Akademie für die Ländlichen Räume lud nach Berlin ein:
MarktTreff auf der Grünen Woche 2016

B e r l i n  MT 28.01.2016 – Das Thema Nahversorgung stand auf der jüngst zu Ende gegangenen 81. Internationalen Grünen Woche in Berlin insbesondere in der Halle „Lust aufs Land" im Fokus. So präsentierte sich dort das schleswig-holsteinische Projekt MarktTreff gleich mehrfach am Stand der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins e. V. (ALR), die stellvertretend vom Bundeslandwirtschaftsministerium ausgewählt worden war, sich selbst und ihre Arbeit auf dem Messegelände unter dem Funkturm vorzustellen.


Landtagspräsident Klaus Schlie zeigte sich beeindruckt vom Bürgerengagement in Delve. Matthias Retzlaff (rechts) leitet in dem Dorf in Dithmarschen die Bürgergenossenschaft.

Moderatorin Heide Thieme interviewte Rantrums Bürgermeister Horst Feddersen zum MarktTreff und seiner Entwicklung in der nordfriesischen Kommune.


Gemeinsam mit dem Forum ländlicher Raum – Netzwerk Brandenburg setzte die ALR Schwerpunkte bei den Themen Nahversorgung, Bildung und Mobilität. Zu allen Fachbereichen gab es Gesprächsrunden mit Fachleuten und erfahrenen Praktikerinnen und Praktikern. Für die MarktTreffs waren in Expertenrunden und bei Bühnengesprächen Matthias Retzlaff aus Delve (Kreis Dithmarschen) – Vorstandsvorsitzender der Bürgergenossenschaft „Treffpunkt Eiderschleife eG", die den dortigen neu eröffneten MarktTreff mit ihrer Arbeit unterstützt –, Bürgermeister Horst Feddersen aus Rantrum (Kreis Nordfriesland) und MarktTreff-Projektmanager Ingwer Seelhoff mehrfach eingebunden. Die Gemeinde Rantrum, die 2014 ihren neuen multifunktionalen MarktTreff eröffnete, hatte im Dezember 2015 den Landes-Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft" gewonnen.

 

 
Die Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins präsentierte die MarktTreffs als ein beispielhaftes Projekt des nördlichsten Bundeslandes. Vorsitzender Hermann-Josef Thoben (2. v. l.) diskutierte mit Matthias Retzlaff (r.), Heike Götz und Ingwer Seelhoff (l.).   Moderatorin Heike Götz befragte Matthias Retzlaff über die aktuelle Entwicklung des neuen MarktTreffs in Delve im Kreis Dithmarschen

 

Auf der großen LandSchau-Bühne der Agrarsozialen Gesellschaft in der Halle „Lust aufs Land" diskutierten in einer Runde der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteiner mit Moderatorin Heike Götz das Thema „Neue Nahversorgung braucht viele Schultern!". Hermann-Josef-Thoben schilderte als Vorsitzender der ALR die Wege, die das nördliche Bundesland insbesondere mit dem Projekt MarktTreff erfolgreich beschritten habe. Entscheidend seien aber immer wieder engagierte Menschen vor Ort – wie Matthias Retzlaff und seine Mitstreiter von der Bürgergenossenschaft „Treffpunkt Eiderschleife eG" in Delve. Ingwer Seelhoff, Projektmanager von MarktTreff Schleswig-Holstein, machte deutlich, wie wichtig der kontinuierliche Austausch auf allen Ebenen sei – und da habe Schleswig-Holstein sicher einen beispielhaften Weg mit seinem landesweiten Netzwerk gefunden.

 

In einem Austausch mit Schleswig-Holsteins Landtagspräsidenten Klaus Schlie sowie den Landtagsabgeordneten Hauke Göttsch, Kirsten Eickhoff-Weber und Heiner Rickers vom Umwelt- und Agrarausschuss des Landesparlaments schilderte Matthias Retzlaff eindrucksvoll, wie schnell es in Delve gelungen sei, die Dorfgemeinschaft auf den Weg zu einem MarktTreff zu bringen und zu aktivem Engagement für eine Bürgergenossenschaft zu bewegen. Mittlerweile seien 190 der rund 1.000 Dorfbewohner Mitglied der Genossenschaft. Die angestrebte Summe von 20.000 Euro sei so sehr schnell erreicht worden, um die Ausstattung des kleinen Dorfladens in der ehemaligen Schule Delves zu ermöglichen. Der Laden des MarktTreffs werde gut angenommen und habe sich bereits zu einem zentralen Punkt im Dorf entwickelt. Nun gelte es, weitere Elemente eines MarktTreffs zu erarbeiten und umzusetzen. In dem Austausch, bei dem sich die schleswig-holsteinischen Politiker sehr aufgeschlossen zeigten, wurde zudem das Thema Mobilität in ländlichen Räumen besprochen. Dazu präsentierten Armin Fliegauf und Christel Hintz vom BürgerBus Ladelund zum einen ihre Erfolgsgeschichte, zum anderen die Problemlage, wenn neue Fahrzeuginvestitionen in naher Zukunft erforderlich würden. Zudem schilderte Rainer Bonne vom brandenburgischen Bürgerbus Hoher Fläming das dortige System.

