MarktTreff-Gemeinden stärken ihre Ortskerne

K i e l / F l i n t b e k MT 21.09.2015 - Was sich bei der sommerlichen Bereisung der MarktTreffs bereits angedeutet hat, ist jüngst bei einem Treffen im Kieler Landwirtschaftsministerium bestätigt worden: In vielen MarktTreff-Gemeinden wird an tragfähigen Zukunftskonzepten für vitale Ortskerne gearbeitet.
Darüber hinaus präsentierte das Projekt MarktTreff bei einer Veranstaltung im Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume (bnur) das Thema „Wie das MarktTreff-Modell Innenentwicklung vorantreibt".

 

Vier Bürgermeister und engagierte MarktTreffler begrüßte der neue Referatsleiter Jürgen Blucha im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR), um gemeinsam über Fragen der Gemeindeentwicklung und die Rolle von MarktTreff zu sprechen. „Wir müssen ganz dicht am Bürger dran bleiben", gab Jens-Peter Clausen, Vorsitzender des Bauausschusses in der Gemeinde Medelby (Kreis Schleswig-Flensburg), die Losung aus. Seit Jahren würde seine Gemeinde planmäßig den Ortskern stärken. Der MarktTreff übernehme hier eine zentrale Funktion, der nahe Kirchspiel-Park, der Campingplatz und eine Multifunktionshalle würden ebenfalls Medelbys Attraktivität stärken. Die Folge: „Das Dorf wächst!" Und Clausen würde gern noch weitere Neu-Bürgerinnen und -Bürger mit gut gelegenen Bauplätzen anlocken. „Dürfen wir aber nicht, die Landesplanung hat abgeblockt. Dabei wünschen wir uns etwas mehr Flexibilität und Entgegenkommen", so Clausen. Als die Sprache auf das Kirchspiel kommt, leuchten Clausens Augen sofort: „Kirchspielgemeinden haben immer noch eine hohe Bedeutung!" Der Zusammenhalt sei groß und man hätte in puncto Bürgerwindpark und Breitband-Genossenschaft gute Erfahrungen gemacht.

 

Das Stichwort „Genossenschaft" greift Hans-Peter Ebeling gern auf. Er ist Vorstand der Bürgergenossenschaft in Heidgraben (Kreis Pinneberg) und kennt die Entwicklung aus eigenem Erleben: „Was wir dringend empfehlen, ist ein Leitfaden zur Gründung und zum Betrieb einer Genossenschaft." Sonst müssten sich weitere Interessenten mühsam allein durch die Materie durcharbeiten - „und eine Genossenschaft gründet man ja nicht alle Tage". In der 2.500 Einwohner großen Gemeinde seien bereits 182 Bürgerinnen und Bürger Mitglied der dortigen Bürgergenossenschaft. Künftig solle diese ihren Wirkungsgrad über den MarktTreff hinaus ausdehnen. „Der MarktTreff ist unser Zentrum. Da stimmen mittlerweile die Angebote und der Mix, das kann man täglich erleben", so Ebeling. Sein Blick in die Zukunft bleibt optimistisch: „Gemeinsam haben wir noch viel vor in Heidgraben."

 

Tauschten sich angeregt über Fragen der Gemeindeentwicklung aus (v.l.n.r.): Jens-Peter Clausen (Gemeinde Medelby), Hans-Peter Ebeling (Gemeinde Heidgraben), Dieter Witasik (MarktTreff-Projektmanagement), Christina Pfeiffer (MELUR), Volker Bolten (Gemeinde St. Margarethen), Wilfried Surrey (Gemeinde Großsolt), Jürgen Blucha (MELUR)

 

„Ärmel hoch und anpacken" heißt es ebenfalls in den Gemeinden St. Margarethen (Kreis Steinburg) und Großsolt (Kreis Schleswig-Flensburg). Bürgermeister Volker Bolten und sein Kollege Wilfried Surrey machen ihre Ortskerne fit für die Zukunft. Die St. Margarethener erweitern ihren Markt und integrieren ein Café mit Backwaren, hinzu kommen eine E-Tankstelle, möglichst freies W-LAN und nahe Parkflächen. „Der Bauantrag ist eingereicht", so Bolten.

