Mehr Regionalität: MarktTreffs liegen voll im Trend – Wester-Ohrstedt ausgezeichnet

H o h e n f e l d e MT 30.03.2015 - „Die Entwicklung geht wieder hin zur Region. Und glauben Sie mir: Auch mit kleineren MarktTreff-Läden lassen sich vernünftige Ergebnisse erzielen." Mit dieser Aussage motivierte Willi Alpen, erfolgreicher Betreiber von sieben Edeka-Märkten, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des MarktTreff-Erfahrungsaustauschs in Hohenfelde (Kreis Plön). Erstmals trafen sich MarktTreffler aus allen Regionen Schleswig-Holsteins an dem im Sommer 2014 eröffneten Standort, um über wirtschaftliche Themen und Entwicklungen zu diskutieren. Dabei informierte Rechtsanwalt Ralph Hellwig, Justiziar beim Einzelhandelsverband Nord (EHV Nord), über den aktuellen Stand beim Mindestlohn und gab der Runde hilfreiche Tipps zum Umgang mit dem neuen Gesetz. Zwei Tage nach dem Erfahrungsaustausch zeichnete der EHV Nord den MarktTreff Wester-Ohrstedt für seine Generationenfreundlichkeit aus.


Die Zusammenarbeit hätte von Anfang an gestimmt, die Gemeinde Hohenfelde sei sehr froh, mit der Familie Alpen so erfahrene Kaufleute an ihrer Seite zu haben. Mit diesem Bekenntnis zur Partnerschaft begrüßte Bürgermeisterin Gesa Fink die Gäste zum Erfahrungsaustausch in der Ostseegemeinde. „Der nun seit zehn Monaten betriebene MarktTreff mit Lebensmittelmarkt, Café, Bäcker, Lotto-Annahmestelle und großem Treffbereich wird sehr gut angenommen. Die Kunden kommen aus der ganzen Region, die Vereine und Gruppen kaufen im Laden und nutzen fast täglich den Treff", ergänzte Fink. Das gemeinsam geplante Konzept ginge voll auf - und sie müsse lange überlegen, ob noch etwas zu verbessern sei.

 



Ingwer Seelhoff vom landesweiten MarktTreff-Projektmanagement (l., stehend) stellte den MarktTreff-Betreibern den aktuellen Projektstand vor.

 

Dem stimmte der Betreiber des integrierten Edeka-Marktes, Willi Alpen, voll und ganz zu: „Wir beschäftigen hier mittlerweile sieben Mitarbeiter - sommers wie winters. Auf der 250 Quadratmeter Ladenfläche bieten wir alles für die tägliche Versorgung. Und was nicht da ist, bringt der Fahrdienst aus einem unserer größeren Märkte." Die Kunden würden von der Gut-und-Günstig-Preisschiene profitieren. Vom ersten Tag an sei die Bündelung verschiedener Angebote unter einem Dach hervorragend angekommen. Seinen großen Einzelhandels-Kollegen in anderen Regionen des Landes empfahl Alpen, sich ebenfalls mit dem MarktTreff-Konzept zu befassen: „Das ist eine echte Chance für unseren Nachwuchs - und wir stärken damit unsere Gemeinden."

 

Intensiv diskutierte die Runde über das Thema Energiekosten. In einigen Märkten sorgten nicht aufeinander abgestimmte Klima-, Kühlungs- und Heizkonzepte für hohe Verbrauchswerte. Dort wünsche man sich mehr Unterstützung und Sachverstand bei Gemeinden und Ämtern - am besten bereits in der Planungs- und Bauphase. „Gut, dass ich heute dabei war. Jetzt werde ich mein Augenmerk verstärkt auf die Energieplanung richten", fasste stellvertretend Holger Petersen aus Sehestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) seine Eindrücke zusammen. Dort wird zurzeit ein MarktTreff-Standort direkt am Nord-Ostsee-Kanal entwickelt.

 

Ralph Hellwig, Justiziar beim Einzelhandelsverband Nord (EHV Nord), stellte gleich zu Beginn seines Vortrags zum Mindestlohn klar: „Das Gesetz ist - manche werden sagen leider - gut gemacht. Es gibt kaum Schlupflöcher." Die Kaufleute müssten sich künftig mit mehr organisatorischem Aufwand und der Dokumentationspflicht abfinden. Noch könne niemand richtig beurteilen, wie die für die Einhaltung und Kontrolle zuständigen Zollbehörden damit umgehen würden. „Aber bei Nichteinhaltung drohen Ihnen empfindliche Nachzahlungen und Strafen. Ich rate Ihnen, die festgeschriebenen Regularien einzuhalten und Ihre Arbeitsverträge daran auszurichten", so Hellwig. Die Aufzeichnungspflicht liege beim Arbeitgeber und Dokumente müssen dort zwei Jahre aufbewahrt werden. Im Einzelfall solle lieber juristischer Rat eingeholt werden, der Einzelhandelsverband hätte täglich mit Anfragen zum Mindestlohn zu tun.




