Rentner-Premiere im MarktTreff Kirchbarkau;
Fachforum Daseinsvorsorge und MarktTreff-Beirat sprechen sich für mehr Vernetzung und Kooperation aus

K i r c h b a r k a u / K i e l MT 13.10.2014 Das hatte es in der rund 15-jährigen Geschichte der schleswig-holsteinischen MarktTreffs bisher noch nicht gegeben: Mit Heinz-Jürgen Harms ging jetzt in Kirchbarkau (Kreis Plön) der erste MarktTreff-Kaufmann in den Ruhestand. Doch für Kontinuität ist gesorgt: Die Fisole GmbH der Beruflichen Bildung im DHB übernahm den Laden und will den MarktTreff gemeinsam mit der Gemeinde weiterentwickeln - sehr zur Freude von Staatssekretärin Dr. Silke Schneider, die zur offiziellen Übergabe in die rund 730 Einwohner zählende Gemeinde gekommen war.

 

Wenige Tage zuvor hatte die Staatssekretärin aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume bereits zum Auftakt des kombinierten Fachforums Daseinsvorsorge und des landesweiten MarktTreff-Beirats beim DRK-Landesverband in Kiel betont, welche Bedeutung die MarktTreffs als multifunktionale Zentren in Gemeinden besitzen und welche Chancen ihre Grundidee von Verknüpfung und Kooperation auch in anderen Bereichen bieten.

 

Zahlreiche Kundinnen und Kunden, Partner, Lieferanten, politische und Amtsvertreter waren in den Kirchbarkauer Dorfladen gekommen, um das Kaufleute-Ehepaar nach 13 Jahren in den Ruhestand zu verabschieden, aber auch um die Neu-Kirchbarkauer zu begrüßen, die das Gemeinschaftswerk von Gemeinde und Kaufmann im Ladenbereich nun weiterführen: Martina Goetz, geschäftsführender Vorstand der Beruflichen Bildung im DHB, die mit ihrer Fisole GmbH nun den MarktTreff Kirchbarkau betreibt, und Marktleiter Hagen Jeske mit seinem Team aus bekannten und neuen Gesichtern. Ein sichtlich erfreuter Bürgermeister Franz Schwarten ließ kurz die Geschichte des Übergangs Revue passieren und dankte dabei den vielen engagierten Begleitern, aber insbesondere dem Ehepaar Harms, das den Laden länger geführt habe, als es dies ursprünglich vorgehabt hätte. Nur so sei es möglich gewesen, dass eine positive Nachfolgeregelung erarbeitet wurde.

 

Staatssekretärin Silke Schneider dankte allen am MarktTreff Beteiligten - aber insbesondere Heinz-Jürgen Harms - für ihr Engagement über all die Jahre hinweg. Kirchbarkau habe als einer der ersten MarktTreffs in Schleswig-Holstein großen Anteil daran, dass dieses weit über die Grenzen des nördlichsten Bundeslandes beachtete und geschätzte Modellvorhaben tatsächlich ein lernendes Projekt sei. Von neuen Ideen und positiven Erfahrungen hätten viele andere MarktTreff-Standorte im Land profitiert - und aus Fehlern, die durchaus in Kirchbarkau gemacht worden seien, gelernt. Zugleich appellierte Schneider an die Menschen aus Kirchbarkau und der Region, den MarktTreff bewusst zu nutzen - dann habe er eine Zukunft. Die innovativen Ansätze der Beruflichen Bildung im DHB böten gute Voraussetzungen für eine Weiterentwicklung.

 


  

Bürgermeister Franz Schwarten begrüßte die Gäste.

  Staatssekretärin Dr. Silke Schneider im zur Rednertribüne umfunktionierten Kassenbereich

 

Geschäftsführerin Martina Goetz erläuterte, dass sich zusätzlich zum bewährten Ladenbetrieb aus dem MarktTreff Kirchbarkau heraus behutsam ein Inklusionsmodell entwickeln solle, bei dem Menschen mit Einschränkungen integriert und neue Dienstleistungen aufgebaut werden. Ein MarktTreff passe sehr gut zur Beruflichen Bildung im DHB, einem 1986 gegründeten privaten, gemeinnützigen Bildungsträger, der zurzeit vorrangig im Pinneberger Raum tätig ist. Das Engagement der Gemeinde Kirchbarkau und ihrer Menschen habe sie bisher sehr beeindruckt und ermutigt. Amtsvorsteher Dr. Norbert Langfeldt verwies auf die Bedeutung, die der MarktTreff Kirchbarkau für das Barkauer Land habe. Diese müsse erhalten bleiben und sichere ein Stück Daseinsvorsorge.

 

Für den Kundenkreis sprach Barbara Schröder Dankesworte, die Ingrid Harms Tränen der Rührung in die Augen trieben. Frau Harms an der Kasse sei es gewesen, die vor allem die Seele des Ladens bisher gewesen sei. Dort hätten Kinder Einkaufen lernen können, dort seien sie stets in guten Händen gewesen.

