MarktTreff Heidgraben überzeugt mit erfolgreicher Genossenschaft

Kiel MT 23.02.2015 - Dorf- und Bürgerläden sind im Aufwind. Von Niedersachsen bis Bayern wächst in kleinen Gemeinden die Zahl von Läden, die genossenschaftlich organisiert sind oder als wirtschaftliche Vereine betrieben werden. Dabei steht die finanzielle Einbindung der Kundinnen und Kunden im Vordergrund, um so die Identifikation zu fördern. In Schleswig-Holstein gibt es für diese Entwicklung ebenfalls ein gutes Beispiel: In Heidgraben (Kreis Pinneberg) ist zur Stärkung des dortigen MarktTreffs und Dorfzentrums eine Bürgergenossenschaft erfolgreich aufgebaut worden - mit aktuell rund 170 Mitgliedern.

 


 

 

 

Die Gemeinde Heidgraben liegt im Kreis Pinneberg und hat rund 2.500 Einwohner. Im September 2014 wurde der MarktTreff eröffnet als wichtiger Impuls einer neuen Ortsteilentwicklung. Zum MarktTreff gehören ein Lebensmittelmarkt, ein Frisiersalon, ein von der AWO gemanagter Treffbereich, der stark von unterschiedlichen Gruppen aus der Gemeinde genutzt wird. Im Interview erläutern Hans-Peter Ebeling und Dirk Freese, Vorsitzende der Bürgergenossenschaft, deren Hintergründe und Ziele. Zugleich geben die zwei Heidgrabener praktische Tipps zur Genossenschaftsgründung.

 

 

 

 

 

 

Frage: Warum ist eine finanzielle Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern bei MarktTreff sinnvoll - und worauf ist besonders das Augenmerk zu richten?

Ebeling: In Heidgraben haben wir die Erfahrung gemacht, wie identitätsstiftend die finanzielle Beteiligung wirkt und sich alle für das Gelingen des Projektes einsetzen. Vom eigenen Familien- und Freundeskreis bis hinein in Vereine und Verbände. Es funktioniert, wenn man es überzeugend anpackt und die Menschen begeistert. Voraussetzung ist, dass alle entscheidenden Gremien diesen Weg gemeinsam gehen wollen. Qualifizierte Beratung und Erfahrung von außen kann sehr hilfreich sein - zum Beispiel von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern oder bereits bestehenden Genossenschaften. Ganz wichtig: Die handelnden Personen sollten persönlich fest in der Gemeinde eingebunden sein und wirtschaftlichen sowie steuerlichen Sachverstand mitbringen. Ein weiterer Faktor: Die Bedürfnisse der jeweiligen Gemeinde sollten bei der Wahl der Beteiligungsform immer im Vordergrund stehen.

 

Frage: Warum haben Sie sich in Heidgraben für das Modell der Genossenschaft entschieden?

Freese: Die Genossenschaft hat viele Vorteile. Sie bietet beispielsweise auch die Möglichkeit einer produktiven Zusammenarbeit mit dem Genossenschaftsverband sowie genossenschaftlichen Banken. Für die beteiligten Genossen bietet das Genossenschaftsrecht einen sicheren rechtlichen Rahmen. Betriebswirtschaftlich wird auf Transparenz geachtet, für kleine Genossenschaften gibt es sogar vereinfachte Regelungen. Die Gründung einer Genossenschaft lässt sich mit guter Unterstützung erfolgreich durchführen, selbst wenn man - wie wir in Heidgraben - in sehr kurzer Zeit Ergebnisse erzielen muss. Das geht bei einem positiven und konstruktiv zielführenden Umfeld, am besten diskutiert und klärt man Bedenken bereits im Vorfeld.

 

Frage: Sie haben in kurzer Zeit rund 170 Mitglieder gewonnen. Worauf haben Sie geachtet?
Ebeling: Ziel ist es ja, genügend Menschen zu finden und gleichzeitig möglichst viel Kapital einzuwerben. Darin stecken auch Herausforderungen: Ein zu hochpreisiger Anteil schreckt oftmals gutwillige Unterstützer ab, ein zu tief angesetzter Anteil bringt nicht genügend Handlungskapital zusammen. In Heidgraben ist mit 100 € je Anteil genau der richtige Wert getroffen worden. Außerdem ist eine Begrenzung sinnvoll, wie viele Anteile eine einzelne Person erwerben kann. Damit wird ausgeschlossen, dass einige Wenige die „Idee" aufkaufen. Bei uns in Heidgraben sind über 20 Prozent der Haushalte vertreten. Das war uns ganz wichtig: Wir wollten so viele Bürger wie möglich beteiligen. Die meisten Mitglieder halten ein bis zwei Anteile, einige wenige haben aus Verbundenheit zum Ort hohe Beträge gezeichnet.


Frage: Wenn Sie zurückblicken, was waren die wesentlichen Schritte und Meilensteine auf dem Weg zur Bürgergenossenschaft Heidgraben?
Freese: Unsere Genossenschaft hatte sich zum Ziel gesetzt, das Inventar des MarktTreff-Ladens zu erwerben und danach an die Gemeinde zu vermieten. Diese wiederum vermietet das Inventar weiter an den Laden-Betreiber. Gerade zu Anfang war die Genossenschaftsbank dabei eine große Hilfe, denn unsere Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder waren insgesamt genossenschaftlich unerfahren. Inzwischen ist die Genossenschaft in Heidgraben eingetragen, die Investitionen sind längst getätigt und die Ladeneinrichtung ist aktiv vermietet - das Vorhaben funktioniert also. Zum Erfolg führten ein gesundes Beharrungsvermögen, ein zielorientierter Vorstand und die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Ebenso hat sich durch unsere Aktivität die Bindung zum heimischen Laden und Dorfzentrum, zum MarktTreff, stark entwickelt. Perspektivisch sind wir dabei, mit der Bürgergenossenschaft weiter zu denken. Mögliche Aufgaben gibt es in einer Dorfgemeinschaft genug, insbesondere im sozialen und gesellschaftlichen Bereich. Wir wollen unsere Genossenschaft als große Chance nutzen: „von den Bürgern für die Bürger".