MarktTreff regt an: beim Betreiber-Austausch, beim Standort-Besuch, auf bundesweiter Tagung

K i e l MT 09.10.2015 - Erneut stand das schleswig-holsteinische Modellprojekt für die ländliche Versorgung im Fokus von Veranstaltungen. Von der diesjährigen Herbsttagung der MarktTreff-Betreiber in Viehbrook (Kreis Plön) über die Neueröffnung des Ladens am Standort Koberg (Kreis Herzogtum Lauenburg) bis zu einem Besuch einer internationalen Delegation in Wester-Ohrstedt (Kreis Nordfriesland). Eine besondere Rolle spielte MarktTreff auf der bundesweiten Bühne. Christina Pfeiffer aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) präsentierte das Konzept in einer hochkarätig besetzten Runde beim „Demografiekongress" in Berlin: „Die Resonanz war hervorragend. Viele Teilnehmer aus anderen Bundesländern und aus der Wirtschaft sind an einem Austausch über unseren Weg zur Nahversorgung interessiert. Erste Einladungen wurden bereits ausgesprochen."

 

Sehr praktisch und konkret ging es zu auf der Herbsttagung der MarktTreff-Betreiberinnen und -Betreiber auf Hof Viehbrook (Kreis Plön). Stolz zeigte Kirsten Voß-Rahe den Teilnehmern aus ganz Schleswig-Holstein ihr ländliches Kultur-, Bildungs- und Erlebniszentrum. Aus dem 2008 von ihrer Familie erworbenen Hof hat sich im Laufe der Jahre ein vielfältiges Unternehmen mit elf festangestellten Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, zwei jungen Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr und einem ersten Auszubildenden entwickelt: „Bei uns steht die Region im Mittelpunkt", so Voß-Rahe. So führt der noch kleine MarktTreff-Hofladen fast nur Produkte aus der nahen Umgebung. Entweder von den hofeigenen Tieren oder von befreundeten Höfen, die man gut kennen würde, „unsere Gäste und Kunden wollen genau wissen, woher die Produkte kommen, die sie bei uns kaufen", ergänzte Voß-Rahe. Das ganze Unternehmen sei auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit ausgerichtet. Wichtiger Erfolgsfaktor dabei sei die eigene Überzeugung: „Authentische Begeisterung überträgt sich gut."

 

Einen gänzlich anderen Aspekt von MarktTreff verdeutlichte Kaufmann Marco Pioch aus Eiderstedt den Zuhörern: „Wir befinden uns in einem brutalen Wettbewerb. Die Discounter greifen die letzten kleinen Spannen ab und führen einen ruinösen Preiskampf. Deshalb gilt es, konsequent Kosten zu sparen und den Umsatz zu erhöhen." Pioch betreibt einen großen Edeka-Markt in Garding und einen MarktTreff in Witzwort. Engagiert plädierte er für Kooperationen: „Wir haben gemeinsam mit fünf Partnern sämtliche Kostengruppen analysiert. Mittlerweile bündeln wir, wo immer es möglich ist, unsere Einkäufe. Das hilft Kosten sparen."

 



              MarktTreff-Betreiber aus ganz Schleswig-Holstein trafen sich zum Austausch auf Hof Viehbrook in Rendswühren.

 

Für Berit Thomsen, die im November einen kleinen Dorfladen als MarktTreff in Delve (Kreis Dithmarschen) eröffnen will, klang das zu einseitig wirtschaftsorientiert: „MarktTreff zeichnet sich doch gerade durch die gemeinschaftliche Seite aus. Wir haben in Delve eine Genossenschaft mit derzeit 186 Mitgliedern auf die Beine gestellt." Nun wolle man optimistisch ans Werk gehen.

 



Kaufmann Marco Pioch (l.) berichtete über den gemeinsamen
Wareneinkauf mit anderen Kaufleuten; Sven Lück (Stadum)
und Britta Langer (Heidgraben) hören gespannt zu.
Auch nach der Veranstaltung tauschten sich die Betreiber
weiter intensiv aus.

 

Weitere Themen des Austausches waren ehrenamtliche Mitarbeit, das Konzept der „Mitfahrerbank", E-Mobilität, freies WLAN und Flüchtlinge. Dabei stellte Volker Stiefel, der den MarktTreff in Tetenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg) betreibt, sein Engagement zum Sammeln von Leergutbons vor - und gab manchen damit eine Anregung zum Nachmachen. Für Sven Lück, der seit einem guten Jahr den Dorfladen in Stadum (Kreis Nordfriesland) führt, ist die Vielfalt der MarktTreff-Familie ein Pluspunkt: „Nirgends finde ich so unterschiedliche Blickwinkel und Sichtweisen von Bürgermeistern, Kaufleuten, Gastronomen und Ehrenamtlern. Das ist immer eine Bereicherung, das macht MarktTreff aus."

