Bürgermeister zu GesundheitsTreffs:
„Alle müssen an einem Strang ziehen“

K i e l   MT 27.05.2009 - Die Frage der künftigen gesundheitlichen Versorgung wird in diesen Tagen bundesweit heiß diskutiert. Eine besondere Bedeutung hat das Thema gerade jetzt an den MarktTreff-Standorten Beidenfleth, Witzwort und Gülzow.

Vor rund einem Jahr ist in Beidenfleth (Kreis Steinburg) mit viel Euphorie ein GesundheitsTreff eröffnet worden. Ziel war

Ulrike Janssen-Komoß, Leiterin der DRK-Sozialstation im GesundheitsTreff Beidenfleth
Ulrike Janssen-Komoß, Leiterin der DRK-Sozialstation im
GesundheitsTreff Beidenfleth, ist zufrieden mit dem ersten Jahr.

es, Beratung, Betreuung, Diagnose und Therapie unter einem Dach zu bündeln. Während die integrierte Sozialstation des örtlichen DRK und die Physiotherapiepraxis gut angenommen werden, hat der Facharzt für Allgemeinmedizin sein Mietverhältnis gekündigt. Mit zuletzt rund 30 Patienten war seiner Meinung nach ein wirtschaftlicher Betrieb der Praxis-Zweigniederlassung nicht darstellbar - zumal der Patientenstamm in der Hauptpraxis wuchs. „Das Angebot zwei Stunden an zwei Tagen in der Woche scheint bei den Patienten nicht anzukommen. Vom Arzt vor Ort erwarten die Patienten heute wohl eine höhere Präsenz und Erreichbarkeit. Da müssen wir umsteuern", sagt Bürgermeister Peter Krey. „Wir arbeiten weiter an der optimalen Versorgung und suchen nach einem neuen Arzt", ergänzt Krey hoffnungsvoll. Aber die Bürgerinnen und Bürger vor Ort müssten auch mitziehen und die gewünschten Angebote entsprechend nutzen.


Dem stimmt Willi Berendt, Bürgermeister in Witzwort
(Kreis Nordfriesland),
ganz und gar zu: „Wir haben im Ort gerade eine Befragung zum Thema GesundheitsTreff abgeschlossen. Der Wunsch nach einem Arzt steht mit Abstand ganz oben auf der Liste, gefolgt von Krankengymnastik, Physiotherapie, Massage und Beratung. Mit diesem Ergebnis machen wir uns jetzt auf den Weg durch die Zuständigkeiten", gibt sich Berendt zuversichtlich. Bei der Frage nach der generellen Haltung zum Thema GesundheitsTreff war das Ergebnis überraschend eindeutig: Über 80 Prozent der Befragten stimmen dem Vorhaben zu. Derzeit praktiziert in Witzwort kein Hausarzt - die Patienten fahren nach Oldenswort, Husum oder Friedrichstadt. „Das Konzept muss stimmen, daran arbeiten wir - und alle müssen an einem Strang ziehen. Sonst nehmen wir als Gemeinde kein Geld in die Hand", so Berendt abschließend.

 

In Gülzow (Kreis Herzogtum Lauenburg) steht Bürgermeister Günther Noß vor den gleichen Fragen beim Thema GesundheitsTreff: Wie kann sich der Praxisbetrieb für einen Allgemeinarzt rechnen? Was kann die Gemeinde für eine entsprechende Nutzungsfrequenz unternehmen? „Ein Arzt ist für uns der Mittelpunkt eines GesundheitsTreffs. Mit Sorge lesen wir von drohenden Praxisschließungen in umliegenden größeren Gemeinden. Wir sind derzeit mit einem Interessenten im Gespräch und hoffen zu einer guten Lösung zu kommen", erläutert Noß. Physiotherapie, Yoga, soziale Dienste könnten das Angebot ergänzen - aber erst, wenn ein Arzt gefunden sei.

 

Christina Pfeiffer, Projektkoordinatorin aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, sieht die Entwicklung realistisch: „Bei den GesundheitsTreffs denken wir heute schon an morgen. Kleine Rückschläge sind da nicht ausgeschlossen. Aber gerade aufgrund der demografischen Entwicklung - immer mehr Menschen werden immer älter - müssen wir jetzt Akzente setzen. Das wollen wir gemeinsam mit den Gesundheitsakteuren in den ländlichen Regionen und den Menschen vor Ort tun - mit GesundheitsTreffs."