Großes Interesse am Erfahrungsaustausch:
MarktTreffs machen den Unterschied –
Gemeinde Rantrum zieht als Landessiegerin
in den Bundes-Wettbewerb

T e t e n h u s e n / R a n t r u m   MT 07.12.2015 – Das Interesse am diesjährigen Treffen der Gemeinden mit bestehenden oder geplanten MarktTreffs war groß wie nie. Rund 70 Bürgermeister, Betreiber und Interessierte aus ganz Schleswig-Holstein füllten den Saal im Restaurant „Zum Fuchsbau“, dem gastronomischen Teil des MarktTreff Tetenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg). Die Themen und Referate der Zusammenkunft sorgten für höchst lebhafte und anregende Diskussionen: angefangen mit der künftigen Förderstrategie des Landes für die ländliche Entwicklung über ehrenamtliche Beteiligung, Ladengrößen und -konzepte bis zur Rolle und dem Gründungsweg von Genossenschaften. Wenige Tage später stand die MarktTreff-Gemeinde Rantrum (Kreis Nordfriesland) im Mittelpunkt: als Siegerin des diesjährigen Landes-Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft”.

 

„MarktTreffs sind widerstandsfähig auch in Zeiten großer Herausforderungen. Bisher haben sie alle Hürden genommen", mit diesem Lob begann Christina Pfeiffer aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) ihr Referat über die aktuelle Förderstrategie des Landes. Dann wurde Pfeiffer konkret: Künftig würde zweimal im Jahr im Rahmen von „Calls“ über die Förderanträge von Gemeinden zur Nahversorgung entschieden. Als Förderung könne ein Anteil von bis zu 75 Prozent der Gesamtinvestition möglich sein, die Höchstgrenze der Fördersumme betrage 750.000 Euro. Nahversorgung und Bildung seien Schwerpunkte der ländlichen Entwicklung und sollten in ihren Konzepten stark auf Multifunktionalität setzen. „Wir alle beschreiten in dieser Förderperiode Neuland und müsssen noch einiges optimieren“, machte Pfeiffer den Teilnehmern Mut. „Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer AktivRegion und den Kollegen der Landesämter für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.“ Dort werde kompetent beraten, zudem verwies Pfeiffer auf detaillierte Informationen zu Förderungen im Internet (http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/L/laendlicheraeume/leitprojekteILE.html)

 


  

Christina Pfeiffer aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft und ländliche Räume gab Hinweise zur angelaufenen neuen Förderperiode.
  Rund 70 Teilnehmende aus ganz Schleswig-Holstein waren zum Erfahrungsaustausch nach Tetenhusen in den dortigen MarktTreff mit der Gaststätte „Zum Fuchsbau” gekommen.

 

Marion Sörensen, AWO-Vorsitzende aus Heidgraben (Kreis Pinneberg), betonte in ihrem Impuls die wichtige Funktion des MarktTreffs für die Gemeindeentwicklung: „Wir wachsen durch ein neues Wohngebiet und unser MarktTreff ist der Mittelpunkt vieler Aktivitäten.“ Weiter sprach Sörensen von der Symbiose aus Markt, Bistro und Treff: „Unsere Planung ist zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Nahezu täglich finden im Treff Veranstaltungen statt und die Gäste nutzen den Besuch anschließend zum Einkaufen, für ihre Post- und Bankgeschäfte – oder einfach, um sich zu treffen.“ Der Marktleiter sei in alle Aktivitäten eingebunden und würde beispielsweise für Abendtermine die Versorgung übernehmen. Ideen für die Zukunft würde es reichlich geben, nächster Schritt sei eine Internetgruppe für Senioren. Das Gewinnen neuer Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler sei für sie kein Problem. „Ich habe zu allen Altersgruppen Kontakt“, so Sörensen und verwies auf ihr vielfältiges Engagement bei der Kindergruppe, der Bücherei, der Liedertafel und bei den Senioren.

 


  

Tetenhusens Bürgermeister Volker Langholz begrüßte die Teilnehmenden am Erfahrungsaustausch der MarktTreff-Gemeinden. 

  Marion Sörensen, Vorsitzende der AWO Heidgraben, informierte darüber, wie ihre Organisation den Treffbereich des MarktTreffs managt.

   
Heiko Jessen von Bartels-Langness zeichnete ein aktuelles Bild der Entwicklungen im Lebensmitteleinzelhandel.
  Matthias Retzlaff, Vorstand der „Treffpunkt Eiderschleife eG“ gab Empfehlungen für die Gründung von Bürgergenossenschaften.

 

Begeistert von so zahlreichen Aktivitäten zeigte sich Heiko Jessen, Berater des selbstständigen Einzelhandels bei Bartels-Langness (Bela), einem der MarktTreff-Lieferanten: „Sie machen es genau richtig in Heidgraben. Kleine Märkte müssen auf Kommunikation und mehr Erlebnis setzen.“ Der Treffbereich sei zu intensivieren, es müsse für eine längere Verweildauer gesorgt werden – nur so könne erfolgreich einer abnehmenden Kaufbereitschaft in den Gemeinden begegnet werden. Grundsätzlich sei heute die Nachfolgesuche und Geschäftsübernahme schwierig geworden: „Vielfach ist die Qualifikation nicht ausreichend. Ganz wichtig für Interessenten ist eine vernünftige Rentabilitätsplanung. Sonst kann es ein böses Erwachen geben“, hob Jessen hervor.

