MarktTreffs sorgen für neue Impulse in Gemeinden

K i e l  MT 18.11.2014 − „Die MarktTreff-Familie wächst und wird immer vielfältiger. Das ist heute richtig spürbar." Sichtlich begeistert begrüßte Hermann-Josef Thoben aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Erfahrungsaustauschs der Gemeinden mit bestehenden und geplanten MarktTreffs. Mehr als 50 Gäste aus allen Teilen Schleswig-Holsteins waren nach Kirchbarkau (Kreis Plön) gekommen, um sich auszutauschen und neue Ideen und Konzepte zur Nahversorgung kennenzulernen.

 

 

Hermann-Josef Thoben aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (rechts) begrüßte
die über 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des MarktTreff-Erfahrungsaustauschs in Kirchbarkau.

 

 

Eine Fülle praktischer Tipps gab in ihrem Vortrag Bürgermeisterin Gesa Fink aus Hohenfelde im Kreis Plön. Anschaulich stellte sie die Erfolgsfaktoren „ihres MarktTreffs" vor, der in nur 26 Monaten erfolgreich entwickelt wurde: „Wir sind mit einer kleinen Arbeitsgruppe gestartet - sechs gut vernetzte Akteure waren ideal. Daraus haben wir im Verlauf einen MarktTreff-Ausschuss gebildet." Eine überschaubare Gruppe von Entscheidungsträgern sei bestens geeignet für schnelle Kommunikation und Abstimmungen. Parallel sei die frühzeitige Einbindung der Bürgerinnen und Bürger ein ganz wesentlicher Erfolgsbaustein. „Wir haben dazu eine Einwohnerversammlung durchgeführt und die Bedürfnisse und Wünsche abgefragt", so Fink weiter. Das erste Konzept habe man ebenfalls offen diskutiert und die Frage gestellt, ob die Planung den Vorstellungen entspreche. So sei zügig eine Identifikation mit dem MarktTreff entstanden. Sehr viel Glück habe man dann mit der Auswahl des Betreibers gehabt: „Die erfahrene Kaufmannsfamilie Alpen ist die ideale Lösung für unsere Gemeinde. Der Verbund mit weiteren Filialen sichert uns eine bestmögliche und flexible Versorgung mit allen Waren." Der MarktTreff in Hohenfelde ist als Nummer 33 gestartet, seit sechs Monaten im Betrieb und übertrifft alle Erwartungen.

 


 

Bürgermeisterin Gesa Fink aus Hohenfelde erläuterte
die Gründe für eine erfolgreiche und zügige
MarktTreff-Planung und -Umsetzung.
  Anne Riecke aus Hennstedt betonte die Bedeutung
der frühzeitigen Einbindung von Vereinen und
Institutionen.

 

 

Über die laufende Projektentwicklung des MarktTreffs in Hennstedt - „wir werden der erste MarktTreff in Dithmarschen" - berichtete Bürgermeisterin Anne Riecke. Im Zentrum stehe als Kerngeschäft die Gastronomie und der Treffpunkt, in den Bereichen Nahversorgung, ärztliche und schulische Versorgung sei man in der Gemeinde gut aufgestellt. Riecke betonte in ihrem Vortrag ebenfalls, wie wichtig die regelmäßige Kommunikation sei: „Sie müssen immer wieder in Gesprächen und Einwohnerversammlungen darüber aufklären, was ein MarktTreff ist und wie das Modell funktioniert." In Hennstedt begleite ebenfalls eine Lenkungsgruppe die Entwicklung.

Wichtig sei die Einbindung der örtlichen Vereine und Institutionen: „Mit dem MarktTreff planen wir bei uns einen neuen Ortsmittelpunkt. Hier wollen wir vieles bündeln: Saalbetrieb, Volkshochschule, Tourismusbüro, DRK-Sprechstunde, Feuerwehr-Musikzug bis hin zu einem Wochenmarkt." Ein „Kümmerer" solle die Brücken zum Ehrenamt bauen und viele Leistungen koordinieren. Offen sprach Riecke die aus ihrer Sicht bestehenden „Hürden und Hindernisse" an. Man müsse sich auf hohen Verwaltungsaufwand einstellen, aber es würde sich am Ende lohnen: „Für die Gemeinde und alle Beteiligten gibt es neue Impulse." Zudem sei es insbesondere im Bereich der Gastronomie wichtig, frühzeitig Profis zu beteiligen - von der Küchenplanung bis zu Gesprächen mit dem DEHOGA. Die Grundsteinlegung ist noch im November geplant.

 

Werner Klingebiel, Bürgermeister in Stadum (Kreis Nordfriesland), nahm die Teilnehmer mit auf eine kurze Reise durch die zurückliegenden 15 Jahre mit einem MarktTreff. Die Zeit habe mehrere Wechsel und Veränderungen gebracht, doch heute sei man sehr zufrieden mit dem neuen Kaufmann: „Unser Betreiber, Herr Lück, ist ein EDEKA-Mann mit viel Praxis und Erfahrung. Nach kleinen Anpassungen läuft der Laden jetzt so gut, dass ich häufig sogar in der Schlange stehen muss", so Klingebiel launig. Als wesentliche Empfehlung sprach sich der Bürgermeister für eine frühzeitige intensive Einbindung von Fachberatern aus. Für die Zukunft wünscht er sich eine Weiterentwicklung am Standort Stadum - im Rahmen der neuen EU-Förderperiode.

 


 

Über 15 Jahre MarktTreff in Stadum:
Bürgermeister Werner Klingebiel ist heute
nach einigen Veränderungen sehr zufrieden.
  Martin Schramm von der BBE Handelsberatung (rechts) erläuterte
Aspekte der Kundenbindung, die zum Beispiel durch ein
Genossenschaftsmodell entstehen können.

 

 

Einen Überblick über den aktuellen Gesamtstand von MarktTreff gaben Ingwer Seelhoff, Geschäftsführer der projektbetreuenden ews group aus Lübeck und Martin Schramm von der BBE Handelsberatung aus Hamburg. Die Nachfrage nach MarktTreff sei unverändert hoch, es gäbe eine Fülle neuer Planungen im Land. Schramm hob in seinen Ausführungen die Funktion einer Genossenschaft am Standort Heidgraben (Kreis Pinneberg) hervor. Bei den rund 150 Genossinnen und Genossen könne ein verstärktes Kaufverhalten festgestellt werden: „Besondere Events und Verkostungen für diese Gruppe sorgen für mehr Kundenbindung und bringen MarktTreff ins Gespräch." Zudem würde eine Bürger-Genossenschaft sehr positiv für die Gemeinschaft wirken.

 

Zum Abschluss der Veranstaltung griff Hermann-Josef Thoben aus dem MELUR das Stichwort „neue EU-Förderperiode" auf und gab allen einen Mut machenden Ausblick: „Wir sind in der glücklichen Lage, bis 2023 über mehr EU-Fördermittel zu verfügen. MarktTreff und neue Konzepte für gebündelte Bildungsangebote haben hohe Priorität, weil sie die Zukunftsfähigkeit der ländlichen Räume stärken." Die Förderung von Leitprojekten zu Nahversorgung und Bildung werde in enger Abstimmung mit den AktivRegionen laufen.

 


 

                      Erster MarktTreff-"Rentner": Heinz-Jürgen Harms (rechts) freut sich über das Präsent von Betreiber Maik Schultze.