Tagung in Potsdam: MarktTreffs machen Eindruck –
Hermann-Josef Thoben mit SHGT-Ehrennadel ausgezeichnet

Kiel MT 26.11.2012 - Gleich auf mehreren bundes- und landesweiten Veranstaltungen überzeugte das schleswig-holsteinische Projekt MarktTreff die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In Potsdam referierte Christina Pfeiffer aus dem Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR) auf der Tagung „Welches Dorf kann Zukunft haben?" und brachte als Resümee mit: MarktTreffs werden bundesweit sehr positiv gesehen. Hermann-Josef Thoben (MELUR) wurde auf dem Gemeindekongress 2012 mit der Ehrennadel des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages (SHGT) ausgezeichnet.

 

Mit der „Gestaltung sozialer Infrastrukturen bei Bevölkerungsrückgang" befasste sich ein hochkarätig besetzter zweitägiger Experten-Workshop in Potsdam. Mittlerweile sind die Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs in vielen Teilen Deutschlands spürbar und insbesondere in strukturschwachen ländlichen Regionen droht eine Unterversorgung. Gemeinsam wurden Modelle dezentraler Versorgungsmöglichkeiten wie Dorfläden und Gesundheitshäuser diskutiert und ein Bild für den „ländlichen Raum der Zukunft" entwickelt. Christina Pfeiffer überzeugte das Forum mit der Lösung aus dem Norden: der multifunktionale MarktTreff. Sie stellte als eine Besonderheit auch die „Krisenfestigkeit" dieses Modells heraus. Durch starke Partnerschaften von der Gemeinde bis hin zum Land sei es bisher immer gelungen, gute Lösungen bei Schwierigkeiten an einzelnen Standorten zu finden. Besonders erfreut zeigte sich Pfeiffer vom Vorschlag Prof. Klaus Töpfers, ehemaliger Bundesminister und Mitveranstalter der Tagung, der eine bundesweite Ausdehnung von MarktTreffs anregte.

 

Das diesjährige Treffen der Gemeinden mit bestehenden oder geplanten MarktTreffs fand im Dorfgemeinschaftshaus der Gemeinde Hasenkrug, Kreis Segeberg, statt. Dieter Witasik von der projektbegleitenden ews group begrüßte die aus ganz Schleswig-Holstein angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einer erfreulichen Botschaft: Er kündigte den Baustart des MarktTreffs in Heidgraben (Kreis Pinneberg) an. Bürgermeister Udo Tesch stellte die Eröffnung des mit 2,2 Millionen Euro veranschlagten Bauprojektes für Herbst 2013 in Aussicht und genoss sichtlich den Applaus der Anwesenden. MarktTreff bildet in Heidgraben den neuen Mittelpunkt des Dorfes.


 

Thomas Hempel, stellvertretender Bürgermeister von Hasenkrug, begrüßte die Erfa-Teilnehmer.

 

Dieter Witasik berichtete vom Start der Bauarbeiten des
MarktTreffs in Heidgraben.


In mehreren Impulsvorträgen beleuchteten Referenten das zentrale Thema des Abends: Lebenswerte Dörfer, aktive Regionen - MarktTreff im Zentrum. Thomas Masekowitz, Bürgermeister der Gemeinde Kronprinzenkoog (Kreis Dithmarschen), stellte die Planungen seiner Gemeinde für eine zukunftsfähige Entwicklung vor. Eindrucksvoll veranschaulichte er, wie in den vergangenen Jahren zentrale Versorgungseinrichtungen verloren gegangen seien und skizzierte die mögliche Lösung: eine Bündelung von gemeindlichen und kirchlichen Angeboten sowie der Feuerwehr in einem neuen Bürgerhaus - ein MarktTreff würde das Angebot im derzeitigen Feuerwehrhaus ergänzen. Bei der Planung kommt Kronprinzenkoog ein besonderes Plus zugute: eine kommunale Bürgerstiftung, die bei den anderen Gemeinden auf der Erfa auf großes Interesse stieß.

 

 

Thomas Masekowitz, Bürgermeister von Kronprinzen-

koog,stellte die Planungen für seine Gemeinde vor.

 

Die Teilnehmer der Gemeinde-Erfa trafen sich im MarktTreff

Hasenkrug und diskutierten viele Fragen, die durch Impuls-
referate angesprochen wurden.

