MarktTreff-Jahresgespräche: Ein Modellprojekt –
auch wenn es mal schwierig wird

K i e l  MT 22.06.2017 – MarktTreff sichert in mehr als 35 Gemeinden die wohnortnahe Versorgung und stärkt die Lebensqualität in den ländlichen Räumen Schleswig-Holsteins. Die jährlichen Besuche des Beraterteams der ews group und der BBE Handelsberatung haben wieder eine Reihe interessanter Neuerungen zutage gefördert. In vielen Einzelgesprächen wurden mit Betreibern, Bürgermeistern und Ehrenamtlern die wirtschaftliche Lage und die Zufriedenheit vor Ort ermittelt und diskutiert. „Wie sich frühere Krisenstandorte in Erfolgsgeschichten wandeln können, ist wirklich beeindruckend“, resümiert Jürgen Blucha, Referatsleiter im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR), die Ergebnisse.

 

Strahlende Gesichter in Kirchbarkau (Kreis Plön) nach dem Neuanfang vor rund einem Jahr: „Für uns ist die Gründung der Bürgergenossenschaft genau die richtige Entscheidung gewesen“, beginnt Frank Jedicke, einer der Genossenschaftsvorstände seinen Ergebnisbericht. Mittlerweile habe man 172 Genossen, davon kämen ein Drittel aus dem Umland. „Deshalb heißt unser Laden jetzt ‚MarktTreff Barkauer Land‘.“ Nach einer energetischen Sanierung, einem barrierefreien Umbau und einer umfassenden Sortimentsüberarbeitung seien heute alle froh und zufrieden: „Aber der wichtigste Erfolgsfaktor sind das Team und unsere Ladenleiterin Dagmar Thiele-Gliesche.“ Ohne sie hätte der erfolgreiche Neustart nicht so geklappt. Die Gründungsphase der Genossenschaft sei ein zäher Prozess gewesen, hier sei etwas weniger Bürokratie wünschenswert. „Wir planen bereits weiter für die Zukunft: ein E-Lieferfahrzeug steht auf unserer Liste ganz oben“, ergänzt Jedicke.

 

 

 

St. Margarethen im Kreis Steinburg überzeugt ebenfalls mit Neuerungen. Aus dem ehemals verwinkelten Laden ist ein Schmuckstück geworden. Dabei hieß es vor zwei Jahren noch: „Wir müssen unseren Ortskern fit machen für die Zukunft.“ Bürgermeister Volker Bolten sieht dieses Ziel jetzt erreicht: „Schauen Sie sich um. Der Laden strahlt Frische aus, der Bäcker mit Treffecke ist integriert, wir bieten den Kunden und Besuchern frei zugängliches WLAN. Mehr Parkplätze, eine E-Tankstelle – dank der Fördermittel des Landes haben wir alles planmäßig umgesetzt.“ Und der Ortskern sei mittlerweile dabei, noch weitere Dienstleister anzuziehen.

 

Zufrieden mit der Entwicklung ist man ebenfalls in Probsteierhagen (Kreis Plön). Hier ist das Konzept verändert worden, der Treffbereich jetzt im Laden angesiedelt. Die neue Betreiberin Iris Köpke berichtet über regelmäßige Treffrunden: „Besonders unsere älteren Kundinnen und Kunden verabreden sich zum Kaffee und freuen sich über den neuen Ausblick.“ Familie Köpke hat vor zwei Jahren den Laden übernommen und zieht mit Qualität, Frische, Service und Freundlichkeit die Kunden aus der Gemeinde und dem Umland an. Die örtlichen Vereine kaufen im MarktTreff und Iris Köpke engagiert sich zudem im Vorstand des Gewerbevereins. Rolf Timm, Vorsitzender des Finanzausschusses, schmunzelt beim Blick auf die Zahlen: „Endlich haben wir eine stabile bis gute Entwicklung. Wir sind froh über unsere Kaufleute im Ort. Gerade erschließt die Gemeinde ein neues Baugebiet für insgesamt rund 500 neue Bürger.“ Da sei die wohnortnahe Versorgung ein wichtiges Ansiedlungs- und Verkaufsargument. Ein wenig Sorgen bereitet Timm allenfalls die Übernahme der coop durch die REWE. „Wir hoffen, dass sich für uns Gemeinden dadurch nichts ändert.“

