Nahversorgung und MarktTreff: Es wird eröffnet, gebaut und vernetzt

KIEL MT 12.11.2013 - Eine attraktive Nahversorgung steht derzeit auf vielfältige Weise im Fokus. In Schwesing (Kreis Nordfriesland) ging am 8. November der 30. MarktTreff an den Start – als Teil des interkommunalen Gemeinschaftsprojektes mit der Nachbargemeinde Wester-Ohrstedt. An den Standorten Rantrum, Heidgraben und Hohenfelde ist der Baufortschritt bei den MarktTreffs deutlich sichtbar. Und gerade standen MarktTreff und die Aspekte Bildung, Mobilität und Gesundheit auf der Agenda einer Veranstaltung zu Nahversorgungsthemen beim Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume in Flintbek.

 

Mit dem neu gebauten MarktTreff „Alte Schule" öffnete jetzt die Nummer 30 des schleswig-holsteinischen Nahversorgungsmodells. Schwerpunkt ist dort der Treffbereich, ergänzt um Backwaren und kleines Lebensmittelangebot, das Kaufmann Gisbert Dietrichs aus Wester-Ohrstedt anbietet. Betreut und gemanagt wird der MarktTreff, zu dem auch ein Bouleplatz gehört, durch den Verein MarktTreff „Alte Schule" Schwesing.

 


 
Bürgermeister Wolfgang Sokoll und MarktTreff-Vereinsvorsitzender Erich Kuhn (links) vor dem neuen MarktTreff.
  Beim offiziellen Empfang herrschte bereits Gedränge im MarktTreff.

 

Bürgermeister Wolfgang Sokoll ließ die Entstehungsgeschichte des MarktTreffs in seiner Gemeinde und des interkommunalen Gesamtprojektes mit der Nachbargemeinde Wester-Ohrstedt Revue passieren, das als landesweites Leuchtturm-Projekt von den schleswig-holsteinischen AktivRegionen ausgewählt worden war. Sokoll dankte insbesondere Erich Kuhn, dem Vorsitzenden des Vereins MarktTreff „Alte Schule" Schwesing e. V., und seinen Mitstreitern, Projektmanagerin Eva Müller-Meernach (GLC) und dem Leitenden Verwaltungsbeamten Gerd Carstensen vom Amt Viöl für die intensive und erfolgreiche Begleitung. Bürgermeister Wolfgang Rudolph gratulierte den Schwesingern zu ihrem MarktTreff und kündigte gleichzeitig die Eröffnung in Wester-Ohrstedt für den 16. Dezember an. Schwesing und Wester-Ohrstedt hätten keine Angst vor der Zukunft – sie besäßen Mut und sähen die Zukunft als Chance. Mit dem interkommunalen Gesamtkonzept hatten die beiden Gemeinden den ersten Platz beim Leuchtturmprojekt-Wettbewerb der AktivRegionen im Dezember 2011 belegt und entsprechend Fördergelder erhalten.

 


 

Bürgermeister Wolfgang Sokoll übergab den Symbolischen Hausschlüssel an Erich Kuhn (links), den Vorsitzenden des MarktTreff-Vereins.
  Wolfgang Rudolph gratulierte als Bürgermeister der interkommunalen Partnergemeinde Wester-Ohrstedt.

 

Husums Bürgermeister Uwe Schmitz ging auf das nicht immer einfache Verhältnis zwischen einem Mittelzentrum wie Husum und den umliegenden Gemeinden ein. Er freue sich aber, gerade bei der MarktTreff-Eröffnung in Schwesing dabei zu sein, denn das Projekt zeige ein Engagement auch im bürgerschaftlichen Bereich, an dem sich Städter – auch in Husum – ein Beispiel nehmen könnten.

 


 
Husums Bürgermeister Uwe Schmitz gratulierte.
  Pastor J. Kaphengst schenkte zur Eröffnung Krokus-Zwiebeln - als Symbol der bunten Vielfalt im MarktTreff.

 

Redner aus dem Amtsbereich, von der AktivRegion und der Kirche unterstrichen die Besonderheit und das hohe Engagement rund um den MarktTreff in Schwesing. Ein einzigartiges Geschenk brachte Frauke Johannsen, die Witwe des ehemaligen Dorfschuldirektors, mit: die Schulglocke, mit der die Kinder früher zum Unterricht gerufen wurden – dort, wo heute am ehemaligen Schulstandort der moderne MarktTreff entstanden ist.

 

 
Amtsvorsteher Thomas Hansen (links) und Gerd Carstensen übergaben Boulekugeln für den MarktTreff.
  Frauke Johannsen überreichte die ehemalige Schulglocke an den MarktTreff.

 

Hermann-Josef Thoben aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume wies auf die beispielhafte Kooperation von Schwesing und Wester-Ohrstedt hin. Das Projekt habe eine Strahlkraft über Schleswig-Holstein hinaus. Zu Recht seien die beiden Bürgermeister bereits bei Veranstaltungen der IHK Schleswig-Holstein oder auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin gefragte Gesprächspartner gewesen. Ingwer Seelhoff vom landesweiten MarktTreff-Projektmanagement wies abschließend darauf hin, dass sich beide Gemeinden schon jetzt auf zahlreiche interessierte Besuchergruppen einstellen könnten.

