MarktTreff – immer wieder Vorbild für andere Länder

K i e l  MT  16.04.2008 - Wie kann die Grundversorgung auf dem Lande erfolgreich gesichert werden? Eine Frage, die in vielen Regionen Deutschlands an Bedeutung gewinnt. Mit steigender Konkurrenz durch Discounter und großflächige Supermärkte bleibt die wohnortnahe Versorgung durch kleine Lebensmittelläden häufig auf der Strecke. Schleswig-Holstein hat mit seinen mittlerweile 24 MarktTreffs ein Modell zur Sicherung der Grundversorgung realisiert, das bundesweit als Vorbild gehandelt wird. Davon überzeugten sich Vertreter aus Baden-Württemberg und Hessen, die in MarktTreffs zu Gast waren, und das Projekt präsentierte sich bei einem Fachkolloquium in Sachsen.

Den MarktTreff in Gülzow besuchte der Verein „Aufwind" aus dem hessischen Eschwege. Der Verein plant einen Laden mit Lebensmitteln, Dienstleistungen und Treffmöglichkeiten aufzubauen. Bei der Recherche nach vergleichbaren Projekten ist Matthäus Mihm, hauptamtlicher Vorstand des Vereins, auf MarktTreff gestoßen. „Die Vielfalt des Angebots in den einzelnen Standorten hat mich auf Anhieb begeistert", so Mihm. „Daher wollte ich mir das Projekt unbedingt einmal vor Ort ansehen." Vertreter des Vereins, der Gemeinde und des Kreises reisten gemeinsam nach Gülzow, da dieser MarktTreff in Kooperation mit dem Lebenshilfewerk Mölln-Hagenow mehrere integrative Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung anbietet. Ein ähnliches Konzept will „Aufwind" in der hessischen Gemeinde Ringgau verwirklichen. Vertreter des Lebenshilfewerks und der Gemeinde Gülzow sowie Marktleiter Detlev Schweim gaben hilfreiche Tipps für den Aufbau eines Ladens und die Integration von betreuten Menschen.

 

 

Der Verein SPES aus Freiburg im MarktTreff Kirchbarkau
MarktTreff-Betreiber Heinz-Jürgen Harms (links) erzählt Ingrid
Engelhart (2. v.l.) und ihren Kollegen alles über den MarktTreff
in Kirchbarkau.

Einmal durchs ganze Land reiste eine Besuchergruppe aus Freiburg und Umgebung. Die „Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen" (SPES) entwickelt in Baden-Württemberg Zukunftsmodelle zur Nahversorgung und Nachbarschaftshilfe sowie Projekte zur Stärkung der Lebensqualität auf dem Land. Die vier nach Schleswig-Holstein gereisten Mitglieder des Vereins bekamen in Neuwittenbek, Kirchbarkau, Negernbötel und Gülzow die ganze Vielfalt der MarktTreffs zu sehen. „Es überrascht mich, wie unterschiedlich die MarktTreffs sind", sagt Ingrid Engelhart, Leiterin der SPES-Geschäftsstelle. „Es ist wichtig, dass jede Gemeinde die Grundversorgung auf ihre eigenen Voraussetzungen und Bedürfnisse anpassen kann." Begeistert waren die Süddeutschen auch vom Bürgerengagement. „Dass die Bürger von Anfang an ihren MarktTreff mitplanen können, ist sicherlich ein Erfolgsfaktor im späteren Betrieb", sagt Gerhard Kiechle.

 

 

Im Landkreis Kamenz diskutierten rund 100 Fachleute bei einem Kolloquium des sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft das Thema „Nahversorgung im Dorf". Thomas Grunewald und Dr. Silvia Horn von BBE Retail Experts, beide Mitglieder im MarktTreff-Projektteam, stellten das Konzept MarktTreff vor. Das schleswig-holsteinische Modell stieß auf besonderes Interesse, da in Sachsen von 511 Gemeinden 14 Prozent keine vollständige Nahversorgung mehr haben. Ein landesweites Förderprogramm soll nun Abhilfe schaffen. „Für eine flächendeckende Versorgung ist es wichtig, dass die Gemeinden von Landesseite unterstützt werden", sagt Thomas Grunewald. „Der sächsische Ansatz sollte sich dabei an dem Vorbild von MarktTreff aus Schleswig-Holstein orientieren."