„Vater der MarktTreffs“ zieht erfolgreiche Bilanz

K i e l MT 28.05.15 – MarktTreff gilt bundesweit als beispielhaftes Modell für die Nahversorgung in ländlichen Gemeinden. Auf den Weg gebracht wurde das schleswig-holsteinische Vorzeigeprojekt im Jahr 1999 unter dem Titel „Ländliches Dienstleistungszentrum". Von Beginn an maßgeblich dabei ist Hermann-Josef Thoben, Referatsleiter für ländliche Entwicklung im zuständigen Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR). Viele sehen in Thoben den „Vater der MarktTreffs" - der nun zum Juni 2015 das Kieler Ministerium verlässt und sich in den Ruhestand verabschiedet. Wer Thoben kennt, weiß, dass die ländliche Entwicklung für ihn eine Herzensangelegenheit war und er sich weiter in diesem Feld engagieren wird. Denn das „Gestalten von Chancen" stand immer im Mittelpunkt seines Handelns.

 

 

 

 

Frage: Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1999, was war der Anlass, über ein neues Modell für die Nahversorgung in kleinen Gemeinden nachzudenken?

Thoben: Die Förderung der ländlichen Entwicklung war in 1999 geprägt von Mut machenden Erfahrungen mit den ländlichen Struktur- und Entwicklungsanalysen (LSE) und innovativen Einzelprojekten mit der EU-Initiative Leader+. Die Gemeinden haben den großen Schritt von ortsbezogenen Dorferneuerungen zur gemeindeübergreifenden Dorf- und Regionalentwicklung getan. Erste PCs eroberten die Dörfer. Es war insbesondere der seinerzeitige und leider viel zu früh verstorbene Staatssekretär Ulrich Lorenz, der bereit war, zusätzliche Fördermittel für Dienstleistungseinrichtungen in den Dörfern zur Verfügung zu stellen.

 

 

Frage: Welche Bilanz ziehen Sie nach rund 15 Jahren Entwicklung von Nahversorgungs- und Dienstleistungszentren?

Thoben: Die Initiative von Ulrich Lorenz kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Das zeigte sich darin, dass mehrere Gemeinden miteinander wetteiferten, wer das erste Dienstleistungszentrum eröffnen würde. Letztlich war es die Gemeinde Steinfeld im Kreis Schleswig-Flensburg, die als erste den Schlüssel für das Gebäude von ihrem Architekten überreicht bekam. Aus diesen ersten Erfahrungen haben wir gelernt, wie wichtig ein besserer Name ist. Die Bezeichnung MarktTreff hat sich mittlerweile als Marke durchgesetzt. Außerdem haben wir gelernt, wie wichtig eine exzellente Bürgerbeteiligung ist, um eine dauerhafte Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrem MarktTreff zu erreichen. Durch die Verknüpfung mit den 22 AktivRegionen ist aus der Idee des Ministeriums eine regional verankerte Bewegung geworden.

 

Frage: Wo muss das Konzept der MarktTreffs künftig noch besser werden?

Thoben: Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und unter Berücksichtigung des technologischen Fortschritts werden diese Aspekte noch stärker bei der Erarbeitung und Betreuung der künftigen MarktTreffs Beachtung finden müssen. In vielen Bereichen wie Bildung und Klimaschutz können die MarktTreffs noch stärker Impulsgeber für neue Entwicklungen sein.

 

Frage: Was hat Sie persönlich im Umfeld von MarktTreff besonders berührt?

Thoben: Es freut mich natürlich, wie erfolgreich sich die Idee der MarktTreffs etabliert hat. Besonders berührt haben mich aber die Geschichten von Menschen im Umfeld der MarktTreffs. Das gilt insbesondere für das außerordentliche ehrenamtliche Engagement sowohl in der Planungsphase als auch bei der Realisierung und nicht zuletzt im Betrieb – aber auch vor allem für die vielen Betreiber der MarktTreffs, die sich mit der Idee identifiziert haben und häufig über sich hinausgewachsen sind.

 

Frage: Wie sehen Ihre Kollegen beim Bund und in den anderen Bundesländern die ländliche Entwicklung Schleswig-Holsteins?
Thoben: Mit dem Modell der MarktTreffs und der Förderkulisse der AktivRegionen konnten wir in den letzten Jahren wichtige Impulse setzen für neue Fördermöglichkeiten bei der EU und auf Bundesebene. Unsere Vorreiterrolle bei dieser gebündelten Form der Grundversorgung – verbunden mit einem professionellen Projektmanagement durch externes Management – ist bundesweit unbestritten.

 

Frage: Wo steht MarktTreff, wo stehen die ländlichen Räume in zehn Jahren?
Thoben: MarktTreff ist heute bereits ein bundes- und europaweit beachtetes Modell. Mit Prognosen ist es bekanntlich immer schwierig, weil sie mit der Zukunft zu tun haben. Deswegen wage ich lediglich vorherzusagen, dass die Idee der MarktTreffs auch in zehn Jahren noch erfolgreich sein wird. Dazu muss es gelingen, ein starkes Netzwerk zu erhalten und die Konzepte an den Bedürfnissen der Bevölkerung zu orientieren, individuell zu entwickeln und umzusetzen.

 

Herr Thoben, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Ihnen im Namen der MarktTreff-Familie für Ihre persönliche Zukunft alles Gute!

 

 

 

Hermann-Josef Thoben, geboren 1950 in Friesoythe im Oldenburger Münsterland. 1969-1975 Studium der Geodäsie (Vermessungswesen) mit Vertiefung im Bereich Städteplanung an der TU Braunschweig und der Universität Bonn. 1976-1978 Referendariat beim Regierungspräsidenten in Arnsberg, Nordrhein-Westfalen. 1978-1991 Planungsdezernent beim Amt für Land- und Wasserwirtschaft (ALW) in Itzehoe. Seit 1. Oktober 1991 Referatsleiter für ländliche Entwicklung in den jeweils zuständigen Landesministerien in Schleswig-Holstein. Ehrenamtlich engagiert in den Vorständen des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes, des Fördervereins für das Freilichtmuseum Molfsee, der Agrarsozialen Gesellschaft, Göttingen (ASG) und des Felmer Bote e. V.

 

 

        

Hermann-Josef Thoben, Monika Dürrer, Geschäftsführerin des
Einzelhandelsverbandes Nord und Minister Dr. Robert Habeck
(v. l. n. r.) auf der Grünen Woche in Berlin: Unterzeichnung der
Partnerschaftsvereinbarung des EHV Nord mit dem MarktTreff-Projekt.
  Hermann-Josef Thoben auf der
Internationalen Grünen Woche in Berlin