Aber nur, wenn alle zusammen in eine Richtung zögen, werde dies gelingen. Einen Stabwechsel hat es jüngst beim Vorsitz des Holmer MarktTreff e. V. gegeben. Mareike Jüngling, 32-jährige Mutter, Melkerin und Ex-Soldatin, hat nun das Amt übernommen und initiiert und koordiniert gemeinsam mit Vorstandskolleginnen zahlreiche Aktivitäten im Dorf.


In Münsterdorf (Kreis Steinburg) wird aktiv daran gearbeitet, Nahversorgung im Dorf zu erhalten und entsprechend einen MarktTreff zu realisieren. Deshalb hat die 1.960-Einwohner-Gemeinde vorsorglich das Gebäude erworben, in dem der örtliche Lebensmittelladen seit Jahren betrieben wird. Die Gemeindevertretung fasste den Beschluss über Fraktionsgrenzen hinweg einstimmig. An dem Feinkonzept – Umbau des Marktes oder Abriss und Neubau, eventuell in Kombination mit dem Errichten von seniorengerechten Wohnungen – wird nun getüftelt. Für Münsterdorfs Bürgermeister Jörg Unganz steht eines aber bereits heute fest: Das Konzept könne nur Erfolg haben, wenn die Einwohner sich bewusst entscheiden würden, im Münsterdorfer MarktTreff dann einzukaufen.

 

Intensiv und über lange Zeit hat sich Mohrkirch (Kreis Schleswig-Flensburg) mit dem Thema MarktTreff auseinandergesetzt – und sich nach reiflichen Überlegungen schließlich dagegen entschieden. Die Gemeinde hatte zunächst vorgehabt, die „Dörpstuv" mitten im Dorf aufzukaufen, die Gastronomie zu erhalten und um ein Ladenlokal mit Dienstleistungscenter und Treffbereich zu erweitern. Zwei Jahre entwickelten und prüften die Beteiligten Ideen, ließen eine Machbarkeitsstudie fertigen und brachten einen Förderantrag bis zur Abgabereife. Doch die Lenkungsgruppe habe schließlich wenig Erfolgsaussichten für den Treffbereich gesehen, da alle aktiven Vereine in Mohrkirch derzeit über ausreichende Möglichkeiten verfügten, ihren Aktivitäten nachzugehen, so Bürgermeister Karl Jürgen Petersen. Zudem wolle die Gemeinde aus Haushaltsgründen keine weitere Immobilie ankaufen.

 

Eine ganze Reihe von Gemeinden beschäftigen sich derzeit mit der MarktTreff-Idee – um selbst einen MarktTreff zu entwickeln oder Elemente aufzugreifen, die in eigenen Lösungen realisiert werden können. So setzen sich Stapelfeld (Kreis Stormarn), Wittenborn, Todesfelde (beide Kreis Segeberg), Hedwigenkoog (Kreis Dithmarschen) und Sterup (Kreis Schleswig-Flensburg) inhaltlich mit dem Grundkonzept auseinander, um zukunftsweisende Beschlüsse für ihre jeweiligen Dörfer fassen zu können. „Es wird sich vielleicht nicht jede dieser Gemeinden auf den Weg zu einem eigenen MarktTreff machen", sagt Ingwer Seelhoff vom MarktTreff-Projektmanagement, „aber es hilft die Beschäftigung mit dem Konzept in jedem Fall dabei, richtungsweisende Entscheidungen fällen zu können."