MarktTreffs begeistern als Zentren für Bildung und Freizeit

K i e l  MT 23.11.2011 – Begeistert zeigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des diesjährigen Erfahrungsaustauschs der Gemeinden mit bestehenden und geplanten MarktTreffs im „Hambötler Huus“ in Negernbötel (Kreis Segeberg). Die Fülle und die Professionalität der Angebote aus dem Bereich Bildung und Freizeit rund um MarktTreffs überraschte die große Runde. Hermann-Josef Thoben aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR) fasste es so zusammen: „MarktTreffs sind in unseren ländlichen Gemeinden wichtige Knotenpunkte. Hier kommen Menschen aller Generationen gern zusammen. Wir haben heute viele neue Ideen für Aktivitäten und Veranstaltungen gerade für Kinder kennen gelernt.“

Zugleich dankte Thoben den Referenten für ihre sehr anschaulichen Vorträge und den Gästen aus allen Teilen des Landes für den intensiven Erfahrungs- und Gedankenaustausch.

 

Im äußersten Nordosten Schleswig-Holsteins liegt die gut 1.000 Einwohner zählende Gemeinde Munkbrarup. Seit fast zehn Jahren betreibt der Verein „Munkbrarup Freizeit“ e. V. den dortigen MarktTreff. Mit einem eindrucksvollen Vortrag stellte Hans-Joachim Thadewaldt, 1. Vorsitzender des Vereins, die vielfältigen Aktivitäten vor. Seine Präsentation ging von attraktiven Ferienangeboten für Kinder über die Verpflegung mehrerer Schulen im Flensburger Raum bis zum Starttreffpunkt für Heißluftballons. „Für Kinder aus sozial schwächeren Familien haben wir ein neues Patenmodell entwickelt. Hier übernehmen ältere Bürger die jährlichen Kosten zum Beispiel für die Mittagsmahlzeit. Es ist ein besonders emotionaler Moment, wenn das Kind sich bei seinem Spender bedankt“, so Thadewaldt. Die Gemeinschaft bleibe lebendig und stabil, ebenso würde die wirtschaftliche Seite stimmen: Für die Angebote des Vereins würden 36 Menschen arbeiten, eine Reihe junger Menschen würden ein Freiwilliges Soziales Jahr leisten. In einem Ausblick skizzierte Thadewaldt die Zukunftsplanung: Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sei klar, dass die Vereine und Anbieter im ländlichen Raum umdenken müssten. Künftig werde es andere Strukturen geben. Für seinen Verein formulierte er das Ziel, die „Spinne im Netz“ zu sein und noch weitere Aktivitäten zu koordinieren.

 


 

Zusammenarbeit und Netzwerken waren Stichworte, die Dr. Martin Lätzel, Verbandsdirektor der Volkshochschulen in Schleswig-Holstein, in seinem Vortrag ebenfalls aufgriff. Lätzel plädierte mit Blick in die Zukunft für „regionale Bildungszentren“ und mehr Kooperationen: „MarktTreffs sind ideale Treffpunkte. Bei entsprechenden Räumlichkeiten lassen sich hier viele VHS-Kurse durchführen.“ Für die Betreiber würde das kein finanzielles Risiko darstellen, die VHS würde als Veranstalter auftreten. Bernd Blohm, Bürgermeister aus Brodersby (Kreis Schleswig-Flensburg) berichtete von einer bereits erfolgreichen Zusammenarbeit in seinem MarktTreff. Der Dänischkursus sei sehr beliebt und finde schon zum wiederholten Mal statt. Blohm forderte die Anwesenden zur Nachahmung auf, selbst Angebote der VHS zu integrieren. So kann die bereits breite Palette von Bildungsangeboten in MarktTreffs wie Jugendbetreuung, Heimatabende, spezielles Frauenkino oder Erste-Hilfe-Kurse noch erweitert werden. 

                             

  Dr. Martin Lätzel, Direktor des VHS-Landesverbandes                              Michael Schurmann, Stiftungsmanagement der Sparkasse Holstein

 

Was eine kluge Stiftungsarbeit leisten kann, zeigte Michael Schurmann vom Stiftungsmanagement der Sparkasse Holstein. Mit ihren über 20 Stiftungen engagiere sich die Sparkasse Holstein für soziale, kulturelle und sportliche Zwecke sowie für den Umwelt- und Naturschutz der Region. Zwei Beispiele aus der nachhaltigen Kinderarbeit stellte Schurmann im Detail vor: das Naturerlebnis Grabau und den Bildungsspass Ostholstein. Das Naturerlebnis Grabau bringe bis zu 12.000 Kinder pro Jahr mit der natürlichen Umwelt in Kontakt, der Bildungsspass sei eine neue internetbasierte Vernetzungsplattform. „Wir stärken unsere Region und gehen gezielt auf Kinder und Jugendliche zu. Sie sind unsere Zukunft, sollen sich hier wohl fühlen und eine Verbundenheit aufbauen“, so Schurmann. Die Arbeit der Stiftungen konzentriere sich auf die Kreise Stormarn und Ostholstein, aber fördernde Sparkassen und Banken gebe es im ganzen Land. „Schauen Sie auf die Internetseiten, oft sind hier Antragsformulare herunterzuladen“, so Schurmann abschließend. 

 

Einen Überblick über den aktuellen Gesamtstand von MarktTreff gab Ingwer Seelhoff, Geschäftsführer der projektbetreuenden ews group aus Lübeck. Am 1. Dezember bewerbe sich ein interkommunales MarktTreff-Modell der Gemeinden Wester-Ohrstedt und Schwesing (Kreis Nordfriesland) beim AktivRegionen-Beirat um die Anerkennung als Leuchtturmprojekt. Weiter kündigte Seelhoff die Teilnahme von MarktTreff auf der Internationalen Grünen Woche 2012 in Berlin an – dann in enger Kooperation mit der AktivRegion Südliches Nordfriesland. 

 

Zum Abschluss gab Hermann-Josef Thoben aus dem MLUR einen hoffnungsfrohen Ausblick auf die neue EU-Förderperiode ab 2014: „Die Strategie der AktivRegionen – das LEADER-Konzept – wird auf jeden Fall fortgesetzt. Nach heutigem Stand wird das Förderspektrum für die AktivRegionen künftig deutlich erweitert.“ Darüber hinaus wolle sich die EU in der kommenden Förderperiode mit 80 statt bisher 55 Prozent an den öffentlichen Ausgaben der LEADER-Projekte beteiligen. Gleichzeitig, so Thoben, würden aber auch die Verantwortung und die Anforderungen an die AktivRegionen steigen. Die Gemeinden sollten sich ab 2012, sobald die Rahmenrichtlinien der EU feststehen, in den Diskussionsprozess einbringen, wie sich die AktivRegionen optimal für die neuen Aufgaben aufstellen können. Thoben: „Alle sollten sich Gedanken über innovative und gute Projekte machen. Mit MarktTreff setzen wir bundesweit bereits ein Zeichen. Davon können wir zur Stärkung der Lebensqualität im ländlichen Raum gern noch mehr gebrauchen.“