 


 
Hermann-Josef Thoben betonte die Besonderheit der Zusammenarbeit zwischen Schwesing und Wester-Ohrstedt.
  Der Kinder des benachbarten Kindergartens brachten zur Eröffnung ein Ständchen und übergaben Rosen.

 

 

BNUR-Veranstaltung zu „Nahversorgung in ländlichen Räumen"

 

Eva Müller-Meernach (Leiterin Kommunalberatung, GLC), Bernd Blohm (Bürgermeister der Gemeinde Brodersby) und Thomas Loch (Vertriebsleiter sky) berichteten im Gespräch mit Moderator Dieter Witasik (ews group) über ihre Erfahrungen aus annähernd 15 Jahren MarktTreff und diskutierten über Erfolgsfaktoren und Entwicklungen. Eva Müller-Meernach begleitet das Projekt MarktTreff von der ersten Stunde an im Jahr 1999 und fasste für die interessierten Teilnehmer zusammen, wie ein MarktTreff erfolgreich entwickelt wird: „Grundlage sollte eine echte Betroffenheit im Dorf sein, dann sollte die Lage ehrlich analysiert werden. Weiter braucht es engagierte Bürger. Und nicht zu unterschätzen: Zeit und Geld. Und bitte bringen Sie die nötige Geduld mit - die Entwicklung eines MarktTreffs kann einige Monate bis Jahre in Anspruch nehmen."

 

Bürgermeister Bernd Blohm betonte besonders den Aspekt einer guten Verankerung in der Gemeinde und die Bedeutung des Kaufmanns: „Er muss zum Dorf passen. Wir haben mit unserem Alf Schmidt einen echten Glücksgriff getan. Und als Bürgermeister muss man auch mal Gegenwind aushalten."

 


 
Bürgermeister Bernd Blohm und Projektentwicklerin Eva Müller-Meernach vermittelten im Gespräch mit Moderator Dieter Witasik (rechts) ihre Erfahrungen.
  Thomas Loch verdeutlichte die neuen Ansätze in der Nahversorgung, auf die die coop eG baut.

 

Thomas Loch von der coop eG berichtete über den zunehmenden Wettbewerbsdruck im Einzelhandel, der auch im ländlichen Raum spürbar sei. Die coop würde hier an neuen Konzepten arbeiten und an der Präsenz in der Fläche festhalten: „Wir machen gerade sehr gute Erfahrungen mit dem neuen „sky city"-Modell. Davon erhoffen wir uns Impulse für unsere Vertriebskonzepte Topkauf und MarktTreff für ländliche Gemeinden."

 

 
Mathias Fiedler, Geschäftsführer und Vorstand des Zentralverbandes der deutschen Konsum-genossenschaften, erläuterte die Chancen und Herausforderungen bei der Gründung einer Genossenschaft.
  Mathias Fiedler, Geschäftsführer und Vorstand des Zentralverbandes der deutschen Konsumgenossenschaften, erläuterte die Chancen und Herausforderungen bei der Gründung einer Genossenschaft im Gespräch mit Moderator Dieter Witasik (rechts).

 

In einer zweiten Runde mit Hans-Joachim Thadewaldt (Vorsitzender Munkbrarup Freizeit e. V.), Frerk Matthiesen (Amt Südtondern) und Marion Moormann (Projektmanagerin im Gesundheitswesen) ging es um die Themen Bildung, Mobilität und Gesundheit. Übereinstimmend berichteten die Gesprächspartner über die hohe Bedeutung von „Kommunikation und Kooperation".

 

Thadewaldt stellte die Idee eines „regional vernetzten Sportbüros" für Angeln vor - als Antwort auf die zunehmende demografische Herausforderung. Hier wisse er sich im Einklang mit dem Landessportverband. Matthiesen stellte in seinen Ausführungen das Modell eines „Kümmerers" als Anlaufstelle für Mobilität vor: „In Stedesand hat die Gemeinde eine Mitarbeiterin auf 400 Euro-Basis eingestellt, die als Bezirksdame des DRK-Ortsvereines schon entsprechende Vernetzungen hat, die ältere Bürgerinnen und Bürger besucht und ihnen erstmal nur zuhört." Daraus entwickelten sich dann konkrete Aufgaben und Hilfen, die bearbeitet würden. Im Zusammenhang mit dem Masterplan Daseinsvorsorge Nordfriesland werde man sich im Amtsbereich mit der Bildung von „Kooperationsräumen" auseinandersetzen, um ein Konzept für bedarfsgerechte und vernetzte Mobilitätsangebote, gekoppelt an die Bündelung von Versorgungsangeboten zu entwickeln.

 

Moormann sprach über einen Handlungsleitfaden zur ärztlichen Grundversorgung im Kreis Steinburg: „Aktuell sind 32 Prozent der Ärzte über 60 Jahre. Alle Gemeinden sollten sich frühzeitig mit dem Thema eines möglichen Praxisverlustes befassen, um dann rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen." Weiter sei das neue Monitoring zur ärztlichen Versorgung im Kreis beispielhaft.

 

 

 

In seinem Resümee hob Hermann-Josef Thoben vom mitveranstaltenden Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume die Bedeutung der Veranstaltung hervor: „Was wir heute erlebt haben, sind eindrucksvolle Beispiele, wie Regionen, Gemeinden und Bürger sich aktiv mit Demografie und Nahversorgung befassen. Im Zentrum stehen dabei immer engagierte Menschen, die andere begeistern und mitreißen. So bleibt unsere Lebensqualität auf hohem Niveau."