Nahversorgung ist ein wichtiges Element für starke Regionen

Kiel MT 15.07.10 - MarktTreff ist ein erfolgreiches Modell für die Grundversorgung in einzelnen ländlichen Gemeinden. Heute steht die Versorgung jedoch auch aus regionaler Sicht vor neuen Herausforderungen. Außer Einkauf und Treffmöglichkeit rücken zunehmend die Themen Gesundheit, Bildung und soziale Dienste in den Fokus. Wie können regional vernetzte Angebote aussehen? Wie kann die Marke „MarktTreff" hier sinnvoll erweitert werden? Antworten hierzu gibt eine Interviewserie - Torsten Sommer vom Regionennetzwerk Schleswig-Holstein erläutert seine Sicht.

Frage: Welche Bedeutung hat die Nahversorgung in den AktivRegionen?

Sommer: Zunächst einmal: Die 21 AktivRegionen stärken die Zukunftsfähigkeit der ländlichen Räume Schleswig-Holsteins. Je nach regionaler Ausprägung werden ganz unterschiedliche Schwerpunkte verfolgt. Neue Arbeitsplätze, Klimaschutz und regenerative Energien, Demografie, touristische Infrastruktur bis hin zu Reit- und Radwegen - um nur einige Felder und Themen zu nennen. Natürlich gehört zu einem attraktiven Lebensumfeld auch die regionale Versorgung. Und hier meine ich sowohl die Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs als auch die Versorgung im weiter umfassenden Sinne.

 

Frage: Sie kennen die Projekte der AktivRegionen aus Ihrer täglichen Arbeit. Können Sie uns einige Beispiele nennen?

Sommer: Auf MarktTreff kommen wir sicher noch zu sprechen. Wenn ich an Versorgung im weiteren Sinne denke, hier einige Beispiel dafür: In Nordfriesland setzt sich die Region sehr engagiert mit den Herausforderungen der Demografie auseinander. Als eines der ausgezeichneten Bundesleitprojekte „Region schafft Zukunft" wird dort über die Auswirkungen von Älterwerden und mögliche neue Angebote nachgedacht. Mobile Lösungen könnten eine Antwort sein. Vielleicht mit Einkaufen, sozialer Beratung, niedrigschwelligen Gesundheitsdienstleistungen.
In der Region Hügelland am Ostseestrand arbeitet man an einem Modell AktivTreff. Dabei geht es um ein aktives Netzwerk für Familien, Kinder, Senioren und Behinderte - alle gemeinsam nutzen eine Anlaufstelle, den AktivTreff.
In Mittelholstein werden die Bereiche Bildung und Gesundheit bearbeitet - das geht von der Ernährungsberatung über die Vernetzung der regionalen Akteure bis zur Auszeichnung besonders „gesunder" Einrichtungen.
In der Holsteinischen Schweiz fällt mir Hof Viehbrook ein: ein Leuchtturmprojekt mit Bauernhof, Kindergarten, Gaststätte, eigenem Backhaus. Und jetzt denkt man dort auch über einen MarktTreff nach. Das würde sicher gut passen und die Attraktivität noch steigern.

 

Frage: Gibt es einen Austausch der AktivRegionen mit entsprechenden Lokalen Aktionsgruppen in anderen Bundesländern?

Sommer: Ja, durchaus. Gerade hatten wir eine Delegation aus Brandenburg zu Gast, die sich mehrere Tage lang in den AktivRegionen Alsterland und Holsteins Herz sowie bei landesweiten Projekten wie MarktTreff informiert haben. So ein Austausch ist für alle Beteiligten sehr fruchtbar - und zeigt zum anderen, dass wir in Schleswig-Holstein mit unseren AktivRegionen auf einem guten Weg sind.

 

Frage: Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren der AktivRegionen?

Sommer: Das Modell AktivRegion ist zuallererst ein Beteiligungsprozess. Von daher steht und fällt es mit dem Engagement der Menschen. Ganz bewusst hat man ja unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen zusammengebracht. Mit dem Vorteil, dass die Menschen von den unterschiedlichen Kompetenzen und Erfahrungen profitieren. Auch erhalten sie über die AktivRegionen die Möglichkeit, mit zu entscheiden und darüber die Entwicklung in der eigenen Region mit zu gestalten. Das klappt schon ganz gut und ist mittelfristig ein echter Erfolgsfaktor. Ganz wichtig ist dabei natürlich die professionelle Begleitung durch die jeweiligen Regionalmanager, denn bei ihnen laufen die Ideen und Fäden zusammen.
Und natürlich ist AktivRegion auch eine „Förderkulisse". In Zeiten leerer Kassen ein unschätzbares Angebot, sinnvolle Projekte - seien sie groß oder klein - anzuschieben und zu fördern.

 

Frage: Welche Rolle sehen Sie dabei für MarktTreff? Und was könnte aus Ihrer Sicht noch verbessert werden?

Sommer: MarktTreff ist heute ja schon ein erfolgreiches Modell für die Grundversorgung mit unterschiedlichen Angeboten und Gewichtungen. Ich persönlich kenne einige der Betreiber, denn wir sind häufig gemeinsam auf Messen und Veranstaltungen präsent. Bei aller Anerkennung für die tägliche Arbeit vor Ort und die herausragende Stellung des Konzeptes MarktTreff: Man sollte das Modell nicht überfordern.
Konkret: MarktTreff kann neben dem Einkaufen und Treffen nicht alle weiteren Herausforderungen in kleinen Gemeinden lösen. Bildung, Gesundheit, Soziales verlangen aus meiner Sicht eigenständige Strategien und Wege. Vielleicht können wir da gemeinsam etwas Neues entwickeln.
Ich wünsche mir, dass wir die Kommunikation mit den Regionalmanagern und den AktivRegionen zu diesen Themen intensivieren. Vielleicht können wir so ein erstes regionales Versorgungsnetz anstoßen. Den Versuch ist es allemal wert.

 

Torsten Sommer ist Leiter der Vernetzungsstelle Schleswig-Holstein, einem Netzwerk für die koordinierte Zusammenarbeit der 21 LAG AktivRegionen im Land. Durch seine Arbeit für die Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins  e. V.  und seine vorherige Tätigkeit als selbständiger Regionalplaner kennt er die Herausforderungen der ländlichen Entwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven.