15 Jahre MarktTreff: 33 Gemeinden profitieren mittlerweile von neuer Nahversorgung

K i e l MT 26.06.2014 − „Was im Jahr 1999 noch unter dem Begriff ländliches Dienstleistungszentrum begann, ist heute ein anerkanntes Modell der Nahversorgung. MarktTreff entwickelt sich stetig weiter - und die Familie wächst", resümiert Hermann-Josef Thoben aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) die Ergebnisse der jährlichen Standortbereisung. Das Beraterteam der ews group und der BBE Handelsberatung hat gerade in vielen Einzelgesprächen die wirtschaftliche Lage der aktuell 33 MarktTreffs sowie die Zufriedenheit in den Gemeinden mit der wohnortnahen Versorgung ermittelt und diskutiert.


In diesem Sommer soll noch die Eröffnung des 34. MarktTreffs in Heidgraben (Kreis Pinneberg) erfolgen.
„Die Gemeinden in Schleswig-Holstein setzen auf die Vorteile, die eine Bündelung verschiedener Angebote mit Dienstleistungen und Treffpunkt unter einem Dach bringt", so Thoben weiter. „Mittlerweile wird die Grundidee auf andere Bereiche übertragen wie Bildung, Kultur und Soziales."

 

So sind gerade 17 der MarktTreffs als „KulturOrte" des Landes ausgezeichnet worden. Mit Angeboten wie Lesungen, Kinoabende, Tauschbibliotheken, Vorträgen, Theateraufführungen und der Nutzung neuer Medien tragen sie zur kulturellen Bildung in ihren Gemeinden bei.

 

Die wirtschaftliche Entwicklung im Berichtszeitraum des Jahres 2013 liest sich in Zahlen so: Die überwiegende Anzahl der Läden haben sich positiv entwickelt: zwölf erzielten im Jahr 2013 ein stabiles Ergebnis, fünf Betreiber steigerten sogar Umsatz und Ertrag. In einer Phase des Auf- und Umbruchs sind zehn Standorte, da sie gerade den Betrieb aufnehmen oder einzelne Aspekte verändern. Dazu kommen drei Standorte, die ihr Konzept oder den Standort gänzlich neu ausrichten. In vier Gemeinden ist das wirtschaftliche Ergebnis nicht zufriedenstellend. 

   
  Die Kasseedorfer Bürgermeisterin Regina Voß und
Karl-Otto Sadler vom Bürgerverein "Kiek in" freuten
sich über die Auszeichnung als KulturOrt.

 

Martin Schramm von der BBE Handelsberatung sieht seine Einschätzung bestätigt: „Die MarktTreffs behaupten sich im Wettbewerb. An einigen Standorten macht sich die Einbindung in ein funktionierendes Filialsystem bezahlt, dies trägt zum Wachstum bei. An sieben Standorten werden wir in den kommenden Monaten mit den Kaufleuten an einer Verbesserung der Ergebnisse arbeiten." Insgesamt habe sich die Lage des Einzelhandels weiter zugespitzt. Die Expansion der Discounter werde fortschreiten - mit teilweise ruinöser Preisgestaltung. „Das bekommen natürlich auch unsere MarktTreffs zu spüren. Die Kaufleute setzen dem ein Mehr an Service und persönlicher Kundenbindung entgegen", so Schramm. Die Gemeinden wüssten schon genau, was sie an ihren MarktTreffs hätten. Außer einem umfassenden Warenangebot würden soziale Aspekte wesentlich zur Nutzung beitragen: Der MarktTreff-Betreiber als Gesprächspartner, Kümmerer und Seelsorger. „Das ist wichtig. Aber am Ende des Tages müssen unsere Kaufleute satt werden. Auch über Wege zur Sicherung einer auskömmlichen Altersversorgung müssen wir sprechen."


Die Entwicklung beobachten ebenfalls die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der MarktTreff-Gemeinden sehr sorgfältig. „Wir in Steinfeld haben einen der ersten MarktTreffs. Das Konzept ist gut, unser Laden ein echter Gewinn für alle. Hier wird eingekauft, hier trinken über den Tag rund 25 Leute ihren Kaffee und klönen. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich", schwärmt Bürgermeister Heinrich Buch. Die Vereine, die Gemeinde, der Kindergarten, die Schule kauften im MarktTreff, dafür werbe er regelmäßig. Sorgen bereite ihm eine aktuelle Befragung zu einem „mobilen Supermarkt": „Wichtig ist, dass wir uns die guten Läden dadurch nicht selbst kaputt machen. Die Angebote müssen vernünftig aufeinander abgestimmt sein, sonst haben wir am Ende gar nichts mehr - und das Gejammer ist dann groß."


Insbesondere für ältere Bürger ist die Versorgerfunktion der MarktTreffs ein konstant wichtiger Faktor. Der tägliche Bedarf wird gern vor Ort gedeckt, am besten mit Bank, Post und Lotto kombiniert. Gespräche im Treffpunkt oder „über das Regal hinweg" gehören zu einem attraktiven Dorfleben dazu. Diesen besonderen MarktTreff-Mix schätzen die drei großen Lieferanten Bartels-Langness, coop und EDEKA gleichermaßen. Sie ermöglichen den angeschlossenen Läden, an überregionalen Aktionen teilzunehmen und sichern ihnen marktgerechte Preise.

 

              

Zudem können bereits bestehende MarktTreffs Impulse innerhalb von Gemeinden verstärken, so beispielsweise in Großsolt (Kreis Schleswig-Flensburg). Laut Bürgermeister Wilfried Surrey will die Gemeinde als Ortsmitten-Entwicklung auf einem weiteren Grundstück in einem historischen Gebäude die „Mühle der Begegnungen" umsetzen - ein generationsübergreifendes Projekt in enger Anbindung zum erfolgreichen MarktTreff. 

 

An eine Verlagerung des MarktTreff-Standortes denkt die Gemeinde Klein Rönnau im Kreis Segeberg. Da sich das bisherige Gebäude als nicht attraktiv genug für einen MarktTreff herausgestellt hat, so Bürgermeister Dietrich Herms, werde nun überlegt, MarktTreff-Elemente in das Rönnauer Haus mit Sportverein und Kindergarten zu integrieren.

 

Der MarktTreff ist wichtiger Bestandteil bei der
Entwicklung eines neuen Dorfzentrums in Großsolt.
 

 

Wie wichtig es ist, dass Gemeinden und Ehrenamtler Hand in Hand bei der Entwicklung von MarktTreffs zusammenarbeiten und die Kaufleute zielführend unterstützen, zeigt sich an den jüngst eröffneten MarktTreff-Standorten Morsum, Rantrum (beide Kreis Nordfriesland) und Hohenfelde (Kreis Plön). Als beispielhaft nannte Lebensmittelhändler Willi Alpen die Zusammenarbeit mit der Ostseegemeinde Hohenfelde in der Planungs- und Realisierungsphase: „So etwas haben wir in unserer langjährigen Firmengeschichte noch nicht erlebt, dass wir gefragt wurden ,Was braucht ihr noch? Wo können wir wie helfen?ʻ ", sagt der Betreiber von gleich mehreren Läden in der Region.