SHGT: MarktTreffs geben neue Impulse für Gemeinden

K i e l  MT 20.09.2011 - Die innovative Kraft des MarktTreff-Projekts schätzt der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag (SHGT) als besondere Stärke des Vorzeige-Modells aus dem nördlichsten Bundesland. Jörg Bülow, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des SHGT, erläutert im Interview, wie er die Entwicklung der MarktTreffs in den vergangenen Jahren beurteilt, welche Anstrengungen der SHGT aktuell im Bereich der ärztlichen Versorgung unternimmt und wie er die Zukunft von MarktTreff sieht.

 

Der SHGT unterstützt und begleitet das landesweite Projekt MarktTreff von dessen Beginn im Jahr 1999 an. Als kommunaler Landesverband kreisangehöriger Gemeinden, Ämter und Zweckverbände versteht sich der SHGT als deren Repräsentant und Anwalt. Im Gemeindetag sind derzeit 1.055 Gemeinden, 87 Ämter und 30 Zweckverbände organisiert.

 

Frage: Wie beurteilt der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag die Entwicklung der MarktTreffs?

Jörg Bülow, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des SHGT
Jörg Bülow, Geschäftsführendes
Vorstandsmitglied des SHGT und
Mitglied des MarktTreff-Beirats 

 

Bülow: Ich persönlich kenne das Modell MarktTreff seit 2004, meinem Eintritt beim SHGT. Im Rückblick kann ich das Credo eines „Lernenden Projektes" voll und ganz teilen. Die Anfangseuphorie mit einer starken IT- und Internet-Ausrichtung ist schnell gewichen. Man hat sich - völlig zu Recht und flexibel - auf die wesentlichen Aufgaben der Grundversorgung im ländlichen Raum konzentriert: 1. dem Laden- und Gastronomiesterben mit einem mittlerweile bundesweit beachteten Modell entgegenzuwirken, 2. Einzelhandels- und Dienstleistungsangebote unter einem Dach zu  bündeln und 3. den Treffbereich, als soziale Klammer in den Gemeinden, zu stärken.
Als überaus innovativ sehe ich die vom Land neu geschaffene Möglichkeit für Gemeinden an, sich dem MarktTreff-Verbund anzuschließen, ohne groß zu investieren und damit in die langjährige sogenannte Zweckbindungsfrist einzusteigen. Die Nutzung der Marke MarktTreff mit all ihren Vorteilen - starker Verbund, Erfahrungsaustausch für Ladenbetreiber und Gemeinden, gute Kontakte zu den großen Lieferanten Bartels & Langness, coop, EDEKA - werden wir interessierten Gemeinden gern weiterempfehlen.

 

Frage: Die Herausforderungen der ländlichen Gemeinden sind vielfältig: Nahversorgung, Bildung, ärztliche Versorgung. Der SHGT ist auf allen Feldern aktiv. Sie sind gerade eine strategische Partnerschaft mit der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) eingegangen. Was ist Ziel dieser Aktivität?

 

Bülow: In Schleswig-Holstein leben über eine Million Menschen in ländlichen Gemeinden - und diese Bürgerinnen und Bürger haben ein Anrecht auf qualitätvolle Versorgung. Sei es in der Nahversorgung oder eben in der Versorgung mit gesundheitlichen Angeboten. Hier stehen wir gleichfalls vor großen Herausforderungen. Denn in den kommenden Jahren werden mehrere hundert Ärzte altersbedingt in den Ruhestand gehen - gleichzeitig wird die Bevölkerung immer älter, die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen wird also steigen. Vor diesem Szenario haben sich KVSH und SHGT des Themas angenommen und eine Initiative gestartet. Von Infoveranstaltungen über eine Uni-Kampagne bis zur Praxisbörse sprechen wir gemeinsam die unterschiedlichen Zielgruppen an.  

 

Frage: Kooperation und Bündelung der Kräfte ist das Stichwort?

 

Bülow: Nur in der kreativen Zusammenarbeit und Kooperation werden wir die Zukunftsaufgaben lösen können. Ich höre mit großer Freude, dass die Gemeinden Wester-Ohrstedt und Schwesing ihre geplanten MarktTreffs als „interkommunales Projekt" angehen. Das ist beispielhaft und sollte viele Nachahmer finden.
Ansonsten haben wir ebenfalls im Bereich der ärztlichen Versorgung sehr engagierte Bürgermeister, die ihre Gemeinden zukunftsfähig machen. Aber: Gemeinden können nicht die Entwicklungen des Gesundheitswesens auffangen oder das wirtschaftliche Risiko von Arztpraxen übernehmen.
Künftig wird es aus meiner Sicht noch mehr darum gehen, die sektorale Sicht zu erweitern. Getreu dem MarktTreff-Motto „Alles unter einem Dach" sollten Bürgermeister bei Planungen möglichst von Anfang an die wesentlichen Aspekte der Daseinsvorsorge mitdenken: Nahversorgung, Gesundheit, Bildung. Letztlich geht es immer um die Stärkung der Lebensqualität und Wettbewerbsfähigkeit der Gemeinden.

 

Frage: Wie sehen Sie die Zukunft von MarktTreff?

 

Bülow: Im Laufe der Jahre hat sich MarktTreff zu einem Imageträger und Vorzeigeprojekt aus Schleswig-Holstein entwickelt - bei allen Problemen, die der geschäftliche Alltag mit sich bringt, das will ich gar nicht verschweigen. Was mich aber ermutigt ist, dass aus unseren Gemeinden heraus - gerade im Zusammenhang mit MarktTreffs - immer wieder neue innovative Ideen geboren und umgesetzt werden.
Das zeigt: mit den besonderen Stärken der Gemeinden, nämlich engagierte Bürgermeister, Kreativität und schnelle Entscheidungen, können wir Dienstleistungen in den Gemeinden erhalten oder sogar wieder neue schaffen. Aber dafür brauchen wir auch die richtigen Rahmenbedingungen durch die Landespolitik. Vor diesem Hintergrund ist der SHGT weiter gern Partner und einer der Impulsgeber des MarktTreff-Projektes.