 

In Borgstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) wurde mehrere Jahre auf den Startschuss zu MarktTreff gewartet. Jetzt ist die Förderung genehmigt und bis zum Herbst soll ein kombiniertes Modell von stationärer und mobiler Versorgung realisiert werden. Jürgen Blucha aus dem MELUR sieht hier ein kluges Beispiel für die Zukunft: „Unser Ziel ist die verstärkte Förderung kombinierter Versorgungsangebote. Deshalb sehen wir Borgstedt als Piloten.“ Manchmal müsse man Ruhe bewahren und einer neuen Entwicklung die nötige Zeit lassen.

 

„MarktTreff zeichnet sich mittlerweile aus durch diese Widerstandkraft", ergänzt Projektmanager Ingwer Seelhoff (ews group) für das landesweite Beraterteam. In Kasseedorf (Kreis Ostholstein) habe ein kombinierter Onlinehandel mit Laden für Wohnartikel in den einstigen Verkaufsräumen eröffnet. Das sei zwar keine Nahversorgung, aber belebe das Haus und die Ortsmitte. Insgesamt sei das MarktTreff-Projektteam zufrieden mit den Ergebnissen der diesjährigen Bereisung. Natürlich würde es auch Standorte geben, die neue Betreiber suchten, aber an vielen Standorten sei alles auf einem guten Weg.

 

Die wirtschaftliche Entwicklung im Berichtszeitraum des Jahres 2016 spiegelt sich in Zahlen so wider: 14 zeichneten sich im Jahr 2016 durch ein stabiles Ergebnis aus, neun Betreiber erzielten sogar eine Steigerung bei Umsatz und Ertrag. In einer Phase des Auf- und Umbruchs sind zehn Standorte, da sie derzeit ihren Betrieb starten oder neu ausrichten. In kritischer Lage sind drei Standorte. Die Gemeinde Munkbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) hat ihr ehemaliges MarktTreff-Gebäude verkauft – einst soziales Vorzeigeprojekt mit intensiver Jugendarbeit, ist hier die Fortsetzung eines MarktTreffs noch ungeklärt.

 

Während die Bereisung 2016 stark unter dem Einfluss der Flüchtlingsthematik stattfand, hat sich die Lage 2017 an vielen Standorten normalisiert: „Wir sind dabei, unsere neuen Mitbürger zu integrieren. Ein fester Helferstamm kümmert sich weiter um die Familien“, hieß es dazu beispielsweise in Probsteierhagen.

 

 


1.800 Besucherinnen vom 70. LandFrauenTag begeistert –
Verdienstkreuz am Bande für Bürgermeister Willi Berendt

N e u m ü n s t e r / K i e l MT 06.06.2017 – Die Holstenhallen waren voll, für Ulrike Röhr war es eine Premiere, und Moderator Jan Malte Andresen fühlte sich sichtlich wohl mit 1.800 Frauen: Zum 70. Mal fand jetzt der LandFrauenTag statt und wurde entsprechend gefeiert – und zum ersten Mal begrüßte Ulrike Röhr in ihrer neuen Funktion als Präsidentin des rund 30.000 Mitglieder zählenden Verbandes die Besucherinnen, die aus allen Landesteilen nach Neumünster gekommen waren.

 


 

 

Ulrike Röhr, Präsidentin des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein begrüßte die rund 1.800 Teilnehmerinnen.





  Austausch am MarktTreff-Stand (Foto oben, v. l. n. r.): Landtagspräsident Klaus Schlie, Hermann-Josef-Thoben (Vorsitzender Akademie für die Ländlichen Räume SH) und Jürgen Blucha (Referatsleiter Ländliche Entwicklung im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume).
Foto unten: Volles Haus beim LandFrauenTag in den Holstenhallen

 

Unter dem Motto „Wir feiern gemeinsam mit Kopf, Herz und Stimme“ setzen die LandFrauen ein besonderes Zeichen, hatten mit Daniel Scholz vom Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover einen profunden Fachmann auf die Bühne geholt, der erläuterte, wie Musik auf das Gehirn wirkt und Töne zu Glücksgefühlen führen können.

