Bayern wollen von MarktTreff lernen –
Modellprojekt auch beim LandFrauenTag wieder dabei

MÜNCHEN / NEUMÜNSTER MT 21.05.2015 – Die Idee der MarktTreffs ist weiter sehr gefragt. Dies zeigte sich jetzt sowohl bei einer Fachgesprächsrunde im Bayerischen Landtag in München als auch auf dem LandFrauenTag 2015 in den Holstenhallen in Neumünster.

 


 
Diskutierten bei der SPDBayern im Landtag in München (v. l. n. r.):
Wolfgang Gröll (newWay), Klaus Adelt (MdL, SPD), Ingwer Seelhoff (MarktTreff / ews group), Harry Scheuenstuhl (MdL, SPD) und
Jürgen Schöberlein (Diakonie Hochfranken).
  Auf großes Interesse stießen bei den Teilnehmern des Fachgesprächs die unterschiedlichen Aspekte und Wege
der Nahversorgung, die die Expertenrunde im Bayerischen Landtag vorstellte.

 

Die BayernSPD-Landtagsfraktion hatte zu einem Austausch über „Zurück in die Zukunft? Nahversorgung im ländlichen Raum" nach München eingeladen. Klaus Adelt, Sprecher für kommunale Daseinsvorsorge der bayerischen SPD-Landtagsfraktion, wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, dass das Thema Nahversorgung in jüngster Zeit verstärkt in den Blickpunkt gerate – auch immer mehr in größeren Gemeinden. Deshalb sei es wichtig, in solchen Fachgesprächen Erfahrungen und Einschätzungen auszutauschen und über den regionalen Tellerrand hinauszuschauen.

 

Jürgen Schöberlein, Bereichsleiter der Erwachsenenhilfe Diakonie Hochfranken gGmbH, machte in seinem Impulsvortrag deutlich, dass der CAP-Markt, der von seiner Einrichtung als Ausbildungsbetrieb in Stammbach geführt werde, auch eine große soziale Aufgabe erfülle. Es gehe darum, „Lebensmittelpunkte" zu etablieren. Grundsätzlich stelle sich für ihn die Frage, ob eine immer schwieriger zu realisierende Nahversorgung in ländlichen Räumen nicht doch „auf den letzten Metern" zu einer halböffentlichen Aufgabe werden müsse – wie etwa im Bereich der Abfallwirtschaft. Dies müsse aus seiner Sicht offensiv diskutiert werden.

 

 


   
Angeregter Austausch zwischen MarktTreff-Projektmanager Ingwer Seelhoff und Dorfladen-Entwickler Wolfgang Gröll
aus Bayern (rechts)
  Ingwer Seelhoff stellt das Modellprojekt MarktTreff Schleswig-Holstein vor und betonte dabei die soziale Komponente des Vorhabens.

 

Auf die soziale Bedeutung und weitere wichtige Aspekte der Nahversorgung in Dörfern ging auch Ingwer Seelhoff vom Projektmanagement MarktTreff Schleswig-Holstein ein. „Es hat sich gezeigt, dass die Frage nach einem Kaufmannsladen häufig nur der Einstieg in viel weiter reichende Probleme ist – denken Sie an zunehmende Leerstände mitten in unseren kleinen Gemeinden, die eine wohlüberlegte Dorfkernentwicklung erfordern." Sich bei der zukunftsfähigen Entwicklung der örtlichen Nahversorgung auch mit diesen Fragen zu beschäftigen, habe sich vielerorts in Schleswig-Holstein als sehr hilfreich erwiesen. Dabei sei das Zusammenspiel von Gemeinde und Bürgern von entscheidender Bedeutung.

 

Wolfgang Gröll von der newWay GmbH, zugleich Sprecher Süd des Dorfladen-Netzwerkes, führte anhand zahlreicher bayerischer Beispiele an, dass es gelingen kann, die Nahversorgung mit bürgerschaftlichen Engagement aufrecht zu erhalten oder neu zu beleben. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren 100, 150 Dorfläden auf ihren Wegen begleitet - und lediglich fünf haben wieder schließen müssen. Als erhebliches akutes Problem machte Gröll für den vorrangig ehrenamtlich geführten Betrieb von Dorfläden den seit Januar 2015 geltenden Mindestlohn aus. „Der stellt so manchen der Läden vor enorme Herausforderungen."

 

Anknüpfend an die Impulsvorträge, wurde in der lebhaften Diskussion die Frage aufgeworfen, ob es nicht zu einer dauerhaften öffentlichen Förderung bei der Nahversorgung kommen könne. In diesem Zusammenhang wies MarktTreff-Projektmanager Seelhoff darauf hin, dass dies eine Gratwanderung sei. „Hier ist es sehr hilfreich – wie in Schleswig-Holstein erfolgreich praktiziert – einen engen Austausch und Partnerschaft mit der Industrie- und Handelskammer und dem Einzelhandelsverband zu pflegen, um in diesem Bereich nicht aufs Glatteis zu geraten."

 

In seiner Zusammenfassung betonte Landtagsabgeordneter Klaus Adelt, dass gerade die Verknüpfung unterschiedlicher Aspekte mit dem reinen Thema „Einkaufen im Dorfladen" besonders interessant sei und mehr Bedeutung erhalten müsse. Insofern habe sich der Blick nach Schleswig-Holstein gelohnt - losgelöst davon, dass das nördlichste Bundesland sein bevorzugtes Urlaubsgebiet sei und dort insbesondere die Halbinsel Eiderstedt. „Es würde sich sicher für uns lohnen, mit einer Gruppe verschiedene MarktTreff-Standorte zu besuchen, um sich vor Ort noch ein Bild zu machen, nachdem wir bereits so viel Interessantes darüber gehört haben."

 

 

 

Hinweise und Nachfragen zu MarktTreff

 

Zahlreiche Gespräche am MarktTreff-Stand widmeten sich beim diesjährigen LandFrauenTag in den Holstenhallen Neumünster den Themen Nahversorgung und demografischer Wandel. Marga Trede, die Präsidentin des LandFrauenVerbandes (LFV), zeigte sich erfreut darüber, dass das Modellprojekt erneut vertreten war und auf großes Interesse stieß. Dabei gaben LandFrauen aus allen Teilen Schleswig-Holsteins Hinweise zu bereits bestehenden MarktTreffs, andere erkundigten sich aufgrund aktueller Entwicklungen („Bei uns im Dorf macht der Kaufmann jetzt zu!"), wie in einer Gemeinde ein MarktTreff entwickelt und realisiert werden kann.

 


   
Rund 1.800 LandFrauen kamen zum diesjährigen LandFrauenTag in
die Neumünsteraner Holstenhallen. Außer des abwechslungsreichen Bühnenprogramms gab es erneut vielfältige Fachinformationen.
  Ministerin Anke Spoorendonk (rechts) besuchte den MarktTreff-Stand und traf dort Anne Thomsen und Präsidiumsmitglied Petra Poethke (links).

 

Am MarktTreff-Stand trafen sich Anke Spoorendonk, Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, Petra Poethke vom Präsidium des LandFrauenVerbands Schleswig-Holstein und Anne Thomsen vom LandFrauenVerein Kappeln und Umgebung, die das MarktTreff-Projekt bei der Grünen Woche in Berlin mit vertreten hat. Spoorendonk wies noch einmal darauf hin, dass 18 MarktTreffs im vergangenen Jahr als KulturOrte in den ländlichen Räumen ausgezeichnet worden seien.