Ralph Hellwig (Einzelhandelsverband Nord) gab den Betreibern
hilfreiche Tipps zum Thema Mindestlohn mit auf den Weg.
von links: Willi Alpen (Betreiber Hohenfelde), die Hohenfelder Bürgermeisterin Gesa Fink und Justiziar Ralph Hellwig

 

Bei der abschließenden Besichtigung des MarktTreffs überzeugten sich die Teilnehmer von der räumlichen Aufteilung, der technischen Ausstattung und der Sortiments- und Preisgestaltung im Laden. Besonders begeistert zeigte sich Uwe Rohr, Kaufmann aus der Gemeinde Groß Vollstedt, wo es bereits einen MarktTreff-Verein gibt, vom vorbildlichen Einkaufsverhalten der Hohenfelder Bürgermeisterin und der örtlichen Gemeindevertreter: „Daran sollten sich andere Gemeinden ein Beispiel nehmen. Man kann nur das vermitteln, was man selbst nutzt und vorlebt."

 



Bei der Besichtigung des Ladens fand ein reger Austausch zwischen den Betreibern zur Ladengestaltung statt.

Willi Alpen (2.v.l.) erläutert Heinz-Jürgen Harms (l.), Hagen Jeske
(2.v.r., beide aus Kirchbarkau) und Bürgermeister Wolfgang
Schmahl aus Gülzow (r.) den Laden.
Der MarktTreff selbst steht in Sehestedt zwar noch nicht, dessen zukünftiger Betreiber Holger Petersen freut sich aber jetzt schon
über einen MarktTreff-Pin.

 

 

 

Generationenfreundlicher MarktTreff in Wester-Ohrstedt

 

Als vorbildliches Beispiel ist jetzt der MarktTreff Wester-Ohrstedt (Kreis Nordfriesland) mit dem Qualitätszeichen für generationenfreundliches Einkaufen des Einzelhandelsverbands Nord ausgezeichnet worden. Es ist der zweite MarktTreff in Schleswig-Holstein nach Tetenhusen, der diese Auszeichnung erhält. EHV-Nord-Geschäftsführerin Monika Dürrer übergab die entsprechende Urkunde.

 

„Der MarktTreff in Wester-Ohrstedt erfüllt die Kriterien, die wir für generationenfreundliches Einkaufen definiert haben, um das Einkaufen für Jung und Alt so angenehm wie möglich zu machen", erklärte Dürrer die Projektidee. „Dabei geht es zum Beispiel um hinreichend breite Gänge, helle, angenehme Beleuchtung, rutschfeste Böden, lesbare Schriften und natürlich geht es um freundliches und hilfsbereites Personal."

 

Der MarktTreff Wester-Ohrstedt biete zudem viele Extras wie einen Lieferservice, eine E-Tankstelle für Autos und Fahrräder, Fax- und Kopierservice, eine Büchertauschbörse und Reinigungsannahme. Eine Filiale der Husumer Volksbank sei gleich in den Markt integriert - „alles rundum kunden- und familienfreundlich", lobte Dürrer.

 

„Die MarktTreff-Idee, die auch das Miteinander in der Gemeinde unterstützt, und das generationenfreundliche Einkaufen sind eigentlich zwei Seiten einer Medaille", sagt MarktTreff-Betreiber Maik Schultze. „Für uns war es klar, dass wir dieses Zeichen für unseren MarktTreff bekommen wollten. Wir verstehen uns als multifunktionales Dorfzentrum. Hier ist jeder willkommen - der Opa mit dem Enkel, die Nachbarin, die mit dem Rollator zum Einkaufen kommt und die jungen Leute der nächsten Generation - gelebtes Miteinander, nicht nur, aber auch beim Einkaufen."

 

An der Tür des MarktTreffs klebt nun der Aufkleber mit der weißen Einkaufstüte auf orangefarbenem Grund, das Logo für generationenfreundliches Einkaufen. Auch wenn der geborene Bremer Schultze aus sportlicher Heimatverbundenheit die Farben Grün-Weiß lieber mag, sind er und sein Team stolz auf die Auszeichnung und nehmen auch diese sportlich: „Das ist ein echter Ansporn, unserem Anspruch jeden Tag aufs Neue gerecht zu werden."

 

Zur Überreichung der Auszeichnung kamen auch Wester-Ohrstedts Bürgermeister Wolfgang Rudolph und sein Schwesinger Amtskollege Wolfgang Sokoll. Der war bereits voller Vorfreude auf Freitag, den 10. April. Denn an diesem Tag werde Kaufmann Maik Schultze den Ladenbereich des MarktTreffs „Alte Schule" Schwesing als Filiale eröffnen. Aus diesem Anlass sei die Bevölkerung zu einer kleinen Feier um 15.00 Uhr eingeladen. „In enger Zusammenarbeit mit der Joldelunder Bioland Bäckerei schaffen wir mit dem Schwesinger Laden im MarktTreff eine verbesserte Lebensqualität im Dorf", ist sich Schultze sicher.


 


Monika Dürrer vom Einzelhandelsverband Nord überreicht
Betreiber Maik Schultze die Auszeichnungsurkunde.

Mit Maik Schultze freuen sich sein Team (l.) sowie Wester-Ohrstedts Bürgermeister Wolfgang Rudolph (4.v.r.) und Bürgermeister Wolfgang Sokoll
aus der Nachbargemeinde Schwesing (3.v.r.)