„MarktTreff eine sehr gute Plattform
für die wohnortnahe Versorgung"

Minister Dr. Robert Habeck übernahm Vorsitz des MarktTreff-Beirats

R e n d s b u r g MT 29.10.2012 - Die jüngste Sitzung des landesweiten MarktTreff-Beirats wurde zu einer doppelten Premiere. Erstmals hatte Robert Habeck als neuer Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume den Vorsitz der Runde von über 20 Vertretern schleswig-holsteinischer Spitzenverbände, -institutionen und Medienpartner. Zudem tagte der Beirat zum ersten Mal beim Bauernverband Schleswig-Holstein im Detlef-Struve-Haus in Rendsburg. Schwerpunktthemen waren im Zusammenhang mit MarktTreff „Bildung und Freizeit", außerdem wurde von der Diakonie Schleswig-Holstein das Sozialprojekt über die Lebenslagen Alleinerziehender in ländlichen Räumen vorgestellt.

Peter Lüschow, 1. Vizepräsident des Bauernverbandes, begrüßte die Beiratsmitglieder und wies auf die Bedeutung der mittlerweile 29 MarktTreffs für Schleswig-Holstein hin. Minister Robert Habeck dankte dem Bauernverband für die Gastfreundschaft und dem Beirat für seine nachhaltige Unterstützung. Deshalb freue es ihn besonders, dass das bundesweit beachtete Projekt MarktTreff auf der kommenden Internationalen Grünen Woche in Berlin im Januar 2013 in der vom Bauernverband betreuten Halle vertreten sein werde.

 

Habeck betonte, er übernehme gern den Vorsitz des Beirats. Der MarktTreff sei exemplarisch für neue Strukturen: Einkaufen, Dienstleistungen, Treffpunkt. Dabei besitze das Projekt eine breite Verbindung zur Zivilgesellschaft. In der überzeugenden Praxis des MarktTreff-Projektes - „Dies ist keine abstrakte Idee!" - lägen weitere Entwicklungschancen. Minister Habeck: „Hintergrund ist doch die Frage: Wie werden wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auf dem Lande leben?" Er wisse aus eigener Erfahrung, was Leben im Dorf bedeute. MarktTreffs seien wichtige Plattformen im Land und könnten bei Problemfeldern des ländlichen Raums helfen. Das Projekt MarktTreff habe bereits heute viele Antworten erarbeitet. MarktTreffs bildeten sich stets ortsspezifisch; verschiedene Angebote und Funktionen würden miteinander verknüpft, Synergien sinnvoll genutzt. Ziel sei es, MarktTreffs zu regionalen Kreisläufen zu entwickeln und dabei andere Fachbereiche zu den Themen Demografie, Soziales, Bildung und Versorgung einzubinden.

 

In ihren Impulsreferaten zu den Themenfeldern „Bildung und Freizeit" skizzierten Bürgermeister Peter Eichen und Hans-Joachim Thadewaldt, Vorsitzender des Freizeit-Munkbrarup e. V., die Wege, die die MarktTreffs in Alt Duvenstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und Munkbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) hierbei erfolgreich beschritten haben. In Alt Duvenstedt sei, so Bürgermeister Eichen, rund um MarktTreff ein neuer Ortsmittelpunkt entstanden. Dies trage enorm zur Attraktivität der Gemeinde bei. Eichen: „Der Arzt ist geblieben, junge Familien kommen und fühlen sich wohl in Alt Duvenstedt." Im Treffbereich mit seiner eigenen Dorfbücherei seien rund 25 Vereine der Gemeinde aktiv. Das Angebot sei vielfältig: Kurse der Volkshochschule, Seniorenveranstaltungen, Gesundheitsthemen, politische Gremien. Bei der Bewirtung würden vorrangig Produkte aus der heimischen Wirtschaft verwendet.

 
 
 
  
Der MarktTreff-Beirat tagte erstmals beim Bauernverband in Rendsburg. 
 

