Alt werden auf dem Lande – 26. MarktTreff eröffnet

Christiansholm MT 18.11.2010 - Im Vordergrund des diesjährigen Treffens der Gemeinden mit bestehenden oder geplanten MarktTreffs stand das Thema „Alt werden auf dem Lande". Außer der wichtigen Rolle der MarktTreffs ging es dabei um soziale Fragen, Wünsche der Landbevölkerung und neue Wohnformen. Uwe Schäfer, Bürgermeister der Gemeinde Christiansholm, begrüßte die aus ganz Schleswig-Holstein angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer im „De Holmer Krog" zu einem intensiven Informations- und Gedankenaustausch.

Einen Überblick über den aktuellen Gesamtprojektstand gab Ingwer Seelhoff, Geschäftsführer der projektbetreuenden ews group aus Lübeck. Dabei stellte er eine Reihe von neu in Planung befindlichen MarktTreff-Standorten vor. Besonders begrüßte er Heinz Näveke, Bürgermeister aus der lauenburgischen Gemeinde Linau: „In Linau hat gerade der 26. MarktTreff eröffnet. Das Engagement von Bürgermeister, Gemeindevertretung und Betreiber sind besonders hervorzuheben. Sie haben sich beispielhaft für eine schnelle Realisierung eingesetzt - und sind damit Erfolgsgaranten des Ladens." Weiter stellte Seelhoff zahlreiche Medienveröffentlichungen zum Projekt und die Veranstaltungen vor, auf denen sich MarktTreff jüngst präsentiert hat. In diesem Zuge kündigte er die Teilnahme von MarktTreff auf der Internationalen Grünen Woche 2011 in Berlin an - erneut als Vorzeige-Projekt aus Schleswig-Holstein.

  

 

 

Mit einem eindrucksvollen Plädoyer für MarktTreffs und die Vitalität der ländlichen Räume eröffnete DRK-Vizepräsident Georg Gorrissen das Hauptthema „Alt werden auf dem Lande". Dabei bot Gorrissen eine verstärkte Zusammenarbeit an: „Das DRK befindet sich gerade in einer Neuausrichtung seiner Schwerpunkte. Lassen Sie uns gemeinsam darüber reden, wie wir die jetzt 26 MarktTreffs im Land noch weiter mit Angeboten des DRK verbinden können. Von Sozialstationen über Blutspendetermine und Gesundheitsangebote bis hin zu gemeinsamen Kochkursen und Kenntnisvermittlung über regionale Produkte - die Palette der Möglichkeiten ist groß." Gorrissen selbst zeigte sich seit Jahren vom Konzept der MarktTreffs überzeugt und lobte die Vielfalt der Angebote für alle Generationen.

 

 
Georg Gorrissen, DRK-Vizepräsident in Schleswig-Holstein
  Günther Petersen, Bürgermeister der Gemeinde Medelby

 

Günther Petersen, Bürgermeister der Gemeinde Medelby (Kreis Schleswig-Flensburg) stellte die Ergebnisse einer Befragung zum Thema „Alt werden im Kirchspiel Medelby" vor. Dabei stellte sich heraus, dass über 75 Prozent der Befragten im gewohnten Umfeld bleiben wollen und dies bei möglichst langer Selbständigkeit. Viele wünschten sich bereits heute Unterstützung bei der Haus- und Gartenarbeit und würden einen „Servicestützpunkt" mit gebündelten Informationen und Angeboten gut heißen. Petersen hob die hohe Zustimmung zum MarktTreff in Medelby hervor und kündigte verstärkte Anstrengungen im Kirchspiel zur Realisierung eines zentralen Anlaufpunktes an - eine Nähe zum MarktTreff böte sich an und würde die gegenseitige Attraktivität stärken. „Unser Ziel muss sein, keinen weiteren alten Menschen abwandern zu lassen - das führt in eine Abwärtsspirale," so Petersen.