 

Wenn zwei Gemeinden vertrauensvoll zusammenarbeiten, kann dabei ein interkommunales Projekt entstehen: die geplanten MarktTreffs in Wester-Ohrstedt und Schwesing (Kreis Nordfriesland). Den Weg dorthin beschrieb Gerd Carstensen, Leitender Verwaltungsbeamter aus Viöl. Dabei ging Carstensen auch auf die Hürden und Hemmnisse in der Planung ein. Insbesondere bei der Ausschreibung und Auftragsvergabe sah er die eine oder andere bürokratische Übertreibung. Ehrenamtler seien mit den Anforderungen häufig überfordert und müssten professionelle Hilfe und Begleitung in Anspruch nehmen. Die beiden Bürgermeister Wolfgang Rudolph (Wester-Ohrstedt) und Wolfgang Sokoll (Schwesing) zeigten sich weiter optimistisch in Hinsicht auf ihr bereits als landesweites „Leuchtturmprojekt" anerkanntes Vorhaben und sahen es auf einem guten Weg - die Bürgerinnen und Bürger warteten bereits auf die Eröffnung der Einkaufs-, Dienstleistungs- und Treffangebote. Carstensen fasste seine Ausführungen in einem Fazit zusammen: „Mut, Optimismus, engagierte Mitstreiter und Ausdauer - das gehört zur Entwicklung von MarktTreffs dazu."

 


 

Informierten über das interkommunale Projekt in Wester-Ohrstedt und Schwesing: Wolfgang Sokoll (Bürger-meister von Schwesing), Erich Kuhn (Vorsitzender des MarktTreff-Vereins), Gerd Carstensen (Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Viöl), Bürgermeister

Wolfgang Rudolph (Wester-Ohrstedt) und Fachberater Peter Schubert.

 

Intensiv nutzten die Teilnehmer der Gemeinde-Erfa die Gelegenheit, sich auszutauschen.

 

Ermutigend bat Christina Pfeiffer (MELUR) die anwesenden Bürgermeister auch für das Jahr 2013 - also zum Ende der aktuellen EU-Förderperiode - an der Entwicklung von innovativen Projekten festzuhalten: „Erfahrungsgemäß findet sich immer ein Weg, überzeugende und landespolitisch relevante Projekte umzusetzen." Pfeiffer gab in ihrem Vortrag Ein- und Ausblicke auf die neue EU-Förderperiode von 2014 bis 2020. Die Entwicklung eines neuen Förderprogramms in Fortsetzung des „Zukunftsprogramms ländlicher Raum" (ZPLR) sei ein umfassender und langwieriger Planungsprozess mit vielen Vorgaben und Beteiligten. Die Bürgermeister forderte sie auf, sich an der Entwicklung der regionalen Strategie und Schwerpunktsetzung für ihre AktivRegion zu beteiligen.

 

   

Christina Pfeiffer vom Ministerium gab einen Ausblick auf

die Übergangsphase zur neuen Förderperiode 2014-2020.

   

 

Einen Überblick über den aktuellen Stand von MarktTreff gaben Ingwer Seelhoff (ews group) und Martin Schramm (BBE, Hamburg) vom landesweiten Projektteam. Dabei ging Seelhoff auch auf die gerade stattgefundene Delegiertenversammlung des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages (SHGT) ein. Zahlreiche Bürgermeister aus dem gesamten Land informierten sich im Kieler Schloss zu MarktTreff-Themen und -Entwicklungsmöglichkeiten. Einer der Höhepunkte des Gemeindekongresses war die Verleihung der SHGT-Ehrennadel an Hermann-Josef Thoben. Der langjährige Referatsleiter im MELUR und Initiator der MarktTreffs wurde für seine Verdienste bei der Entwicklung der ländlichen Räume sowie der Sicherung von Infrastruktur und Daseinsvorsorge in den Kommunen ausgezeichnet.

 

 

Hermann-Josef Thoben wurde mit der Ehrennadel der schleswig-holsteinischen Gemeinden ausgezeichnet,

mit ihm freute sich Jutta Kürtz, Präsidentin des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes.

  Austausch am MarktTreff-Stand beim Gemeindekongress im Kieler Schloss: Torsten Sommer (Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins; links) und Jörg Bülow, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des SHGT.