Ideenreicher Erfahrungsaustausch – MarktTreffs überzeugen mit Neueröffnungen

Schwesing MT 28.11.2013 - Beim diesjährigen Treffen der Gemeinden mit bestehenden oder geplanten MarktTreffs gab es gleich eine doppelte Premiere. Zum einen begrüßte Wolfgang Sokoll, Bürgermeister der Gemeinde Schwesing (Kreis Nordfriesland), die aus ganz Schleswig-Holstein angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im erst eine Woche zuvor eröffneten MarktTreff „Alte Schule". Zudem waren erstmals Gäste aus der Gemeinde Morsum auf Sylt dabei und zeigten sich begeistert vom intensiven Informations- und Gedankenaustausch. Dabei standen die Themen „Neue Konzepte für die Nahversorgung" sowie Ortsentwicklung, Genossenschaften, Bürgerbus und „Kümmerer-Modelle" im Mittelpunkt.

 

 

MarktTreff-Bürgermeister, -Betreiber und -Planer nutzten das Treffen in Schwesing zur Information und zum regen Austausch.

 

Einen Überblick über die aktuelle Gesamtlage gab Ingwer Seelhoff, Geschäftsführer der projektbetreuenden ews group aus Lübeck. Dabei stellte er eine Reihe in Entwicklung befindlicher MarktTreff-Standorte vor. Besonders begrüßte er die Gäste von der Insel Sylt: „In Morsum soll am 1. April 2014 ein weiterer MarktTreff eröffnet werden. Mit viel Engagement schaffen hier alle Beteiligten, von Bürgermeisterin, Gemeindevertretung und Vereinen bis Betreiber und Planer eine ganz besondere Lösung. Alles unter einem Dach - dieses Motto wird umfassend Realität."
Weiter ging Seelhoff auf zahlreiche Medienveröffentlichungen und Veranstaltungen mit MarktTreff-Beteiligung ein. In diesem Zuge kündigte er die Teilnahme des Vorzeige-Projektes auf der Internationalen Grünen Woche 2014 in Berlin an - erneut mit einer Reihe fachkundig besetzter Gesprächsrunden zu Nahversorgung und der Entwicklung in den ländlichen Räumen.

 

   

Zwei Bürgermeister berichteten über das interkommunale MarktTreff-Konzept: Wolfgang Rudolph, Wester-Ohrstedt (links) und Wolfgang Sokoll, Schwesing.
  Süßes zur Eröffnung: MarktTreff-Betreiber Maik Schultze aus Witzwort (rechts) überrascht Bürgermeister Sokoll.

 

Zum Hauptthema „Vorbild MarktTreff - neue Konzepte" stellte Horst Feddersen, Bürgermeister aus Rantrum (Kreis Nordfriesland) fest: „Zu einer wachsenden Gemeinde mit jetzt 1.700 Einwohnern gehören ein attraktiver Kaufmann und viele weitere Angebote einfach dazu." Gerade sei Richtfest für den MarktTreff als neuen Mittelpunkt der Gemeinde gefeiert worden - und man sei nun sehr stolz auf das Ergebnis: Neben dem Kaufmann würden ein Bürger- und Touristenbüro, Post, Lotto, Rentenberatung, DRK, Mädchentreff, Mediathek sowie voraussichtlich eine Tankstelle und ein attraktiver Marktplatz mit Sitzgelegenheiten die Angebotspalette ergänzen. „Unser MarktTreff ist eine Antwort auf den demografischen Wandel. Wir sind offen für weitere Ideen", fasste Feddersen zusammen. Die Eröffnung am neuen Standort sei in etwa zehn Wochen geplant.

 

 

Einen langen Atem haben die MarktTreff-Engagierten am Standort Heidgraben. Die Gemeinde im Kreis Pinneberg entwickelt seit Jahren eine neue Ortsmitte. Als ein Baustein wird jetzt ein MarktTreff mit vielen neuen Angebotskomponenten gebaut. 

Die Eröffnung ist ebenfalls für Anfang 2014 vorgesehen. Darüber berichtete Manfred Langer, frisch ausgewählter Betreiber für den Ladenbereich und zugleich Vorsitzender des Heidgrabener Sportvereins. MarktTreff sei Mittelpunkt einer Siedlungsentwicklung und eine Besonderheit sei die starke Einbindung der Bürgerinnen und Bürger. In Heidgraben befinde sich die erste Genossenschaft im Zusammenhang mit MarktTreff in Gründung: „Aktuell haben mehr als 90 Bürger Anteile gezeichnet - und wir sind optimistisch, dass noch weitere dazukommen. Unser Ziel ist eine Gesamtsumme von rund 75.000 Euro, die für Finanzierung und Kauf des Inventars verwendet werden soll", so Langer. Die Rendite für die „Genossen" sei der MarktTreff mit seiner Einkaufsmöglichkeit und seinen Angeboten.

 

Diese beispielhafte Initiative griff Christina Pfeiffer aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) auf und lobte den Mut und die Beharrlichkeit der Menschen in Heidgraben. Der Genossenschaftsgedanke solle künftig noch intensiver verfolgt werden. Dazu werde man den Gemeinden neue, attraktive genossenschaftliche Lösungen zur Finanzierung der Bereiche Infrastruktur, Warenerstausstattung bis hin zu Energiemodellen vorschlagen. Die Konzepte seien derzeit mit dem Zentralverband der deutschen Konsumgenossenschaften in der Abstimmung.

 

Im Anschluss erläuterte Hermann-Josef Thoben, ebenfalls vom schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerium, den Teilnehmern die aktuelle Entwicklung im Rahmen der EU-Förderpolitik. „Das neue EU-Förderprogramm startet in Schleswig-Holstein für die ländliche Entwicklung im Jahr 2015 und bietet Planungssicherheit bei den Fördermitteln bis 2023. Somit haben Sie genug Zeit, neue Entwicklungen auf den Weg zu bringen. Dabei geht es um die Frage: Wie wollen Sie in Ihren Gemeinden in den nächsten 10 bis 15 Jahren leben?" Neben den klassischen Themen der Nahversorgung, der Kultur, des Tourismus solle es verstärkt um das Thema Bildung gehen. „Hier brauchen wir noch neue starke Bilder für attraktive Lösungen", so Thoben in seinem Appell an die Kommunalvertreter, künftig mehr in größeren Räumen zu denken und zu planen. Dabei verwies er anerkennend auf das Beispiel der gastgebenden Gemeinden Schwesing und Wester-Ohrstedt, die „ihr Markttreff-Modell in einer interkommunalen Kooperation" entwickelt hätten.

 

Eine positive Bilanz der Veranstaltung zog Alfred Bartling, Ehrenvorsitzender der Kulturfreunde Morsum / Sylt, und schloss mit einem Ausblick: „Wir freuen uns sehr auf die Eröffnung unseres MarktTreffs im Frühjahr 2014. Auch wenn es nicht immer einfach war, sind wir dennoch froh, diesen Schritt rechtzeitig gegangen zu sein. Vielleicht treffen wir uns alle im kommenden Jahr auf der Insel." Der Austausch mit anderen MarktTreff-Gemeinden, -Vereinen und -Betreibern gäbe gute Impulse und Anregungen für die eigene Arbeit.

 


   

Intensives Gespräch zum Einzelhandel: BBE-Berater Martin Schramm, Martina Goetz, Berufliche Bildung im Deutschen Hausfrauenbund und Christina Pfeiffer aus dem Landwirtschaftsministerium
  Dialog über Mobilitätskonzepte: Hermann-Josef Thoben (MELUR, links) mit Ladelunds Bürgermeister Rüdiger Brümmer