 

In einem intensiven Expertengespräch zum Thema „So bringen wir unsere Dorfentwicklung voran – ein Austausch zwischen Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg" machten Vertreter von Ministerien, kommunaler Ebene, Wissenschaft und LEADER-Netzwerken ihre aktuellen Positionen deutlich und diskutierten mögliche Lösungsansätze. Im Circus-Wagen des schleswig-holsteinischen Jugend-Circus Ubuntu, der mit seinen Auftritten die Grüne-Woche-Besucher begeisterte, trafen sich dazu: Thorsten Elscher, Abteilungsleiter im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (MELUR), Jürgen Blucha, Referatsleiter Ländliche Entwicklung im MELUR, Christina Pfeiffer, Projektleiterin MarktTreff im MELUR, Thomas Reimann, Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Harald Hoppe, Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Horst Feddersen, Bürgermeister der MarktTreff-Gemeinde Rantrum, Detlef Ebert, Bürgermeister der Gemeinde Löcknitz in Mecklenburg-Vorpommern, Karsten Birkholz, Amtsdirektor Barnim-Oderbruch in Brandenburg, Prof. Dr.-Ing. Henning Bombeck, Universität Rostock / Schule der Landentwicklung Mecklenburg-Vorpommern, Torsten Sommer, AktivRegionen Netzwerk in Schleswig-Holstein und Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins, Franziska Baumann, Forum ländlicher Raum – Netzwerk Brandenburg.

 

In einer Stippvisite in der Schleswig-Holstein-Halle stellten Bürgermeister Horst Feddersen (Gemeinde Rantrum) und Projektmanager Ingwer Seelhoff in einer Interviewrunde mit Moderatorin Heide Thieme MarktTreff als eine besondere Spezialität des nördlichsten Bundeslandes vor: Auf dem Land leben in Schleswig-Holstein: MarktTreff – mehr Lebensqualität für die ländlichen Räume.

 

Sehr gefragt war in der Halle „Lust aufs Land" die Informationsrunde am Stand der ALR zum Thema „Gut versorgt auf dem Land – Neue Nahversorgung für unsere Dörfer!". Bürgermeister Horst Feddersen schilderte Fachleuten, die am Zukunftsforum Ländliche Entwicklung im CityCube auf der Grünen Woche teilgenommen hatten, den eindrucksvollen Weg, den seine Gemeinde in den vergangenen Jahren genommen hat und welche wichtige Rolle dabei der MarktTreff gespielt hat. Ein ähnliches Modell, das auch auf die Bündelung von Angeboten setzt, stellte Prof. Michael F. G. Schmidt als 1. Vorsitzender des DORV-Clubs Seddin in Brandenburg vor – bekannte aber offen, dass man auf das schleswig-holsteinische Netzwerk der MarktTreffs schon ein bisschen neidisch sei.

 

 
MarktTreff-Experten am Stand der Akademie für die Ländlichen Räume: Christina Pfeiffer und Jürgen Blucha vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein.  

 

  Intensives Gespräch über Nahversorgung: Moderatorin Heike Thieme mit Horst Feddersen (Bürgermeister Rantrum) und Ingwer Seelhoff (Projektmanagement MarktTreff).

 

 
Wurden von Fachleuten, die das Zukunftsforum Ländliche Entwicklung besucht hatten, ausgiebig zur Nahversorgung befragt (hinten, v. l. n. r.): Ingwer Seelhoff, Horst Feddersen und Prof. Michael Schmidt.

  Tauschten sich intensiv über Zukunftsarbeit in Dörfern aus: Werner Schweizer (Bürgermeister aus Klixbüll, links) und Matthias Retzlaff (Vorstand der Bürgergenossenschaft "Treffpunkt Eiderschleife").

 
Nahversorgung in Schleswig-Holstein im Fokus (v. r. n. l.): Matthias Retzlaff aus Delve, Moderatorin Heike Götz, Hermann-Josef Thoben (ALR) und Ingwer Seelhoff (Projektmanagement MarktTreff).
  Hermann-Josef Thoben erheilt von Wester-Ohrstedts MarktTreff-Betreiber Maik Schultze ein MarktTreff-Hemd überreicht – als „MarktTreff-Leiter ehrenhalber”.