 

Rüdiger Waßmuth von der KIWA Schleswig-Holstein (Koordinationsstelle für innovative Wohn- und Pflegeformen) betonte in seinem Vortrag, die Befragungsergebnisse aus Medelby würden durch bundesweite Studien bestätigt. Die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger wolle in den eigenen vier Wänden alt werden. Dabei hob er die unzureichenden Voraussetzungen hervor: Kaum ein Haus im ländlichen Raum sei auf die sich ändernden Bedürfnisse von Senioren ausgerichtet. Dies reiche von zu großen Gartenanlagen über zu steile Haustreppen bis zu überdimensionierten Grundflächen. „Was früher einmal schön und praktisch war, kann im Alter zum Problem werden. Und zum Wechsel fehlt den alten Menschen häufig das nötige Geld", so Waßmuth. Zugleich präsentierte er Konzepte und Projekte für neue seniorengerechte Wohnformen. In Schleswig-Holstein sind derzeit rund 50 Projekte mit dieser Ausrichtung im Betrieb, im Bau oder in der Planung.

 

Rüdiger Waßmuth von der KIWA Schleswig-Holstein   Hermann-Josef Thoben vom schleswig-holsteinischen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume
Rüdiger Waßmuth, KIWA Schleswig-Holstein   Hermann-Josef Thoben, MLUR, zu neuen Fördermöglichkeiten 

Im Anschluss erläuterte Hermann-Josef Thoben vom schleswig-holsteinischen Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und  ländliche Räume (MLUR) neue Fördermöglichkeiten im Rahmen der EU-Richtlinie „Health Check - neue Herausforderungen", die einen Schwerpunkt im Bereich Klimaschutz und Regenerative Energien hat. „Wir sollten uns heute schon ausrichten auf die Themen der neuen EU-Förderperiode ab 2014. Die EU gibt klar die Richtung vor."
MarktTreff-Projektkoordinatorin Christina Pfeiffer aus dem MLUR unterstrich in diesem Zusammenhang die erfolgreiche Zusammenarbeit in den 21 AktivRegionen und betonte ein weiteres künftiges Thema für die ländlichen Räume: die „Innenentwicklung" in Dörfern. „Die Gemeinden sollten sich intensiver um attraktive Kerne bemühen. Hier gehören konzentriert die wesentlichen Versorgungseinrichtungen für Einkauf, Gesundheit, Bildung hin. Ein MarktTreff als Nukleus - dieses Konzept hat Zukunft und wird in ersten Gemeinden bereits entwickelt", so Pfeiffer.

 

Christiansholms Bürgermeister Uwe Schäfer zog gleich eine doppelt positive Bilanz nach dem Erfahrungsaustausch: „Zum einen haben wir uns sehr gefreut, unseren Gästen aus ganz Schleswig-Holstein unseren MarktTreff vorstellen zu können. Ebenso ist der Austausch mit anderen Bürgermeistern immer ein guter Impuls für die eigene Arbeit in der Heimatgemeinde."

 

 

Linau gehört jetzt zur MarktTreff-Familie

Linau MT 18.11.2010 - Großer Bahnhof in Linau (Kreis Herzogtum Lauenburg): Der im Sommer eröffnete Back&Snack-Shop der Familie Rose wurde jetzt offiziell als 26. MarktTreff eingeweiht. Der Linauer MarktTreff ist der erste im Land, der keine Förderung erhielt. Dennoch erfüllt er alle typischen Kriterien der schleswig-holsteinischen MarktTreffs: Einkaufsmöglichkeit, Dienstleistungsangebote und Treffpunkt. Deshalb räumte das Land Schleswig-Holstein der Gemeinde und dem Betreiber das Recht ein, die Marke MarktTreff zu führen. Hermann-Josef Thoben, Referatsleiter im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, unterzeichnete gemeinsam mit Bürgermeister Heinz Näveke und Betreiberin Sandra Rose die entsprechenden Verträge. Thoben: „Wir sind uns sicher, dass das Linauer Modell im Land Schule machen wird."

 

 
MarktTreff Nummer 26 in Schleswig-Holstein ist jetzt eröffnet: Mitten in der Gemeinde Linau im Kreis Herzogtum Lauenburg entstand er ohne Fördermittel.   Vertragsunterzeichnung im MarktTreff Linau: Hermann-Josef Thoben (MLUR), Sandra und Thomas Rose und Bürgermeister Heinz Näveke (v. l. n r.)