MarktTreffs als Knoten regionaler Bildungslandschaften

Kiel MT 24.06.10 - MarktTreff ist ein erfolgreiches Modell für die Grundversorgung in einzelnen ländlichen Gemeinden. Heute steht die Versorgung jedoch auch aus regionaler Sicht vor neuen Herausforderungen. Außer Einkauf und Treffmöglichkeit rücken zunehmend die Themen Bildung, Gesundheit und soziale Dienste in den Fokus. Wie können regional vernetzte Angebote aussehen? Wie kann die Marke „MarktTreff" hier sinnvoll erweitert werden? Antworten hierzu gibt eine Interviewserie - heute erläutert Dr. Martin Lätzel, Verbandsdirektor des Landesverbandes der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins, seine Sicht.

Frage: Welche Rolle spielen Volkshochschulen in ländlichen Räumen?

Lätzel: Bildung ist eine wesentliche Ressource in Schleswig-Holstein - und lebenslanges Lernen ist auch in ländlichen Regionen das Gebot der Stunde. Unser Landesverband vertritt mehr als 170 Volkshochschulen und Bildungsstätten, deren überwiegende Zahl im ländlichen Raum beheimatet ist. Wenn wir von lebenslangem Lernen sprechen, hat dies vier Schwerpunkte: Da ist die politische Dimension: Der mündige demokratische Bürger steht hier im Mittelpunkt. Ebenso hat Lernen soziale und wirtschaftliche Funktionen, denken Sie hierbei an Treffpunkte und die berufliche Weiterbildung. Und der Bildungsbereich ist ein echter Wirtschaftsfaktor: Die Volkshochschulen im Land generieren pro Jahr einen Gesamtumsatz von rund 36 Millionen Euro, die gesamte Anzahl der Kursteilnehmer beträgt rund 700.000. Und nicht zuletzt geht es um aktive Freizeitgestaltung und Lebensqualität.

 

Frage: Ihr Landesverband entwickelt derzeit ein Konzept „VHS 2020". Vor welchem Hintergrund und mit welcher Zielsetzung?

Lätzel: Wer künftig weiter bestehen will, muss bei Zeiten eine passende Strategie mit vielen Aspekten entwickeln. Dies gilt für jedes Unternehmen und ebenso für die Volkshochschulen. Nehmen wir als Beispiel die demographische Entwicklung: Zwei Drittel unserer Mitgliedsorganisationen werden heute ehrenamtlich von älteren Menschen geführt. Und der Trend beim Ehrenamt ist leider abnehmend.

Unser Ziel ist es, weiter flächendeckend mit attraktiven Angeboten präsent zu sein. Ich bin fest davon überzeugt: Nur wenn wir zu neuen Kooperationen, Vernetzungen und Synergien kommen, wird dies so bleiben und kann die EU-Initiative „lebenslanges Lernen" realisiert werden. Vor diesem Hintergrund befassen wir uns mit dem Thema „regionaler Bildungslandschaften", mit neuen Modellen zentraler und dezentraler Aufgabenteilung. Denn gerade im ländlichen Raum sind wir oftmals einziger Träger von Kultur und Bildung und Zentrum dörflicher Kommunikation. 

Dr. Martin Lätzel, Verbandsdirektor des Landesverbandes der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins
Dr. Martin Lätzel ist Verbands-
direktor des Landesverbandes
der Volkshochschulen
Schleswig-Holsteins e.V.
 

Frage: Welche Rolle kann MarktTreff in diesen „Bildungslandschaften" übernehmen?

Lätzel: MarktTreff ist doch heute schon ein beliebter Treffpunkt. Bei geeignetem Raumangebot können hier auch Kurse stattfinden. Und dafür gibt es schon gute Beispiele in der Praxis: Im MarktTreff Gülzow werden bereits VHS-Kurse maßgeschneidert. Hier haben die Kunden ihre Bedarfe und Wünsche genannt und nun sollen Kurse für „Pilates", „Russisch" und „Englisch" angeboten werden. Zur Erklärung: Gülzow hat eine russische Patenstadt, mit der man einen intensiven Austausch pflegt; und das „Reise-Englisch" wird direkt im Lebensmittelmarkt als „Live-Shopping" unterrichtet. Derart kreative und bedarfsgerechte Angebote kann ich mir an vielen Standorten vorstellen - dann können die MarktTreffs zu Knotenpunkten in ländlichen Bildungslandschaften werden. Ich sehe dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir künftig verstärkt Angebote für Teilnehmer im so genannten dritten und vierten Lebensabschnitt (70+) benötigen. Diese Menschen holen wir mit MarktTreff-Veranstaltungsorten dort ab, wo sie heute schon verkehren.

 

Frage: Was überzeugt Sie persönlich an den MarktTreffs?

Lätzel: „Bei uns ist alles drin" - der Slogan fasst das Konzept exzellent zusammen. Die Bündelung von Angeboten, die Strategie von Kooperation und Vernetzung, das wird bei MarktTreff vor Ort und landesweit gelebt. Dabei wird Daseinsvorsorge umfassend verstanden. Bildung gehört dazu. Aus diesem Grund sind die Volkshochschulen gern Partner des Projektes geworden - und gemeinsam haben wir noch eine Menge vor.