MarktTreff ist ein Vorbild für den Einzelhandel auf dem Land

K i e l MT 19.02.2013 - Der Einzelhandelsverband Nord e. V. (EHV Nord) ist seit kurzem Partner der MarktTreffs. Monika Dürrer, Geschäftsführerin des EHV Nord, hat die Partnerschaft wesentlich mit angeregt und die Verein-barung unterzeichnet. Sie sieht die Versorgung in ländlichen Regionen - nicht nur in Schleswig-Holstein - vor großen Herausforderungen. Im Interview erläutert Monika Dürrer ihre Sicht und äußert sich zu Perspektiven.

 

 

Frage: Wie ist es um den Einzelhandel, insbesondere die Nahversorgung, in ländlichen Regionen bestellt?

In den meisten Regionen geht das alles zum Glück noch recht gut. Die Einzelhandelsdichte in Schleswig-Holstein ist ausgesprochen hoch und die Versorgung der Menge nach auf jeden Fall gesichert. Allerdings beobachten wir, dass es vereinzelt kleine Gemeinden gibt, in denen es im Zuge des demographischen Wandels - also der Alterung und der Ausdünnung der Bevölkerung - keine direkte Versorgung am Wohnort mehr gibt, sondern weitere Strecken bis zum nächsten Lebensmittelmarkt in Kauf genommen werden müssen. Das ist insbesondere für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, in der Regel aber öfter kleinere Mengen einkaufen, ein Hemmnis.

 

Frage: Was hat den Einzelhandelsverband zu einer Partnerschaft mit MarktTreff bewogen?
Zum einen geht es beim MarktTreff-Konzept um den Einzelhandel. Da haben wir als Einzel-handelsverband sozusagen ein natürliches Interesse. Zum anderen ist es der gerade von mir geschilderte Fall: die sich auftuenden Versorgungslücken im ländlichen Bereich. Dort, wo die Kaufkraft für einen modernen durchschnittlichen Supermarkt zu gering ist, gerade die ältere Bevölkerung aber nicht mehr mobil genug ist, um weite Strecken zum Einkaufen zurückzulegen. Hier schließen die MarktTreff-Konzepte die Lücke ganz hervorragend. Das wollen wir unterstützen und zugleich darauf achten, dass tragfähige und wirtschaftliche Konzepte umgesetzt werden.

 

Frage: Worin sehen Sie die Stärken von MarktTreff?

Im Faktor Mensch - in der Beteiligung der Gemeinschaft vor Ort. Die Menschen, die in einer Gemeinde leben, wissen am besten, was sie wollen, und dafür setzen sie sich ein, dafür machen sie sich selbst stark. Gemeinschaftssinn und Kommunikation in der Gemeinde zu erhalten, alle Generationen zusammenzubringen und dabei auch bewusst Gegensätze zuzulassen - das schafft Raum für Kreativität und neue Ideen. In vielen Bereichen erleben wir zurzeit eine Art Rückbesinnung auf traditionelle Werte, auf Heimat, auf das Vertraute. Selbst die großen Supermarkt-Unternehmen entwickeln kleinere Konzepte, um zum Beispiel in Innenstadtlagen oder in kleineren Zentren neue Möglichkeiten zu erschließen. So gesehen liegen die MarktTreffs voll im Trend.

 

Frage: Welche Perspektiven sehen Sie für MarktTreff?
Die Perspektiven der MarktTreffs sehe ich nicht in der unendlichen Expansion, sondern im gezielten Einsatz an Orten, aus denen sich andere teilweise schon verabschiedet haben. Zugleich könnten sie im gerade beschriebenen Sinne auch Wegweiser für kleinere Formate sein. Die Kooperation mit den größeren Playern auf der Lieferseite funktioniert ja schon gut. Da ist es durchaus denkbar, dass es durch den Austausch und die Kommunikation untereinander auch zu neuen Konzepten und Ideen für andere Standorte kommt. Im Handel sind ja ständig Bewegung, Veränderung und Anpassung angesagt. Auch können wir uns vorstellen, dass das MarktTreff-Konzept auf andere Bundesländer übertragbar ist. Da wir als Verband auch in Mecklenburg-Vorpommern aktiv sind, würden wir es begrüßen, wenn zum Beispiel auch dort die politischen Weichen entsprechend gestellt würden. Sicherlich müsste das Konzept auf die teilweise noch schwächeren regionalen Strukturen angepasst werden.

 

Frage: Auf welche Trends muss sich der Einzelhandel - Stichworte Online / Webshops - einstellen?
Multichannel - also die Nutzung aller Absatzkanäle - ist das Stichwort für die Zukunft. Ein Handelsunternehmen tut gut daran, nicht nur stationär, mit einem Ladenlokal für seine Kunden da zu sein, sondern auch mit einem virtuellen Angebot. Dann hat der Kunde die Möglichkeit, von sich aus zu entscheiden, ob er ins Geschäft kommen und die Ware anfassen oder anprobieren möchte oder ob er lieber auf den Knopf klicken und vom Sofa aus einkaufen möchte. Nicht zu vergessen die Entwicklung der Smart-Phones und Tablet-PCs, die die Information über Produkte und den Einkauf von nahezu überall möglich machen. Hier werden wir in den nächsten Jahren noch viele Veränderungen und Neuerungen sowohl von der Angebotsseite, also vom Handel, als auch von den Kaufgewohnheiten der Kunden beobachten können.

 

Frage: Wird der Online-Handel auch im Lebensmittelbereich ernsthafte Konkurrenz werden?
Der Online-Handel insgesamt ist schon zu einer recht spürbaren Konkurrenz für den gesamten Handel geworden. Etwa sechs Prozent des Handelsvolumens werden im Netz erwirtschaftet. Lebensmittel sind da allerdings noch ein etwas schwierigeres Thema, was vor allem mit Verderblichkeit, Kühlung und natürlich den damit verbundenen Kosten zu tun hat. Im europäischen Vergleich betrachtet, sind Lebensmittel bei uns recht preiswert. Da muss die Kalkulation schon genau stimmen, bevor sich der Lieferwagen mit dem Joghurt-Becher auf den Weg macht. Aber der Handel probiert hier nach wie vor kräftig aus, welche Lösungen von den Kunden angenommen werden, wie die Logistik optimiert werden kann. Gerade im ländlichen Raum gibt es zum Beispiel schon viele Händler, die Bestell- und Bringservices anbieten. Das wird auch spannend bleiben, diese Entwicklungen in die Zukunft zu verfolgen.

 

Frage: Eine persönliche Frage zum Abschluss: Kaufen Sie im Tante-Emma-Laden um die Ecke?
Ich habe lange Zeit in Berlin gelebt. Da heißt die Tante Emma eher Onkel Ahmed und hat in jedem Kiez ein buntes Warenangebot, das fast rund um die Uhr zur Verfügung steht. Wenn man mal was vergessen hatte, brauchte man nie weit fahren. Aber es ist schön, dass Tante Emma, teilweise mit recht modernem Anstrich, fast überall eine kleine Renaissance erlebt. Die Leute mögen die kleinen Läden mit dem persönlichen Kontakt. So geht's mir auch. Sobald ich einen entdecke, muss ich da auch immer rein.