 

 

Laden in Koberg wieder geöffnet

 

Große Freude herrscht in Koberg (Kreis Herzogtum Lauenburg): Nachdem der kleine Dorfladen im MarktTreff vier Monate geschlossen war, hat er nun wieder geöffnet. Bettina Tönnies hat ihn gemeinsam mit ihrer Tochter Jennifer übernommen und bietet nun wieder täglich als „Die kleine Backstube" Backwaren und ein ausgewähltes Lebensmittelsortiment an. Der Laden sei schmerzlich vermisst worden, so Bürgermeister Jörg Smolla, nun aber sei der Dorfmittelpunkt MarktTreff mit weiter stark genutzter Kulturscheune und Laden komplett. „Einen schöneren ersten Außentermin hätte ich mir nicht vorstellen können", sagte Jürgen Blucha, neuer Referatsleiter Ländliche Entwicklung im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. Er sei beeindruckt von dem Engagement der Dorfgemeinschaft und wie auch schwierige Phasen überstanden und Probleme gelöst würden. Im Anschluss an die Eröffnung gab es für die Gäste eine Koberger Erfolgsgeschichte live zu erleben: das gemeinsame Mittagsessen, das an drei Tagen in der Woche angeboten und von vielen regelmäßig genutzt wird.

 



Bürgermeister Jörg Smolla (l.) erläutert Jürgen Blucha (MELUR) und Redakteur Joachim Strunk das Koberger MarktTreff-Konzept.
Feierliche Enthüllung des neues Ladenschildes: Betreiberin Bettina Tönnies und Bürgermeister Jörg Smolla


Jürgen Blucha zeigte sich beeindruckt von dem Dorfzentrum, das die Koberger geschaffen haben
Ein Klassiker in Koberg: Das Mittagessen in Gemeinschaft fand auch am Neueröffnungstag des Ladens statt.

 


Dänen vom Projektansatz beeindruckt

 

Intensiv genutzt hat eine Gruppe dänischer Gäste die Erfahrungen des MarktTreff-Projektes bei einem Besuch in Wester-Ohrstedt. Das Gudenå Komitee - eine Kooperation von sieben Kommunen im Einzugsgebiet des längsten Flusses Dänemarks, der Gudenå - informierte sich vor Ort über das multifunktionale Nahversorgungsmodell. MarktTreff-Betreiber Maik Schultze und Projektmanager Ingwer Seelhoff standen den Skandinaviern, die drei Tage lang die Eider-Treene-Sorge-Region besuchten, Rede und Antwort. Das MarktTreff-Modell sei ein beeindruckender Lösungsansatz bei einem Thema, das auch in Dänemark in Dörfern aktuell sei.

 



 

 

MarktTreff in Berlin

 

Als beispielgebendes Projekt wurde MarktTreff Schleswig-Holstein auf der bundesweiten Bühne in Berlin präsentiert. Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière hatte zum Strategiekongress Demografie 2015 unter dem Titel „Wohlstand für alle Generationen?" ins Palais am Funkturm eingeladen. Der Strategiekongress ist das zentrale Forum für den Dialogprozess zur Demografiestrategie der Bundesregierung, der die unterschiedlichen Ebenen und Initiativen zur Gestaltung des demografischen Wandels zusammenführen soll. Christina Pfeiffer vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein stellte in einer Diskussionsrunde MarktTreff als modellhaftes Projekt im Bereich der ländlichen Nahversorgung vor. „Unser MarktTreff-Konzept", sagt Christina Pfeiffer, „leistet so einen wertvollen Beitrag zur bundesweiten Diskussion um die Herausforderungen der demografischen Entwicklung." Nach dem Kongress habe es bereits eine konkrete Anfrage aus Niedersachsen gegeben, dort das MarktTreff-Modell vorzustellen.

 



Expertenrunde in Berlin (v. l. n. r.): Jörg Freese (Deutscher Landkreistag), Harald Herrmann (Direktor Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung [BBSR]), Christina Pfeiffer (MELUR), Peter Bleser (Parlament. Staatssekretär, BMEL), Florian Pronold (Parlament. Staatssekretär, BMUB), Norbert Barthle (Parlament. Staatssekretär, BMVI), Sebastian Schaller (Bund der Deutschen Landjugend) und Moderatorin Dr. Ursula Weidenfeld. (Fotos: H. Schacht)