MarktTreff ein Erfolgsmodell für Infrastruktur im ländlichen Raum

B r e k l u m MT 10.07.06 – Das Projekt MarktTreff setzt beim langfristigen Erhalt und Ausbau von Infrastruktur bundesweit Maßstäbe. Dies ist eines der Ergebnisse der Veranstaltung „Infrastruktur im ländlichen Raum“, die die Akademie für die Ländlichen Räume Schleswig-Holsteins in Zusammenarbeit mit dem Christian-Jensen-Kolleg jetzt in Breklum veranstaltete.

Rund 50 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verbänden diskutierten über die Frage, wie angesichts des demografischen Wandels und der globalen ökonomischen Veränderungen auch langfristig Versorgung und Lebensqualität für Menschen in ländlichen Regionen gesichert werden kann. Das Projekt MarktTreff ist hierfür ein erfolgreiches Beispiel aus Schleswig-Holstein, indem es die Grundversorgung mit Lebensmitteln, verschiedene Dienstleistungen und Kommunikation unter einem Dach bündelt.

 

Foto ALR

Dr. Jens-Martin Gutsche, Hochschuldozent an der Hafencity Universität Hamburg und Autor über Stadt- und Regionalentwicklung im demografischen Wandel, plädierte für ein Umdenken im Bereich der technischen und sozialen Infrastruktur. Der häufig genannte Vorteil ländlicher Gemeinden, billiges Bauland anzubieten, „kann zum Bumerang werden, weil die Folgekosten der Erschließung langfristig von immer weniger Steuerzahlern nicht mehr getragen werden können“. Die soziale Infrastruktur wie Schulen und Kindergärten sei ebenfalls dem demografischen Wandel unterworfen, könne aber flexibler angepasst werden als etwa Straßen oder Kanalisation.

 

Dr. Jens-Martin Gutsche, Hochschuldozent an der Hafencity Universität Hamburg und Autor über Stadt- und Regionalentwicklung im demografischen Wandel, plädierte für ein Umdenken im Bereich der technischen und sozialen Infrastruktur. Der häufig genannte Vorteil ländlicher Gemeinden, billiges Bauland anzubieten, „kann zum Bumerang werden, weil die Folgekosten der Erschließung langfristig von immer weniger Steuerzahlern nicht mehr getragen werden können“. Die soziale Infrastruktur wie Schulen und Kindergärten sei ebenfalls dem demografischen Wandel unterworfen, könne aber flexibler angepasst werden als etwa Straßen oder Kanalisation.

Malte Obal von der BBE Unternehmensberatung präsentierte die Ergebnisse einer Studie über die langfristige Entwicklung der Nahversorgung in Deutschland. Von 1992 bis heute seien die Umsätze kleinflächiger Einzelhandelsgeschäfte um 60 Prozent zurückgegangen – mit der Folge, dass flächendeckend – insbesondere in ländlichen Gemeinden – ein Ladensterben zu verzeichnen sei. „Es ist kein Ende dieses Trends abzusehen, wenn es nicht gelingt, neue und kreative Lösungen für den ländlichen Einzelhandel zu entwickeln.“ Die überzeugendste Lösung hierfür sei bundesweit das MarktTreff-Konzept, das mit Landes- und kommunaler Unterstützung unterschiedliche Services unter einem Dach bündele.

Einen breiten Raum nahm in der Veranstaltung das Thema „Gesundheitsversorgung“ ein. Ralf Duckert, Geschäftsführer des Kieler Unternehmens dsn und Leiter eines Länder übergreifenden Projekts über eHealth-Angebote im Ostseeraum, empfahl den Blick nach Skandinavien. „Trotz der viel größeren Entfernungen zwischen Städten und einer geringeren Einwohnerdichte gelingt es, im ländlichen Raum bezahlbare medizinische Versorgung auf höchstem Niveau zu erhalten“ – dank der Angebotskonzentration in kommunalen Gesundheitszentren. Hinzu komme, so Duckert, dass die Telemedizin weit verbreitet sei.

Oskar Klose vom Landkreis Ostholstein präsentierte ein Erfolg versprechendes Modell ländlicher Verkehrsinfrastruktur, den „Anrufbus“. Seit 2005 können Bürger in einem Teil des Kreises öffentlichen Nahverkehr per telefonische Bestellung ordern. 15.000 Menschen – Tendenz steigend – nutzten 2005 dieses Angebot.

In der abschließenden Diskussion wurde von allen Beteiligten hervorgehoben, wie unverzichtbar Bürgerengagement und -Initiative sei. Probst Dr. Helmut Edelmann vom Kirchenkreis Husum-Bredstedt schlug gezielt Bürgerversammlungen zum Thema „Infrastruktur“ vor und betonte, die Kirche werde dabei „einen viel aktiveren Beitrag als in der Vergangenheit leisten“. Horst Müller, Geschäftsführer der Akademie für die Ländlichen Räume, und Dr. Kay-Ulrich Bronk, Leiter des Christian-Jensen-Kollegs, warben für eine „Koalition für den ländlichen Raum“. Im August wird die Diskussionsreihe über ländliche Räume fortgesetzt.