Erfahrungsaustausch konkret: MarktTreff-Betreiber diskutierten Stellschrauben für erfolgreiche Märkte

R a n t r u m  MT 24.09.2014 − „Drei Faktoren machen einen erfolgreichen Laden aus: mehr Umsatz, geringere Kosten, höhere Spanne. Aber: Wie schaffen wir das?" Mit dieser Frage eröffnete Kaufmann Sven Lück seinen Vortrag auf der diesjährigen Herbsttagung der MarktTreff-Betreiber. Damit traf er genau den Nerv der Kaufleute aus ganz Schleswig-Holstein, die sich erstmals im nordfriesischen Rantrum über Erfolgsfaktoren und aktuelle Trends austauschten.

 



MarktTreff-Betreiber aus ganz Schleswig-Holstein kamen in Rantrum zum zweimal jährlich stattfindenden Erfahrungsaustausch zusammen.

 

Sven Lück (u.) weiß sehr genau, wovon er spricht. Er ist versierter Kaufmann, seine Familie betreibt Lebensmittelläden in der dritten Generation. Nach einer Ausbildung im Groß- und Einzelhandel und weiteren Stationen bei der EDEKA in Hamburg, kam er zurück nach Nordfriesland. Seit 1998 führt er in Leck einen Edeka-Markt mit aktuell 1.600 qm Verkaufsfläche - vor einigen Monaten hat er zusätzlich den Sprung nach Stadum gewagt.

 

In der 1.000-Einwohner-Gemeinde, ebenfalls im Kreis Nordfriesland gelegen, stand nach einem Ladenbrand der MarktTreff leer. Lücks erste Reaktion auf die Anfrage des Bürgermeisters war Ablehnung. Doch nach einem Gespräch mit seinen Mitarbeitern änderte sich diese Haltung. Mit zwei Vollzeitkräften und maßgeschneidertem Konzept eröffnete er einen „Dorfladen" in Stadum. Auf rund 200 Quadratmeter Fläche gibt es ein Sortiment, angepasst an die Nachfragen und Wünsche der lokalen Kundschaft. Die Belieferung hat Lück selbst übernommen, in der ersten Zeit mit PKW und Anhänger, mittlerweile mit einem 3,5-Tonner. Acht Rollcontainer gehen so täglich vom großen Markt in Leck auf Tour.

 

Die „Begeisterung für das Experiment" war Sven Lück bei jedem Wort anzumerken. Hier sprach ein Macher mit Freude an der Herausforderung. Dieser Funke muss ebenfalls in Stadum gezündet haben: Die Bürger stünden hinter „ihrem Kaufmann", alle seien froh, dass es wieder einen Laden und Treffpunkt im Dorf gebe, hob Lück hervor. Die Startphase sei für ihn geglückt, jetzt hätte die Arbeit „an den vielen kleinen Stellschrauben" begonnen. Kältemaschinen würden zu viel Strom fressen, Randsortimente wie Bio, Vegan, laktose- und glutenfrei müssten aufgebaut werden. Das größte Problem aber sei die mangelhafte Datenverbindung: kein DSL in Stadum, das ginge gar nicht.

 

 

Diesen Faden griff Horst Feddersen, Bürgermeister der gastgebenden Gemeinde Rantrum, gern auf. Er selbst würde seit 17 Jahren für eine attraktive Gemeinde als Bürgermeister kämpfen. Dazu gehörten außer schnellen Datenverbindungen eine Schule, vielfältige Freizeiteinrichtungen und natürlich ein Kaufmann. Mit dem MarktTreff hätte die Gemeinde einen großen Schritt nach vorn getan. Zu der Investition von insgesamt rund zwei Millionen Euro wäre die Gemeinde ohne die Förderung von 750.000 Euro durch das Land Schleswig-Holstein über die Maßnahme AktivRegion nicht in der Lage gewesen.

Das Multifunktionszentrum sei heute Mittelpunkt fürs Dorf - und dies werde er auch für 45 neue Baugrundstücke sein - und somit Magnet für junge Familien, die man so an die Gemeinde binden könne. Voller Stolz wies Feddersen auf weitere Errungenschaften wie ein neues „MarktTreff-TV" und das in Planung befindliche MarktTreff-Mobil für alle Generationen hin.

 

Kaufmann Michael Otto, der in Rantrum den MarktTreff betreibt, lobte die enge Vernetzung mit der Gemeinde. Er hätte täglich 400 bis 500 Kunden im Laden, die vielfach den Treffpunkt nutzen würden. An seinen „Stellschrauben" würde er ebenfalls permanent arbeiten. Neu sei ein „Kundenwünsche-Buch", ansonsten sei ein gutes Team wichtiger Erfolgsfaktor: „Insbesondere, wenn sie mehrere Standorte zu betreuen haben. Denn du kannst nicht überall zugleich sein", so Otto.

 



Kaufmann Volker Stiefel aus Tetenhusen (l.) im Gespräch mit Martina
Goetz von der Beruflichen Bildung im DHB und Michael Otto aus
Rantrum (r.)
Zwei, die stetig nach Verbesserungen suchen, tauschen sich aus:
Sven Lück (l.) und Michael Otto (r.)

 

Eine intensive Diskussion entbrannte beim Austausch über die aktuelle „Spannenabsenkung" bei großen Lieferanten. Die Preiserhöhungen der Industrie würden zu reduzierten Handelsspannen sowohl bei den Lieferanten als auch bei den Einzelhändlern führen. Diese Entwicklung werde mit einer gewissen Sorge beobachtet.

 

Der ab 1. Januar 2015 flächendeckend geltende „Mindestlohn" führe ebenfalls zu Kopfschmerzen. Hier seien eine Reihe handwerklicher Fehler gemacht worden, die niemand so richtig verstehe. Volker Stiefel, Betreiber in Tetenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg) und aktiv im Einzelhandelsverband Nord, verwies auf eine informative Broschüre des HDE zum „neuen Mindestlohngesetz". Insgesamt zeigte er sich begeistert von der Tagung: „Ein toller Erfahrungsaustausch mit einem hohen Nutzen für uns alle."

 

              

Zum Abschluss der Tagung wurden von der ews group im Namen von Kulturministerin Anke Spoorendonk
weitere MarktTreffs als KulturOrte im „Jahr der kulturellen Bildung 2014" ausgezeichnet. Es freuten sich
Bürgermeister Rüdiger Brümmer aus Ladelund (l.) sowie Kaufmann Michael Otto und Bürgermeister
Horst Feddersen aus Rantrum (r.)