 

  
Martin Schramm (BBE Handelsberatung) gab Einblicke in die Ergebnisse der Bereisung 2015 der MarktTreff-Standorte in Schleswig-Holstein.
  Im regen Austausch: Heiko Jessen (Bela) Wester-Ohrstedts Bürgermeister Wolfgang Rudolph und Edeka-Kaufmann Marco Pioch (von links nach rechts)

 

Franz Schwarten, Bürgermeister aus Kirchbarkau (Kreis Plön), sprach in der Diskussion für viele Kollegen: „Die Gemeinden müssen bereit sein, Geld in die Hand zu nehmen." Denn ohne einen MarktTreff sei das Dorf tot. Und das hätte Auswirkungen auf die Lebensqualität der Bürger und letztlich die Immobilienwerte.Mit großer Aufmerksamkeit begleitet wurde der Vortrag von Matthias Retzlaff, Vorstand der Genossenschaft „Treffpunkt Eiderschleife" aus Delve (Kreis Dithmarschen). Für den gerade eröffneten MarktTreff Nummer 36 sind in nur sechs Monaten 187 Mitglieder als Genossen geworben worden: „Eine intensive Bürgerbeteiligung ist der Schlüssel zum Erfolg. Wir haben durch Aufsichtsrat, Vorstand und Beirat etwa 25 Multiplikatoren am Start, die für die Idee werben." Der Laden sei zwar mit 60 Quadratmeter relativ klein, würde sich aber neben Grundlebensmitteln auf besondere Produkte spezialisieren: „So wollen wir Kunden aus der Region ansprechen und gewinnen." Mit Zuversicht blicke er auf die kommenden zwölf Monate - da würde sich die Tragfähigkeit des Modells entscheiden. Für viele Teilnehmer des Erfahrungsaustauschs klang der Ansatz überzeugend: In der anschließenden Diskussion wurde Retzlaff von interessierten Gemeinden zur Präsentation des „Delver Weges" zur Genossenschaft eingeladen.

 

Nach dem Landessieg tritt Rantrum nun auf Bundesebene an

 

Allen Grund zu feiern hatte wenige Tage nach dem Erfahrungsaustausch in Tetenhusen die MarktTreff-Gemeinde Rantrum (Kreis Nordfriesland): Das rund 2.000 Einwohner zählende Dorf in der Nähe von Husum wurde offiziell als Sieger des Landes-Wettbewerbs 2015 „Unser Dorf hat Zukunft“ ausgezeichnet. Jürgen Blucha, Referatsleiter Ländliche Entwicklung im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR), das den Wettbewerb ausrichtete, überreichte auf der Festveranstaltung in der Sport- und Eventhalle der Gemeinde die Sieger-Plakette und überbrachte die Glückwünsche von Minister Robert Habeck.

 

  

Birgit Feddersen und Jürgen Blucha (links) überreichten
die Auszeichnungen an Rantrums Bürgermeister Horst Feddersen,
Behlendorfs Bürgermeister Andreas Henschel und St. Annens
Bürgermeister Tjark Schütt.
  Die Auszeichnungen für die Gemeinde Rantrum:
Plakette und Urkunde

 

Nach einer fast 1.000 Kilometer langen Rundreise zu den Top 7 der schleswig-holsteinischen Gemeinden hatte sich die Jury einstimmig für das Dorf an der Westküste entschieden. Die Vorsitzende des Gremiums, Helga Klindt von der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins, begründete das Votum so: „Rantrum hat aufgrund seiner Größe alle Möglichkeiten zu einer zukunftsorientierten Entwicklung – und nutzt diese konsequent. Die Zukunftsperspektiven hat die Gemeinde gemeinsam mit ihren Menschen herausgearbeitet und setzt entsprechend Schritt für Schritt aufeinander abgestimmte Projekte mit Erfolg um.“ Der Fokus auf „Jugend ist unsere Zukunft“ und die Vorhaben zur Stärkung der Lebensqualität aller Einwohnerinnen und Einwohner im Ort seien herausragend. So seien beispielsweise die vielfältige Nutzung erneuerbarer Energien, das wohnlich eingegrünte Gewerbegebiet mit dem MarktTreff, spezielle Wohnprojekte – ob für junge Erwachsene oder Senioren – zu nennen. Rantrum hat sich damit für den Bundes-Wettbewerb 2016 qualifiziert. Rantrums Bürgermeister Horst Feddersen: „Wir sind sehr stolz darauf, aus vielen starken schleswig-holsteinischen Gemeinden als Sieger ausgewählt worden zu sein und unser Bundesland im deutschlandweiten Wettbewerb repräsentieren zu dürfen.“

 

Den zweiten Platz belegte die Gemeinde St. Annen im Kreis Dithmarschen, in der 321 Menschen leben. Die Bronze-Plakette sicherte sich die Gemeinde Behlendorf (Kreis Herzogtum Lauenburg, 403 Einwohner). „Die Platzierungen dieser beiden Dörfer zeigen eindrucksvoll“, so Jury-Vorsitzende Helga Klindt, „dass auch in kleinen schleswig-holsteinischen Gemeinden die Lebensqualität durch aktive Gestaltung ganz groß sein kann.“

 

Die Rantrumer feierten mit einem abwechslungsreichen Programm ihren Erfolg. So wirkten die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr, der Chor, die Kindergartengruppe und die North Frisian Pipes and Drums – eine Dudelsack-Band sowie zahlreiche Vereine mit.