MarktTreff sorgt in mehreren Dörfern für neuen Schub

K I E L MT 06.05.2015 – Drei innovative MarktTreff-Projekte sind ihrer Realisierung ein gutes Stück näher gekommen: Die durch ihre besonderen Lagen gekennzeichneten Gemeinden Sehestedt und Hallig Hooge wollen neue MarktTreffs schaffen, Kirchbarkau setzt nach 13 Jahren auf eine Weiterentwicklung des bewährten Konzeptes. Dafür erhalten die Dörfer Fördergelder über das Land Schleswig-Holstein aus der Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK).

 

Sehestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) plant direkt am Nord-Ostsee-Kanal aus dem bereits bei Einheimischen und Touristen beliebten Imbiss an der Kanalfähre einen multifunktionalen MarktTreff entstehen zu lassen. Die Idee - basierend auf dem „Masterplan Zukunftsstrategie Daseinsvorsorge" des Amtes Hüttener Berge - beinhaltet, einen kleinen Lebensmittelladen (Schwerpunkt regionale Produkte) sowie zahlreiche Dienstleistungen und einen Treffbereich zu integrieren. Die Dienstleistungen reichen von Paketannahmestelle über Ausgangspunkt für Führungen bis zu Bücher-Tauschmöglichkeiten. Zum Treff zählen unter anderem Bürgermeisterinnenbüro für Sprechstunden, Bildungskurse der Volkshochschule und ein vielfältig nutzbarer Außenbereich.

 

 

Der bisherige Pächter des Imbisses soll Betreiber des MarktTreffs Sehestedt werden und die Bündelung der Dienstleistungen und die Treff-Aktivitäten organisieren. Damit entsteht in der 850-Einwohner-Gemeinde, die durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals Ende des 19. Jahrhunderts geteilt wurde, ein neuer Dorfmittelpunkt im Süden der AktivRegion „Hügelland am Ostseestrand".

 

Dass die individuelle Ausrichtung bei gleicher Grundidee die Stärke des Projektes MarktTreff ist, zeigt sich jetzt in einer der kleinsten Gemeinden Schleswig-Holsteins: Hallig Hooge im Wattenmeer, 107 Einwohner, rund 90.000 Tagesgäste pro Jahr, ein Pastor, ein Lehrer, ein Krankenpfleger. Nach einer außergewöhnlich intensiven Bürgerbeteiligung in der nordfriesischen Gemeinde - auch als die Machbarkeitsstudie bereits vorlag, gab es noch drei Einwohnerversammlungen - fiel die Entscheidung, einen MarktTreff mit Kaufmannsladen für die gesamte Hallig Hooge sowie den weiteren MarktTreff-Säulen Dienstleistungen und Treff als Neubau auf der Hanswarft zu errichten. Dies ist nach Abstimmung mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN-SH) möglich. Bei der Umsetzung des Projekts in der AktivRegion Uthlande wird vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels der Ausbaustandard „Hallig 2050" beachtet. So gibt es innovative Ansätze, wie baulich in Hinblick auf einen steigenden Meereswasserspiegel der Nordsee reagiert wird.

 

Nach 13 Jahren Betrieb entwickelt die Gemeinde Kirchbarkau mit der Fisole Gmbh - einem Ableger der Beruflichen Bildung im DHB - den MarktTreff in dem rund 730 Einwohner zählenden Ort weiter. Nachdem mit Heinz-Jürgen Harms im vergangenen Jahr der erste MarktTreff-Kaufmann überhaupt in Rente gegangen war, machten sich die Projektbeteiligten in der Gemeinde im Kreis Plön daran, Konzepte für die energetische Optimierung und eine inklusive Nahversorgung zu erarbeiten. So ist nun der Umbau zu einer barrierefreien Nutzung vorgesehen. In der Folge soll ein Inklusionsprozess - die Einbindung von Menschen mit Handicaps - erprobt werden und im Anschluss überprüft werden, inwieweit sich diese Kirchbarkauer Inklusionsidee aus der AktivRegion Schwentine-Holsteinische Schweiz als landesweites Modell in andere Dörfer Schleswig-Holsteins übertragen lässt.

 

„Für die drei Gemeinden geht es jetzt darum, gemeinsam mit jeweils einem Architekten den ganz konkreten Finanzrahmen für die Umsetzung zu ermitteln, damit die entsprechenden Leistungen für Neu- oder Umbau ausgeschrieben werden und Fördergelder fließen können", erläutert Norbert Limberg vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.

 

Die weiteren MarktTreff-Vorhaben, die bereits in den Startlöchern für eine Umsetzung stünden, hätten gute Erfolgschancen im Herbst 2015 in der ersten Runde der neuen EU-Förderperiode (ELER), unterstreicht Christina Pfeiffer, verantwortlich für die MarktTreff-Projektsteuerung im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume.