Ministerin Ilse Aigner lobt MarktTreff-Modell in Beidenfleth

K i e l MT 18.04.2012 – „Ich bin sehr beeindruckt von dem Modell, das Sie hier in Schleswig-Holstein entwickelt haben. Damit haben Sie bundesweit ein Vorbild für den Umgang mit den demografischen Herausforderungen geschaffen." Mit diesen Worten fasste Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner ihren Besuch im MarktTreff Beidenfleth (Kreis Steinburg) zusammen.  Zuvor erlebte sie gemeinsam mit der schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf „live" die vielfältigen MarktTreff-Angebote im Zentrum der Stör-Gemeinde – und blieb länger als geplant.

 

 

Bundesministerin Ilse Aigner und Landesministerin Dr. Juliane Rumpf (Mitte) wurden von Beidenfleths Bürgermeister Peter Krey beim MarktTreff begrüßt.  

Bürgermeister Peter Krey gab den Ministerinnen einen kurzen Abriss der Dorfentwicklung und der Realisierung des 2006 eröffneten MarktTreffs.


Einkaufen, Dienstleistungen, Treffpunkt – ein sichtlich stolzer Bürgermeister Peter Krey präsentierte den beiden Ministerinnen die Beidenflether Variante des MarktTreff-Modells. Einführend gab Krey einen kurzen Abriss der Entwicklung: Seit 2006 würde die 900 Einwohner umfassende Gemeinde im MarktTreff mit Artikeln des täglichen Bedarfs versorgt. Im Jahr 2008 seien dann gesundheitliche Angebote dazu gekommen. Seit vergangenem Jahr ergänzten in einem angrenzenden Gebäude eine Leihbücherei sowie Geldautomat und Kontoauszugsdrucker den kleinen „Marktplatz". In der Bündelung der Angebote liege der wesentliche Vorteil: „Ein Buch leihen, Geld holen, Einkaufen und eben mal einen Kaffee trinken und klönen - das bieten wir unseren Bürgerinnen und Bürgern", fasste Krey zusammen.

 

Der Betreiber des Kerngeschäfts, EDEKA-Kaufmann Ralf Maron, sieht in seinem Laden auch ein Stück sozialer Verantwortung für die Region. Maron betreibt mehrere größere Märkte und hat in Beidenfleth auf 90 Quadratmeter Fläche eine angepasste Lösung geschaffen. „Hier bekommen Kundinnen und Kunden fast alles. Und was nicht in den Regalen steht, beschaffen wir auf Bestellung für den nächsten Tag", so Maron beim Rundgang mit den Ministerinnen. An ihre Kindheit erinnert fühlte sich Ilse Aigner an der Kasse: „Hier gibt es ja noch einzelne Lollis und Fruchtgummis aus großen Gläsern! Das ist ja toll!"

 

Bürgermeister Krey hob beim weiteren Rundgang hervor, dass ein besonderer Pluspunkt auf dem Lande das große persönliche Engagement der Akteure sei: eine Grundvoraussetzung für ein attraktives gemeindliches Leben. Seit mittlerweile 14 Jahren führe zum Beispiel Silke Wille die Bücherei, mit Begeisterung und Durchhaltevermögen „bespielten" die Ehrenamtler den Treffbereich. Als anschauliches Beispiel zeigte die regelmäßig zusammenkommende Strickgruppe den hochrangigen Besucherinnen ihre Handarbeitskünste.

 

Im GesundheitsTreff des MarktTreffs empfingen Physiotherapeutin Bianca Bader und Ulrike Jannsen-Komoß die Gäste aus Berlin und Kiel. Die Leiterin der DRK-Sozialstation verschwieg dabei nicht die Schwierigkeiten und Herausforderungen („so zum Beispiel die Betreuung der wachsenden Zahl dementer Menschen") , mit denen Anbieter im ländlichen Raum zu kämpfen haben: „... aber wir sind beharrlich und bleiben am Ball."

 

Ministerin Dr. Rumpf wies anlässlich des Besuchs auf einen Punkt hin, der sie besonders überzeugen würde: „MarktTreff ist ein lernendes Projekt. Die Gemeinden und Akteure entwickeln das Modell und seine Angebote ständig weiter. Das macht einen wesentlichen Erfolgsfaktor aus." Weiter betonte die Landwirtschaftsministerin, dass sich der Einsatz der Fördermittel in Beidenfleth gelohnt habe: „In Beidenfleth hat sich ein Dorf fit für die Zukunft gemacht. Zur Einrichtung des MarktTreffs wurden 93.000 Euro Fördermittel im Jahr 2006 und noch einmal 89.000 Euro zwei Jahre später für die Investitionen in den landesweit ersten GesundheitsTreff bereitgestellt – ausgestattet mit einer Sozialstation und einer Physiotherapiepraxis." Insgesamt gibt es in Schleswig-Holstein bereits 29 MarktTreffs, elf weitere sind in Planung.

 

Optimistisch blickte Ministerin Dr. Rumpf in die Zukunft: „Wir werden auch in der nächsten EU-Förderperiode dafür sorgen, dass die Marke MarktTreff Vorzeigemodell für kreative und ortsangepasste Lösungen der Nahversorgung in unseren Dörfern und Regionen bleibt." Bundesministerin Aigner bat sie, auch bundesweit über Ihre positiven Erfahrungen zum MarktTreff zu berichten. Die Sicherung der Nahversorgung bleibe angesichts des demografischen Wandels für die meisten ländlichen Regionen in Deutschland ein brennendes Zukunftsthema.

 

Ilse Aigner zog ein positives Resümee ihres ersten MarktTreff-Besuchs: In Berlin auf der Internationalen Grünen Woche höre sich das Modell zwar schon immer schön an, „aber noch schöner ist es, wenn man es in natura sieht." Die Ministerin zeigte sich beeindruckt: Beidenfleth sei sehr gelungen. Zugleich wies sie darauf hin, dass es in Deutschland kein mit MarktTreff vergleichbares Netzwerk gebe. Hier könnten andere von Schleswig-Holstein lernen.

 

Abschließend dankten beide Ministerinnen Bürgermeister Krey und den zahlreichen Akteuren für ihr Engagement und ihre Gastfreundschaft. Eine gemeinsame Fahrt – mit viel frischem Wind – rundete den Besuch in Beidenfleth ab: auf der vom Bund geförderten Störfähre „Else".

 

Ein Interview mit Bundesministerin Ilse Aigner finden Sie hier.

 
 

Bundesministerin Ilse Aigner bekam von ihrer Landeskollegin Dr. Juliane Rumpf (rechts) den aktuellen Stand des MarktTreff-Projektes in Schleswig-Holstein erläutert.

 

 

In der neuen Bibliothek von Beidenfleth – direkt neben dem MarktTreff – informierte Silke Wille die beiden Ministerinnen über das Angebot und dessen Nutzung.

 

 

Große Freude über den Besuch der beiden Ministerinnen herrschte beim Strickkreis, der sich alle 14 Tage im MarktTreff trifft.

 

 

Ministerin Aigner gestand bei der Begrüßung, dass sie zwar stricken könne, es ihr aber bis zum jeweiligen Resultat zu lange dauere.

 

 

Trafen sich nicht zum ersten Mal: Ulrike Janssen-Komoß, Leiterin der DRK-Sozialstation, und Ministerin Dr. Juliane Rumpf (rechts).

 

In der Physiotherapiepraxis begrüßte Bianca Bader (Mitte) die beiden Ministerinnen.

 

 

 

Ein wichtiges Thema bei der Diskussion in der DRK-Sozialstation im MarktTreff: die demografische Entwicklung und die Betreuung von immer mehr dementen Menschen.

 

Nach dem Besuch im MarktTreff überreichte Bürgermeister Peter Krey den Ministerinnen Dr. Juliane Rumpf (links) und Ilse Aigner MarktTreff-Becher und -Informationen – in MarktTreff-Tüten.

 

     

Robert Holm von NDR 1 Welle Nord interviewte Ministerin Ilse Aigner zu ihren aktuellen Eindrücken vom MarktTreff-Projekt.

  Eine kurze Fährfahrt über die Stör bildete den Abschluss des offiziellen Ministerinnen-Besuchs – auf dem Schiff "Else", das stark mit Bundesmitteln gefördert wurde.