 

Hans-Joachim Thadewaldt schilderte eindrucksvoll, wie sich der Munkbrarup-Freizeit e. V. als Träger des MarktTreffs zu einer Schaltzentrale mit dem Fokus auf Senioren-, Kinder- und Jugendarbeit entwickelt habe. Derzeit beschäftige der Verein 34 Mitarbeiter - von bezahlter Vollzeit- bis rein ehrenamtlicher Kraft.
Die Offene Ganztagsschule bringe viele Veränderungen, die Zusammenarbeit und neue Kooperationswege unbedingt notwendig machten. Thadewaldt plädierte deshalb für ein neues Modell für die Beschäftigung von Vereinsmitarbeitern und Übungsleitern: Anstellung bei nur einem Verein mit koordinierender Aufgabe, denn dies ermögliche den flexiblen und bedarfsgerechten Einsatz in unterschiedlichen Bereichen wie Vereinen, Kursen, Altenheimen.

 

In der anschließenden Diskussion des Beirats erwies sich als kritischer Punkt, auch in Zukunft genügend ehrenamtlich Tätige, insbesondere jüngere Menschen begeistern und gewinnen zu können. Wolfgang Beer, Vizepräsident des Landessportverbandes, wies darauf hin, dass das Bewusstsein für Veränderung wachsen müsse. Beer: „Ganz wichtig: Wir müssen viele Menschen und gerade Dörfer dabei mitnehmen!" Munkbrarup mit seinem MarktTreff verdiene daher höchsten Respekt.

 

Doris Scheer und Imke Frerichs von der Diakonie Schleswig-Holstein präsentierten den derzeitigen Stand des Projektes „Lebenslagen von Alleinerziehenden insbesondere in ländlichen Räumen". Ausgangspunkte seien unter anderem gewesen, dass es bisher kaum Wissen über Armut in ländlichen Räumen sowie wenig Wissen auf kommunaler und Kreisebene über die Situation Alleinerziehender in Schleswig-Holstein gegeben habe. Ziel des Diakonie-Projektes sei es, den politischen Diskurs anzuregen, Handlungsansätze zu entwickeln und Modellprojekte anzustoßen. Das Projekt, das bis Februar 2014 terminiert sei, widme sich vorrangig den Kreisen Ostholstein und Dithmarschen sowie der Stadt Neumünster.

  Peter Eichen, Bürgermeister der Gemeinde Alt Duvenstedt     

 

In der Diskussion über neue Perspektiven für MarktTreffs stellte Helga Klindt, Vorsitzende der Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins, fest, dass für MarktTreffs die Genossenschaft als Trägermodell bisher noch nicht in den Köpfen der Menschen angekommen sei. Aber dies könne sich in naher Zukunft ändern, da es neue Genossenschaftsansätze bereits im Energiebereich oder bei Schwimmbädern gebe.

 

Hans Joachim Am Wege vom Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag regte beim Thema Energie an, entsprechende Stammtische in MarktTreffs anzubieten: zum einen könne es um private Energieeinsparmöglichkeiten gehen, zum anderen könnte es für Gemeinden um die Vermietung gemeindlicher Flächen, Förderprogramme und Einsparungen gehen.

 
 

 

Dr. Christian Berg vom Diakonischen Werk Schleswig-Holstein betonte einerseits die Notwendigkeit von intensiver Zusammenarbeit und Vernetzung, andererseits aber auch die Chancen, die diese böten. „Der demografische Wandel zwingt uns dazu." Soziale Dienstleistungen müssten „wohnortnah" vorgehalten werden. Da das Angebotsspektrum der MarktTreffs kontinuierlich im Wandel sei, sollten verstärkt entsprechende Überlegungen angestellt werden. Für die nächste Arbeitssitzung lud Dr. Berg im Namen der Diakonie den Beirat erneut nach Rendsburg ein: ins Martinshaus am Nord-Ostsee-Kanal.