Von einem Café schwärmt ebenfalls Großsolts Bürgermeister Surrey: „Als Ergänzung unserer ‚Mühle der Begegnungen'. Ein gemeinsamer Mittagstisch wäre ebenfalls eine gute Sache." Hinter dem MarktTreff würden weitere seniorengerechte Wohnungen gebaut und die „Mühle" solle April 2016 eröffnet werden. Allen Beteiligten mache der Rückzug von Sparkassen aus der ländlichen Fläche Sorgen. Das würde genauso viel Kopfzerbrechen bereiten, wie so manche anstehende Nachfolge bei der Gastronomie.

 


 

Referatsleiter Jürgen Blucha bedankte sich ausdrücklich für die klaren Worte der MarktTreff-Bürgermeister. Diese Hinweise direkt aus der Praxis seien sehr hilfreich, um als Ministerium die Innenentwicklung schleswig-holsteinischer Dörfer pragmatisch unterstützen zu können.

 

 

 

Klare Worte wurden auch bei der bnur-Veranstaltung zur „Innenentwicklung - neuer Raum für Wirtschaft und Wohnen mit Naturschutzaspekten auf dem Land" in Flintbek geschätzt. Und die fand Bürgermeister Peter Orda aus der MarktTreff-Gemeinde Alt Duvenstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Nachvollziehbar schilderte er die Erfolgsgeschichte der Gemeinde, die sie mit konsequenter Innenentwicklung über Jahre geschrieben hat. Nun habe die Kommune einen echten Dorfmittelpunkt mit MarktTreff-Laden und -MarktStuuv, mit Kindergarten, Ärztehaus und Feuerwehr. Aber, gab Orda die deutliche Ansage mit auf den Weg: „Seien Sie sich dessen bewusst, dass Sie Geld in die Hand nehmen müssen, um nachhaltig Zukunft durch Innenentwicklung zu gestalten!" Zudem könne ein solcher Prozess am besten gelingen, wenn parteipolitische Denke zurückgestellt und auf die Sache konzentriert an dem Thema gearbeitet würde.

 

      

MarktTreff-Projektmanager Ingwer Seelhoff (links) und Peter Orda,
Bürgermeister von Alt Duvenstedt, berichteten über die
positive Entwicklung von Dorfkernen durch MarktTreffs.
  Ulrich Spitzer, stellvertretender
Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg,
freute sich über den großen Input zum
Thema Innenentwicklung.

 

Bevor Bürgermeister Peter Orda seine Erfahrungen präsentierte, hatte MarktTreff-Projektmanager Ingwer Seelhoff Beispiele präsentiert, wie andere schleswig-holsteinische Gemeinden MarktTreff als Motor der Innenentwicklung genutzt haben. „Bei 28 von insgesamt derzeit 35 MarktTreff-Standorten haben zumindest Aspekte der Innenentwicklung eine Rolle gespielt." In weiteren Vorträgen der von IHK Flensburg und Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins vorbereiteten Tagung hatten sich Experten aus unterschiedlicher Sicht dem Thema Innenentwicklung genähert. Mit „Qualitätsvolle Innenentwicklung: Ausgangslage, Fakten, Rechtsrahmen" beschäftigte sich Klaus Goede aus dem Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten des Landes Schleswig-Holstein. Planerin Cornelia Plewa zeigte auf „Verschiedene Wege der Innenentwicklung: Dorfleben mit allen Funktionen". Dr. Florian Liedl, Gesellschaft für ländliche Strukturentwicklung, widmete sich der „Freiraumplanung: Bewertungskriterien und gesellschaftliche Bedeutung". Über ein Praxisbeispiel für den landwirtschaftlichen Strukturwandel referierten Manfred Voth von der Landgesellschaft Schleswig-Holstein und Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Sie zeichneten den Weg einer „Umnutzung einer ehemaligen Hofstelle in Itzstedt" nach.

 

Veranstaltungs-Organisator Ulrich Spitzer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Flensburg und Leiter des Arbeitskreises Wirtschaft im ländlichen Raum der Akademie, zog eine positive Bilanz: Es habe ein große Fülle von Hinweisen zum Themenfeld Innenentwicklung gegeben, die mit Sicherheit hilfreich sein könnten.