Die Palette der MarktTreff-Leistungen erweitern

Kiel MT 25.05.10 - MarktTreff ist ein erfolgreiches Modell für die Grundversorgung in einzelnen ländlichen Gemeinden. Heute steht die Versorgung jedoch auch aus regionaler Sicht vor neuen Herausforderungen. Außer Einkauf und Treffmöglichkeit rücken zunehmend die Themen Gesundheit, Bildung und soziale Dienste in den Fokus. Wie können regional vernetzte Angebote aussehen? Wie kann die Marke „MarktTreff" hier sinnvoll erweitert werden? Antworten hierzu gibt eine Interviewserie - Hans-Werner Berlau, Vorsitzender der LAG AktivRegion Schlei-Ostsee, erläutert seine Sicht.

Frage: Wie ist es um die Versorgung in ländlichen Regionen bestellt?

Berlau: Ich arbeite seit langem in verschiedenen Gremien, die sich mit der Zukunft des ländlichen Raumes befassen. Versorgung war und ist immer ein wichtiges Thema. Wenn die Menschen in ihrem Dorf nicht mehr einkaufen können, wenn keine Schule oder kein Arzt mehr vorhanden sind, hat das Auswirkungen. Die Attraktivität sinkt - bis hin zu fallenden Immobilienwerten. MarktTreffs können einen Teil dieser Versorgungslücke schließen. Immer vorausgesetzt: Die Bürger stehen hinter dem Konzept und nutzen es auch entsprechend. Schauen Sie: MarktTreff steht heute, bei den knappen Gemeinde-Finanzen, im Wettbewerb mit Kindergarten und Co. Junge Familien würden sich vermutlich im Zweifel für die Kinderbetreuung entscheiden.

Hans-Werner Berlau
Hans-Werner Berlau beim MarktTreff-Forum am 25.03.2010

Frage: Worin sehen Sie die Stärken und Vorteile von MarktTreff?

Berlau: MarktTreff überzeugt durch die Vielfalt an Angeboten und Leistungen. Das Konzept, Gutes unter einem Dach zu bündeln, ist absolut zeitgemäß. Für die Zukunft würde ich mir eine noch stärkere Ausdehnung auf die Vermarktung regionaler Produkte wünschen. Hier haben wir doch Qualität und Einzigartigkeit zu bieten. Ich komme aus einer Tourismusregion. Hier werden regionale Produkte immer mehr nachgefragt. In der Vermarktung können wir von anderen Regionen und Ländern noch lernen, zum Beispiel Österreich und der Schweiz.

 

Frage: Wie sehen Sie die medizinische Versorgung in den Gemeinden Schleswig-Holsteins?

Berlau: Sicherlich muss man die medizinische Versorgung sehr genau und bezogen auf den Einzelfall untersuchen und dann die Diagnose stellen. Aber es lässt sich ein genereller Trend erkennen: Bei der Situation der Hausärzte ist es aus meiner Sicht im übertragenen Sinn fünf vor zwölf. Wenn Ärzte erzwungenermaßen ab dem 20. eines Monats „Urlaub" machen, ist etwas nicht in Ordnung. Die Budgetfrage muss zum Wohle der Patienten und der Ärzte gelöst werden. Ich wünsche mir klare Aussagen der Politik zur Zukunft der medizinischen Versorgung in ländlichen Räumen.

 

Frage: Welche Rolle sehen Sie für MarktTreff?

Berlau: Der Gesundheitsbereich ist nach meiner Erfahrung ein schwieriges Feld. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben in unserer Region, in Tolk, versucht, verschiedene Anbieter unter ein Dach zu bekommen. Ärzte, Zahnärzte, Apotheke, Physiotherapeuten - es hätte alles gepasst, viele Synergien wären möglich gewesen. Aber: Ärzte sind häufig noch zu sehr Einzelkämpfer. Ich hätte mir gewünscht, dass das Konzept der GesundheitsZentren ideologiefrei betrachtet worden wäre. Denn darin sehe ich große Chancen für alle Beteiligten.
Nun komme ich zur Rolle von MarktTreff. Man sollte sich hier eher auf niedrigschwellige gesundheitliche Angebote konzentrieren: Physiotherapie, Gesprächstherapie, Pflege, Bewegungsgruppen, Ernährung - das sind Themen und Angebote, die gut zu MarktTreff passen. Die ärztliche Versorgung kann MarktTreff - bis auf Einzelfälle - nicht sicherstellen. Das würde das Modell einfach überfordern.

 


Hans-Werner Berlau ist Vorsitzender der LAG AktivRegion Schlei-Ostsee e. V., Amtsvorsteher des Amtes Südangeln, Bürgermeister der Gemeinde Taarstedt und Vorsitzender des Kreisverbandes Schleswig-Flensburg des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages. Berlau arbeitet seit vielen Jahren intensiv in unterschiedlichen Bereichen der ländlichen Entwicklung.