 

Gefeierte Stars des Tages aber waren die Mitglieder des Chors „Fliekemas“ der Stiftung Mensch aus Dithmarschen. Die 25 körperlich und / oder geistig behinderten Sängerinnen und Sänger begeisterten mit Liedern, die sie selbst umgetextet hatten. Landtagspräsident Klaus Schlie betonte in seinem Grußwort, dass die LandFrauen in gesellschaftlichen Fragen kein Thema ausklammerten, sich mit einbrächten, Veränderungen anstießen und stets mit anpackten.

 

Und so informierten sich beim LandFrauenTag die Besucherinnen an vielen Ständen von Initiativen und Projekten über aktuelle Entwicklungen und Angebote. Am MarktTreff-Stand gab es beispielsweise einen regen Austausch zur aktuellen Situation in Dörfern mit und ohne Multifunktionszentren. Dabei wurde immer wieder deutlich, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement vor Ort für den Erfolg solcher Projekte ist.

 

 

Hohe Auszeichnung nach 30 Jahren Bürgermeister

 

Witzworts Bürgermeister Willi Berendt ist von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Ministerpräsident Torsten Albig überreichte in Kiel dem 79-Jährigen, der seit seinem dritten Lebensjahr in der nordfriesischen Gemeinde lebt, die hohe Auszeichnung.

Seit 1978 ist Berendt immer wieder zum Gemeindevertreter gewählt worden, 1986 übernahm er das ehrenamtliche Bürgermeisteramt, das er nun Anfang Mai seit 30 Jahren bekleidet. Im kommenden Jahr mit der Kommunalwahl solle aber Schluss mit der Politik sein. „Dass ich - oft im Team – so viele Dinge für die Gemeinde bewegen konnte, verdanke ich dem Rückhalt durch meine Familie“, sagt Berendt, den sein trockener Humor, sein geschicktes Verhandeln und seine Schlagfertigkeit auszeichnen.

 


 
Ausgezeichnet für seine ehrenamtliche Arbeit für die Gemeinde und das Gemeinwesen: Bürgermeister Willi Berendt aus Witzwort   Eines der Lieblingsprojekte von Bürgermeister Berendt: der MarktTreff in Witzwort

 

Sehr am Herzen liegen dem Bürgermeister in allen Amtsjahren Infrastruktur und Grundversorgung. 1970 habe es noch vier Kaufleute und zwei Bäcker im Ort gegeben. 2003 sei dann der MarktTreff ins Leben gerufen worden, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. „Und der ist aus unserem Witzwort nicht mehr wegzudenken", so Berendt und ergänzt: „Er hat sich in der jüngsten Zeit mit dem Team um die Kaufleute Pioch aber auch richtig gut entwickelt.“

 

Unter Willi Berendt ist Witzwort zu einer innovativen Kommune geworden, die gerade auch für junge Familien interessant ist. „140 Häuser sind seit 1986 in unserem Dorf gebaut worden“, erzählt der Bürgermeister, der in seiner Gemeinde als Schulbusfahrer und Hausmeister beschäftigt war, bevor er ab 1987 Generalvertreter einer Versicherung wurde.

Im Grunde seines Herzens aber ist Willi Berendt ein „Schrauber“. Er regelt jedoch nicht nur Stellschrauben im Sinne seiner Gemeinde, sondern zieht sich auch gern in seine Garage zurück: Dort schraubt er seit vielen Jahren mit großer Leidenschaft an Oldtimern. So brachte er Motorräder wieder ans Laufen – „mein Lieblingsstück war eine BMW-Maschine aus dem Jahr 1955“ –, drehte zum Teil Ersatzteile selbst und kümmert sich nun liebevoll um einen historischen Mercedes Benz. So ist es nicht ungewöhnlich, wenn der Bürgermeister Gäste auf einer Rundfahrt durch sein Witzwort im exklusiven Gefährt chauffiert ...