Alt werden im Kirchspiel Medelby:
Der MarktTreff gehört dazu

Medelby MT 14.09.2010 - Günther Petersen ist seit 7 Jahren Bürgermeister der Gemeinde Medelby (Kreis Schleswig-Flensburg) - und Petersen plant für die Zukunft des rund 900 Einwohner zählenden Dorfes und des Kirchspiels Medelby, zu dem Böxlund, Holt, Jardelund, Osterby und Weesby mit zusammen rund 1.400 Einwohnern gehören. Dabei denkt der Bürgermeister zurzeit insbesondere an die älteren Bewohner: Wollen sie ihren Lebensabend in der vertrauten dörflichen Umgebung verbringen? Was wünschen sie sich an Unterstützung? Eine Fragebogenaktion gibt jetzt darauf Antworten. Günther Petersen erläutert im Interview Hintergründe, Ergebnisse und weitere Pläne.

MarktTreff Medelby
Der MarktTreff Medelby bereichert seit 5 Jahren die Gemeinde. 

Frage: Alt werden im Kirchspiel - warum haben Sie dazu eine Fragebogenaktion gestartet?

Petersen: Gemeinsam mit vielen Akteuren im Kirchspiel bin ich der Meinung, wir müssen etwas  tun, damit Senioren im vertrauten häuslichen Umfeld alt werden können. Aber wollen Ältere das überhaupt? Und falls ja, welche Hilfen sind dazu notwendig? Die Antworten auf diese Fragen wollten wir die Betroffenen selbst geben lassen. Deshalb haben wir im Sommer die Fragebogenaktion durchgeführt. Immerhin haben sich daran über 70 Bürger beteiligt. Jetzt kennen wir die Vorstellungen und Wünsche von Seniorinnen und Senioren viel konkreter.

 

Frage: Was sind denn die wesentlichen Ergebnisse?

Petersen: Die große Anzahl der Teilnehmer sind Menschen zwischen 60 und 80 Jahren, die im eigenen Haus leben. Und immerhin rund 75 Prozent von ihnen möchten auch künftig in den eigenen vier Wänden älter werden - vielleicht nach einem seniorengerechten Umbau. Zehn Teilnehmer zeigten Interesse an einer Einrichtung für „betreutes Wohnen". Aber eines hat uns überrascht: Ein Alten- und Pflegeheim wurde nur einmal genannt, „Wohnen bei Familie / Verwandten" nur drei Mal angekreuzt. Das zeigt uns den eindeutigen Wunsch nach möglichst langer Selbstständigkeit, die gewohnte Umgebung wird auch fürs Alter eindeutig bevorzugt. Fast alle Teilnehmer möchten im Kirchspiel, in Medelby bleiben. Wir schließen daraus: Die Menschen fühlen sich hier wohl und wollen keine örtliche Veränderung. Ganz gemäß dem Sprichwort: Alte Bäume verpflanzt man nicht.

 

Frage: Das grundsätzliche Ergebnis scheint Sie aber nicht überrascht zu haben. Was muss sich denn konkret ändern, damit die Menschen zu Hause wohnen bleiben können?

Petersen: Auch dazu haben wir Antworten bekommen. Viele wünschen sich bereits heute Unterstützung bei der Gartenarbeit und konkrete Hilfe im Haus. Am besten durch einen mobilen, ambulanten Dienst. Zusätzlich haben wir die Menschen nach möglichen Angeboten in einem „Servicepunkt" gefragt. Medizinische Versorgung, häusliche Pflege, soziale Kontakte, kulturelle Angebote und eine gute verkehrliche Anbindung sind vielfach angekreuzt worden. Dies spricht für die Planung eines „Servicestützpunktes" im Kirchspiel: als Anlaufstelle, für Informationen, für Kontakte und Vermittlung.

 

Frage: Sie verbessern ja schon seit langem die Lebensqualität in Medelby und gehen dabei neue Wege - der MarktTreff wird kommenden Monat fünf Jahre alt. Immer noch zufrieden und glücklich?

Petersen: Wir sind sehr froh, einen MarktTreff in der Gemeinde zu haben. Er bündelt in idealer Weise Einkaufen, Dienstleistungen von Bank, Versicherung und Post sowie Treffangebote. Die Vereine und Verbände stehen voll dahinter. Und gerade für unsere älteren Bürger ist der MarktTreff ein wichtiges Angebot. Die Befragungsaktion hat das bestätigt: Einkaufen vor Ort, der Klönschnack zwischendurch haben einen hohen Stellenwert.
 

Frage: Nun haben sie am Wochenende einen Workshop veranstaltet, auf dem die Ergebnisse der Befragung diskutiert wurden. Was sind die wesentlichen Resultate?

Petersen: Zunächst einmal haben wir uns mit dem derzeitigen Bestand an Angeboten für ältere Bürger befaßt. Wichtig scheint mir heute schon zu erkennen, dass wir keinen Älteren abwandern lassen dürfen, weil etwas an Infrastruktur fehlt. Und hier wäre ein „Servicepunkt" im Kirchspiel sicher eine sinnvolle Ergänzung - aber diese Überzeugung muss sich noch weiter durchsetzen.