MarktTreff - erfolgreiche Bilanz und neue Wege

K i e l   MT 17.11.2008 - Das Interesse im Land ist groß: Zu den 25 MarktTreffs in Schleswig-Holstein sollen weitere kommen. Ein aktueller Überblick über Gemeinden, die sich mit der neuen Grundversorgung befassen - und ein besonderes Jubiläum.

„Über das Thema MarktTreff könnte ich schon ein Buch schreiben", sagt Bürgermeister Willi Berendt aus Witzwort (Kreis Nordfriesland) schmunzelnd. „Wir haben jetzt fünf Jahre einen MarktTreff und in dieser Zeit wohl schon alles erlebt. Heute weiß ich: Der Kaufmann ist das A und O."

 

Mit großer Begeisterung wurde im Jahr 2003 die Eröffnung in der Gemeinde gefeiert. Nach einer umfassenden Phase der Planung und Beteiligung der Bevölkerung sah sich Berendt am Ziel: ein Laden für die Grundversorgung. Doch die ersten zwei Betreiber hatten zwar tolle Ideen, aber nicht die nötige kaufmännische Qualifikation. Und so gab es eine Zeit, da stand der Bürgermeister selbst hinter dem Verkaufstresen und sorgte für zufriedene Kunden. „Das ist zum Glück seit Anfang 2006 vorbei. Der Laden läuft, mit Maik Schultze haben wir unseren Kaufmann gefunden - und jetzt freuen wir uns auf die nächsten gemeinsamen fünf Jahre," so Berendt.

 

MarktTreff wurde dem Förderverein Landschaft Stapelholm vorgestellt.
Die Mitglieder des Fördervereins Landschaft Stapelholm informierten sich bei ihrer
Jahreshauptversammlung über das Projekt MarktTreff.

Die Witzworter „Geschichte" hat sich natürlich in der Region herumgesprochen - und so wurde das MarktTreff-Modell auf der diesjährigen Hauptversammlung des Fördervereins Landschaft Stapelholm vorgestellt. Der Verein kümmert sich seit 20 Jahren um die Pflege der Landschaft und Kultur im Raum Eider-Treene-Sorge. Dazu Arno Vorpahl, 1. Vorsitzender des Vereins: „In unserer ländlichen Region gibt es eine Reihe von Läden, die in nächster Zeit einen Nachfolger suchen. Wenn wir hier keine Lösungen finden, ist die Versorgung gefährdet und die Lebensqualität sinkt. Das wollen wir nicht." Vertreter aus 10 Gemeinden informierten sich über Angebote, Erfahrungen und die Schritte, wie ein MarktTreff erfolgreich entwickelt wird.

 

Rechtzeitig eine Nachfolgeregelung für den bestehenden Kaufmann zu finden, ist häufig für ländliche Gemeinden der Anlass, sich mit dem Thema MarktTreff zu beschäftigen. So auch in Bergenhusen (Kreis Schleswig-Flensburg). „Noch haben wir einen erfolgreichen Lebensmittelladen, aber der Betreiber wird in den nächsten fünf Jahren in den Ruhestand gehen", sagt Bürgermeister Helmut Mumm. Da die Nachfolge nicht gesichert ist, hatte die Gemeinde im vergangenen Jahr mit Bürgerinnen und Bürgern erste Konzeptideen für einen MarktTreff erarbeitet. Außerdem wurden grobe Berechnungen angestellt, welche Kosten voraussichtlich auf die Gemeinde zukommen. Die stellen die Gemeinde nun vor ein Problem: „Aufgrund unserer äußerst angespannten Haushaltslage wird die Gemeindevertretung diese Investitionen voraussichtlich nicht beschließen können", so Mumm. Die Gemeinde will jetzt noch einmal mit den Bürgern über die zukünftige Versorgungssituation in Bergenhusen diskutieren und dann ihre Entscheidung treffen.

 

Bergenhusens Nachbargemeinde Börm hat diesen Weg schon hinter sich. Dort hatte sich die Gemeindevertretung für die Investition in ein kleines Lebensmittelangebot ausgesprochen. Geplant ist ein Anbau an das bestehende Feuerwehrgerätehaus, in dem eine Bäckereifiliale mit begrenztem Lebensmittelangebot und Bistro Platz findet. Außerdem werden die Treffmöglichkeiten für die Gemeinde erweitert. „Wir stehen in den Startlöchern, um mit dem Bau zu beginnen", sagt Bürgermeisterin Sigrid Cohrt. „Wir warten nur noch auf die Bewilligung der Gelder durch das Amt für ländliche Räume."

 

Ebenfalls gut davor ist die Gemeinde Heidgraben (Kreis Pinneberg). Dort beginnen jetzt die Detail-Planungen. Die Gemeinde betritt mit ihrem MarktTreff-Projekt Neuland: sie wird das Konzept in die AktivRegion „Pinneberger Marsch und Geest" einbringen, die den MarktTreff für den landesweiten Förderwettbewerb anmelden soll. „Künftig werden neue MarktTreffs über die AktivRegionen gefördert", sagt Christina Pfeiffer aus dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR). „Dadurch stärken wir den Selbstbestimmungs- und Verantwortungsprozess der Menschen für ihre Regionen. Denn wie wir aus den Erfahrungen unter anderem mit MarktTreff gelernt haben: Die Menschen vor Ort wissen am besten, was sie brauchen."