 

  

Martina Goetz, Geschäftsführerin d. Beruflichen Bildung im DHB,
erläuterte das neue Konzept und lobte das große Engagement
der Gemeinde Kirchbarkau und ihrer Bewohner.
  Abschiedsgeschenk der Kunden: Kundenunterschriften auf
der MarktTreff-Tüte für Ingrid und Heinz-Jürgen Harms

 

Heinz-Jürgen Harms überreichte zum Abschied gleich zwei Dinge an seine Nachfolger: Martina Goetz erhielt die Fotografie einer herzförmigen Kartoffel, die in einer Hand liegt. „Dieses symbolträchtige Bild, das seit vielen Jahren ein Markenzeichen des MarktTreff-Projektes ist, wurde hier in Kirchbarkau zur Anfangszeit von MarktTreff fotografiert", erzählte der Kaufmann. „Per Zufall fanden wir die außergewöhnliche Kartoffel. Sie steht für den Laden - die Hände sind Sie, die Kunden und Nutzer des MarktTreffs. In Ihrer Hand liegt seine Zukunft." An den neuen MarktTreff-Leiter Hagen Jeske überreichte er den symbolischen Schlüssel, den er einst selbst erhalten hatte.

 


  
 
Heinz-Jürgen Harms mit dem MarktTreff-Kartoffel-Foto

  Heinz-Jürgen Harms überreichte symbolisch den
Schlüssel an Hagen Jeske.

 

 


„Miteinander, füreinander - im echten Norden"

 

Die diesjährige Sitzung des landesweiten MarktTreff-Beirats, dem über 20 Verbände und Institutionen angehören, war erstmals mit einem vorgeschalteten Fachforum Daseinsvorsorge unter dem Titel „Miteinander, füreinander - im echten Norden" verknüpft. Auf dem Treffen beim DRK-Landesverband Schleswig-Holstein in Kiel wurden neue Entwicklungen und Projekte in den Themenfeldern Soziales, Regionale Produkte und Infrastruktur vorgestellt und diskutiert. Zum Auftakt dankte Staatssekretärin Dr. Silke Schneider den Teilnehmern für ihr Interesse sowie die Unterstützung des Nahversorgungs-Projektes. MarktTreff sei auf einem guten Weg und zeige die Vorteile von gebündelten Leistungen. Anschließend diskutierte Schneider mit Christian Hiß von der Regionalwert AG und Rolf Winter vom Gut Wulksfelde Aspekte regionaler Versorgung und Wertschöpfungsketten.

 


Plädierte in ihrem Vortrag für mehr Vernetzung: Frauke Tengler, Vizepräsidentin, DRK-Landesverband Schleswig-Holstein

 

 

Im Anschluss berichteten Referenten aus Baden-Württemberg, Hamburg und Schleswig-Holstein aus der Praxis:

 

In Zukunft: Vernetzte Angebote sozialer Träger
Frauke Tengler, Vizepräsidentin, DRK-Landesverband Schleswig-Holstein


Regional Handeln: Produkte, Kreisläufe und Wertschöpfungsketten

Christian Hiß, Vorstand, Regionalwert AG
Rolf Winter, Geschäftsführer, Gut Wulksfelde


Gemeinsam geht mehr: neue Kooperationen im Amtsbereich
Andreas Betz, Amtsdirektor, Amt Hüttener Berge

 


   
Im Gespräch: Staatssekretärin Dr. Silke Schneider mit Dieter
Witasik (ews group)

  Engagierte Begrüßung zum MarktTreff-Beirat:
Torsten Geerdts, Vorstand des DRK-
Landesverbandes Schleswig-Holstein

 

Alle Referenten sprachen sich für mehr Vernetzung und Kooperation aus - Winter: „Der Einzelkämpfer ist der Typ von gestern." Motivation könne nur mit eindeutigen Vorteilen erreicht werden, auch wenn diese idealistischer Art seien. Im sozialen Bereich verlange insbesondere der stark zunehmende Flüchtlingsstrom gemeinsame neue Lösungen. Im kommunalen Sektor sei ein koordiniertes Vorgehen mit praxisbezogener Ausrichtung erfolgversprechend - Andreas Betz: „Beginnen Sie mit Feuerwehr-Handschuhen und nicht mit dem Löschzug".

 


Anregende Diskussion von Hermann-Josef Thoben (MELUR), Frauke Tengler (DRK SH), Andreas Betz (Amt Hüttener Berge), Christian Hiß (Regionalwert AG), Rolf Winter (Gut Wulksfelde) und Ingwer Seelhoff (MarktTreff-Projektmanagement) (v.l.n.r.)

 

In seiner Begrüßung zur MarktTreff-Beiratssitzung ging Torsten Geerdts, Vorstand des DRK-Landesverbandes Schleswig-Holstein, insbesondere auf die Frage ein, wie junge Menschen langfristig für eine gesellschaftliche Arbeit gewonnen werden könnten. Das DRK würde neben drei Schulen für Altenpflege rund 300 jungen Menschen einen Platz im Freiwilligen Sozialen Jahr bieten. Zudem bilde das DRK die gesamte demografische Entwicklung ab. Er sehe künftig erhebliche Mängel an Pflegekräften auf die Gesellschaft zukommen.